Open Science & Research Funding

Zusammen mit Karsten Wenzlaff und Jörg Eisfeld-Reschke (beide IKOSOM, Institut für Kommunikation in sozialen Medien) arbeite ich an einem Artikel zum Thema Open Science & Research Funding. Der Artikel wird im Sammelband Science 2.0, herausgegebenen von Dr. Sönke Bartling vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Dr. Sascha Friesike, Forscher am Alexander von Humboldt Institut in Berlin, erscheinen. Der Beitrag zu Open Science & Research Funding soll zum einen die Auswirkungen des Research Fundings auf die Öffnung der Wissenschaft reflektieren, wenn z.B. Forschungsförderer wie die National Institutes of Health (NIH) von Mittelempfängern verlangen, dass Forschungsdaten aus NIH-geförderten Projekten zur Nachnutzung bereitgestellt werden müssen. Fast interessanter dürfte der zweite Aspekt sein: Wie kann sich die Forschungsförderung durch Offenheit, Open Science und Transparenz verändern. In diesem Kontext sollen Fragen diskutiert werden wie:

  • Kann Crowdfunding ein Mechanismus sein, um Forschung finanziell zu fördern? Diese Frage verweist für mich auch auf die Verbindung von Citizen Science (wie beim Projekt Galaxy Zoo, in dem Laien bei der Klassifikation der Form von Galaxien unterstützten) und Research Funding, besonders wenn es sich um sozialwissenschaftliche Forschung handelt.
  • Welche Rolle könnten virtuelle Währungen wie BitCoin im Förderprozess spielen? Könnten Wissenschaftler (nicht Forschungsförderer) ihren Kollegen Anerkennung für gelungene Forschung in Form von BitCoins als wissenschaftlichen Kredit zugestehen, der bei zukünftigen Förderentscheidungen berücksichtigt werden muss? Nebenbei: Ein solcher Mechanismus würde, um mit Pierre Bourdieu zu sprechen, den Stellenwert des reinen wissenschaftlichen Kapitals gegenüber dem bürokratischen wissenschaftlichen Kapital stärken.
  • Können Social Payments einen Beitrag zur Forschungsförderung leisten? Denkbar wäre etwa ein Modell, in dem Wissenschaftler monatlich einen fixen Betrag an Payments an erfolgreiche Projekte geben können, eine Verwendung der Social Payment Mittel für eigene Zwecke wäre hingegen nicht möglich. Mittel, die nicht verbucht werden, werden unter allen Projekten aufgeteilt, ganz analog flattr. Sicher müsste man hier Absprachen und Cliquenwirtschaft unterbinden, überlegenswert wäre ein solches Prozedere dennoch.
  • Könnte man die Reichweite, die Projekte via Medien- und Social Media Echo erlangen, in die zukünftigen Förderentscheidungen miteinbeziehen? In den USA zumindest sind Förderentscheidung teils, so bei der National Science Foundation (NSF), an die Verpflichtung gebunden, Social Media intensiv zur Öffentlichkeitsarbeit für Projekte zu nutzen.
  • Können Crowdfunding, Social Payments oder virtuelle Währungen eine neue Förderperspektive schaffen, indem man gezielt einzelne Wissenschaftler fördert und nicht ein abstraktes Projekt mit fluktuierendem Personal?
  • Können die erwähnten Modelle auch eine andere zeitliche Perspektive schaffen, indem sie keine Vorabfinanzierung eines Projekts leisten, sondern problembezogen und zeitlich variabel während der Projektlaufzeit greifen oder ausgelaufene Projekte verlängern, wenn die Community entsprechenden Bedarf erkennt? Können sie so auch eine stärkere Anbindung der Förderung an die Einschätzung der Fachwissenschaftler bewirken?
  • Können solche Verfahren die Finanzierung von kleinen Projekten leisten, die unterhalb der Förderschwelle klassischer Fördereinrichtungen liegen? Dazu könnte man spezielle Projektbörsen einrichten, teils existieren diese sogar schon in sozialen Online-Communities für Wissenschaftler.
  • Können die genannten Vorgehensweisen den sozialen Verzerrungen bei der Vergabe von Projektbewilligungen entgegenwirken? Unter anderem dem auch im Kontext der Forschungsförderung anzutreffenden Matthäus-Effekt (“Wer hat, dem wird gegeben”), der dazu führt, dass bereits mit zahlreichen Bewilligungen gesegnete Einrichtungen mit höherer Wahrscheinlichkeit weitere Projektbewilligungen erfahren, als Institutionen, die bislang keine oder wenige Projekte akquirierten.
  • Können Crowdfunding und andere Mechanismen zu mehr Bürgerbeteiligung bei der mit Steuergeldern finanzierten Forschungsförderung führen?

Wir, die Autoren, freuen uns über Beiträge, Anregungen, Kritik jeder Art zu unseren Überlegungen, sei es im IKOSOM Blog, wo Karsten Wenzlaff und Jörg Eisfeld-Reschke bereits vor einigen Tagen die Diskussion eröffneten (http://www.ikosom.de/2012/06/23/buch-openscience-finanzierung-von-wissenschaft/) oder in diesem Blog.

Die Autoren nehmen eine offene Perspektive zum Thema ein und schätzen daher jeden Beitrag sehr: Es gibt kein “Nein” oder “Aber”, also: Sie sind zum Diskutieren und Ergänzen eingeladen!

Update: Hier die Angaben zum Artikel, den Jörg Eisfeld-Reschke, Karsten Wenzlaff und ich zum Thema Crowdfunding und Social Payments in der Wissenschaft verfasst haben:

Eisfeld-Reschke, Jörg; Herb, Ulrich & Wenzlaff, Karsten (2014). Research Funding in Open Science In S. Bartling & S. Friesike (Hrsg.), Opening Science, 237-253 DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8_16

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