Peer Review Showroom bei RePEc

RePEc, das Nachweisinstrument zu Publikationen und Preprints in den Wirtschaftswissenschaften, stellt seinen Nutzern einen neuen Service zur Diskussion: Ein Peer Review Showcase für herausragende Gutachten zu Artikeln aus den Wirtschaftswissenschaften. Der Ansatz des Vorhabens ist lobenswert und überfällig: Das Verfassen einer guten Review zu einem eingereichten Artikel ist aufwändig und verbessert diesen spürbar. Die Review kann leicht sogar besser als die Submission ausfallen. Zudem ist die  Reviewertätigkeit eine Last, auch weil in Zeiten steigenden Publikationsdrucks immer mehr Gutachten verfasst werden müssen. Zudem, das ist altbekannt, verzehren die schlechtesten Artikel, die fortwährend abgelehnt und bei anderen Journals neu eingereicht werden, in der Summe die meiste Zeit. Neben dem von RePEc zur Diskussion gestellten Showcase gibt es auch andere Ansätze, dem Gutachten respektive dem Reviewer Anerkennung zu verschaffen. In Atmospheric Chemistry and Physics wird die Review mit dem publizierten Artikel veröffentlicht und so Teil der Wissenschaftskommunikation; nebenbei dürfte die Gewissheit einer Veröffentlichung der Review deren Qualität erhöhen. Andere Überlegungen zielen drauf, die Mühen der Gutachter durch eine Art Reviewer Index zu entlohnen, der ihren Beitrag zur wissenschaftlichen Kommunikation ähnlich zu quantifizieren versucht, wie es der Hirsch-Index oder andere Kennziffern versuchen – aber eben nicht auf Basis der Zitationen eigener Artikel, sondern anhand der von Wissenschaftlern verfassten Gutachten.

Im RePEc Showroom reichen Editors als veröffentlichungswürdig erachtete Reviews ein, nachdem sie bei Autoren und Gutachtern die Erlaubnis dazu eingeholt haben. Die Gutachter können auf Wunsch bei Publikation ihrer Reviews anonym bleiben. Dies läuft zwar dem Gratifikationsmodell zuwider, schützt sie aber vor akademischer Rache in Fällen, in denen die Einreichung letztlich abgelehnt wurde. Aber selbst dann kann das Journal mit Publikation der Gutachten auf die Qualität der Begutachtung verweisen. Und ja: Auch ablehnende Reviews können im Showroom publiziert werden. Die Auswahl, welche Gutachten letztlich publiziert werden, obliegt dem RePEc-Stab. Veröffentlichte Reviews sollen, sofern möglich, mit dem begutachteten Artikel verlinkt werden.

Die Zukunft des Peer Review Showrooms ist offen, seine Einrichtung wurde gestern den Editors in der Community vorgeschlagen, die sich nun zur Umsetzung der Idee äußern können.

 

Literatur

Baveye, P. C., & Trevors, J. T. (2010). How Can We Encourage Peer-Reviewing? Water, Air, & Soil Pollution, 214(1-4), 1-3. doi:10.1007/s11270-010-0355-7. Online: http://www.springerlink.com/index/d7713174398576ml.pdf

Huggett, S. (2010). In recognition of peer reviewers. Research Trends, (18), 10-11. Online: http://info.scopus.com/researchtrends/pe_foc_18.html

Pöschl, U. (2006). Open Access & Collaborative Peer Review: Öffentliche Begutachtung und interaktive Diskussion zur Verbesserung von Kommunikation und Qualitätssicherung in Wissenschaft und Gesellschaft. In S. Hornbostel & D. Simon (Eds.), Wie viel (In-) Transparenz ist notwendig? : Peer Review revisited (iFQ Workin., pp. 43-46). Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung. Online: http://www.forschungsinfo.de/publikationen/download/working_paper_1_2006.pdf

 

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