Open Movement?

In einem Gastbeitrag bei Netzpolitik fragt Stefan Baack: Gibt es ein „Open Movement“? Das Posting berührt ein Thema, die ich mich auch sehr interessiert: Wie stark ist die Verbindung zwischen den einzelnen Domänen, für die Offenheit gefordert wird? Kann man von einem  gemeinsamen Kanon ausgehen, der den Begriff Bewegung rechtfertigt?

Ganz abgesehen davon, dass die Vorstellung dessen, was Offenheit sein soll, innerhalb und zwischen Domänen variiert: Wir müssen uns wohl von der Offline-Vorstellung sozialer Bewegungen lösen. Open Source könnte, in meiner Wahrnehmung, durchaus als Bewegung charakterisiert werden. Die Zielvorstellungen in der Domäne sind eher homogen, das Regime zur Erreichung der Ziele ist durch akzeptierte Prinzipien recht klar. Anders aber schon beim Open Access: Dieser wird meiner Meinung nach in Deutschland stark von Wissenschaftseinrichtungen propagiert, Wissenschaftler nehmen deren Argumente und Vorgaben an und praktizieren schließlich Open Access. Der Ansatz ist aber eher vom Top-Down-Prinzip geprägt und hat wenig von einer sozialen Bewegung. Im UK und den USA gibt es, wiederum meiner Meinung nach, eine größere Zahl an echten Open-Access-Vorreitern unter den Wissenschaftlern, die sich teils kooperativ organisieren. Sprich: Open Access weist in manchen Wissenschaftskulturen Elemente sozialer Bewegungen auf, in anderen eher nicht. Ein anderes Beispiel, das zeigt, wie schwierig es ist, nicht nur über einzelne Domänen hinweg, sondern innerhalb einer Domäne zu entscheiden, ob eine Bewegung existiert, ist Open Government: In den Anfängen ein durchaus zivilgesellschaftliches Modell, wird es mittlerweile von Consultants und New Public Management Agenten in Beschlag genommen. Von einer (erst recht domänübergreifenden) Bewegung zu sprechen, fällt mir zumindest eher schwer, weswegen ich den Begriff der Open Initiatives bevorzuge, zwischen denen es teleologische Gemeinsamkeiten, aber keine engere praktische oder ideologische Verschränkung gibt. Stefan Baacks Beitrag hat mich gefreut, er stellt sich anscheinend die gleichen Fragen wie ich es tue.

Update, 01.03.3013: Stefan Baack führt die Thematik in seinem Blog unter „Was sind ‚Open Movements‘?“ weiter aus.

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