Wissenschaftsranking: Hochschulen, Fächer, Wissenschaftler – One size fits all?

Auf der Suche nach Informationen zur Hochschulevaluierung in der Schweiz stieß ich auf zwei Ergebnisse:

  1. In der Schweiz wird im Wesentlichen der gleiche, kritisierbare “one size fits all”-Ansatz verfolgt wie in Deutschland.
  2. Eine Website, die in ihrem Methodenabschnitt sehr verständlich verallgemeinerbare Mängel der Rankings darstellt.

Als da (meiner auszugsweisen Meinung nach) wären

  • willkürliche Auswahl und Gewichtung von Dimensionen (Reputation, Forschungsqualität, Lehrqualität, …) als
  • Kriterien eines nicht definierten, abstrakten und willkürlichen Qualitätskonstrukts.
  • Quantifizierung der Eigenschaftsausprägungen der (nicht vergleichbaren) Messobjekte (Forschungsinstitute, die Forschung zum Auftrag haben, und Fachhochschulen, die Lehre zum Auftrag haben) auf diesen Dimensionen durch völlig beliebige Kriterien (Drittmitteleinwerbung, Publikationszahlen, Anzahl englischsprachiger Artikel, Zitationmuster, internationale Kooperation, Auszeichnungen, …)
  • und Messung der Ausprägungen dieser Eigenschaften in niemals auf Validität oder Reliabiltät geprüften Verfahren.

Man könnte die Liste länglich weiter fortführen; wer mehr, verständlich formuliert, über Rankings und Indexbildung lesen mag, ohne sich mit sozialwissenschaftlichen Methoden befassen zu wollen, dem sei auf die Schnelle dieses Paper empfohlen:

Michalke, M., Naß, O., & Nitsche, A. (2007). Mehr Humor und keine Katze – Rankingprodukte Marke Bertelsmann. In J. Wernicke & T. Bultmann (Eds.), Netzwerk der Macht – Bertelsmann (2nd ed., p. 111–139). BdWi Verlag. Online: http://www.reaktanz.de/blog/?e=112.

Und wie gesagt auch der bereits oben erwähnte Abschnitt der Seite http://www.universityrankings.ch, die tatsächlich gut informiert – mit der ich aber bei der Ratings-/Rankingsdiskussion in einem Punkt nicht d’accord bin: Sicher sind qualitative Erhebungen wie die Research Assessment Exercise in UK oder das Rating des Wissenschaftsrats für die Soziologie auch (und besonders) durch den qualitativen Erhebungsteil Verzerrungen unterworfen, die es zu kontrollieren gilt – aber ich tendiere zumindest dazu anzunehmen, dass Qualität, wie Schönheit, im Auge des Betrachters entsteht und nicht in aufaddierten Fördersummen, Promovendenzahlen oder obskuren, oft unüberprüften Publikationslisten.

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