Systemerhaltend: Der niederländische Open-Access-Deal mit Springer

Nachdem sich die niederländischen Universitäten Anfang November 2014 nicht mit dem Verlag Elsevier über die Lizenzierung dessen wissenschaftlicher Zeitschriften verständigen konnten, gelang ihnen wenig später eine Einigung mit einem anderen Branchenriesen: Springer Publishing. Mit dem Springer-Deal gehen die Niederländer zugleich einen neuen Weg, denn der Vertragsabschluss umfasst nicht nur die Subskription bzw. Lizenzierung von 1.500 Journalen des Anbieters, sondern auch das Recht niederländischer Wissenschaftler, in diesen Zeitschriften Open Access publizieren zu können ohne für die Artikel Publikationsgebühren entrichten zu  müssen. Einer Verlautbarung der niederländischen Vereniging van Universiteiten (VNSU) zufolge bedingt die Open-Access-Option nur einen minimalen Anstieg der Ausgaben für das Springer-Portfolio. Der erwähnten Quelle ist auch zu entnehmen, dass man ähnliche Agreements mit den Verlagshäusern Wiley, Sage und Oxford University Press anstrebt.

Die Vereinbarung zwischen den niederländischen Universitäten und Springer knüpft – und das ist in diesem Maße neu  – die Möglichkeit zur Open-Access-Publikation an eine bestehende Lizenzierung wissenschaftlicher Inhalte. So vorteilhaft das Arrangement für niederländische Forscher sein mag, hat es doch auch diskussionswürdige Eigenarten: Eine kostenfreie Open-Access-Option für Einrichtungen, die Springer-Zeitschriften lizenzieren, kommt einem Rabatt für  solche Institutionen gleich, die sich Springer-Lizenzen überhaupt leisten können, wohingegen Wissenschaftler anderer Herkunft ihre Open-Access-Werke zu nicht unerheblichen Gebühren von 3.000 US-Dollar publizieren müssen. So kann man in der Vereinbarung einen Fortschritt beim Übergang vom, auch als Closed Access bezeichneten, Subskriptionsmodell zum Open Access sehen, allerdings auch einen Beitrag zum Erhalt des Closed Access, der zudem ein finanzielles Moment der Ungleichheit in den Open Access trägt.

Sollte das Modell Nachahmer finden, sind die eingesessenen Wissenschaftsverlage als Gewinner zu betrachten, denn deren Position als Intermediäre zwischen produzierendem Autor und konsumierendem Leser bleibt unangetastet. Die niederländische Übereinkunft macht auch deutlich: Dreizehn Jahre nach der ersten öffentlichkeitswirksamen Open-Access-Erklärung, der Budapest Open Access Initiative von 2002, sind nicht nur die Akteure im Publikationswesen die gleichen wie zuvor, auch ihre Rollen sind unverändert. Offensichtlich tritt 2015 die idealistische Open-Access-Romantik zusehends in den Hintergrund, die glaubte mit der Idee des offenen Zugangs zu wissenschaftlichen Werken eine Revolution des wissenschaftlichen Publizierens auslösen zu können. Ausnahmen scheinen allein Community-getriebene Eigeninitiativen, wie die Epi-Journals der Mathematiker, die das verlagslose Publizieren erproben, darzustellen. Eine Open-Access-Revolution scheint nurmehr im do it yourself möglich.

 

 

 

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