Matthäus-Effekt & Forschungsförderung

Nicht nur die Begutachtung wissenschaftlicher Anträge zur Forschungsförderung und die Einreichung von Artikeln zur Publikation in Journalen haben Gemeinsamkeiten. Forschungsförderung und Publikationen zeigen auch beide den sogenannten Matthäus-Effekt: „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ So heißt es im Matthäus-Evangelium 25,29. Robert K. Merton beschrieb mit dieser biblischen Passage den Umstand, dass bereits häufig zitierte Autoren (in einer Art selbstverstärkendem Prozess) häufiger zitiert werden als andere Autoren und dadurch noch mehr Renommee erlangen, was wiederum zu höheren Zitationszahlen führt. Vergleichbare Befunde kennt man auch aus dem Kontext der Förderung wissenschaftlicher Forschung, in dem man den Effekt ähnlich diagnostiziert: Einrichtungen, die bereits in hohem Umfang Fördermittel eingeworben haben, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit wiederum Fördermittel bewilligt als es bei anderen Institutionen der Fall ist. Als Ursachen des Matthäuseffekts kommen viele Faktoren in Frage (vermutete höhere Qualität der Forschung stark geförderter Einrichtungen/ bei viel zitierten Autoren, größeres Maß an persönlicher Bekanntheiten zwischen Autoren/ Repräsentanten der antragstellenden Einrichtung, Herausgebern/ Vertretern der Fördereinrichtung/ Gutachtern, etc.). Mir fällt gerade ein, dass ich über den Matthäus-Effekt mal einen längeren Artikel schreiben sollte…

Gleichwohl: Die National Science Foundation NSF stellt Budget-Informationen als Open Data bereit (was ich sehr begrüße) und gab damit der Sunlight Foundation die Möglichkeit, Informationen zur Verteilung der Fördermittel auszuwerten. Die Ergebnisse der Untersuchung finden sich in einem Blog-Posting Neil Drutmans mit dem Titel How the NSF allocates billions of federal dollars to top universities, das – man ahnt es angesichts der Headline – auch in der Förderpraxis der NSF den Matthäus-Effekt aufdeckt und das ich gern zur Lektüre empfehle. Zwei Money Quotes will ich aber nicht auslassen:

“Twenty percent of top research universities got 61.6% of the NSF funding going to top research universities between 2008 and 2011.”

sowie

„Even when controlling for other factors, we find that for each additional employee a university has serving on an NSF advisory committee that university can expect to see an additional $125,000 to $138,000 in NSF funding.“

Literatur:

Drutman, L. (2012). How the NSF allocates billions of federal dollars to top universities. Sunlight Foundation Blog. Retrieved from http://sunlightfoundation.com/blog/2012/09/13/nsf-funding/

Merton, R. K. (1968). The Matthew Effect in Science: The reward and communication systems of science are considered. Science (New York, N.Y.), 159(3810), 56–63. doi:10.1126/science.159.3810.56 oder http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17737466

 

 

 

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