Open Access und Closed Access

Open Access und Closed Access sind zwei Spielarten des wissenschaftlichen Publizierens, die sich vor allem durch die Nutzungskosten der produzierten Informationen unterscheiden. Beim Closed Access ist die Benutzung wissenschaftlicher Informationen (Monographien, Artikel etc.) nur gegen Gebühr möglich, diese Gebühren zahlt entweder die Hochschulbibliothek oder der einzelne Leser (sog. pay per view). Im Closed Access tritt der Autor in der Regel die ausschließlichen Nutzungs- und Verwertungsrechte an den Verlag ab, sprich er kann nicht mehr über die Weiterverwendung seiner Inhalte entscheiden. Closed Access ist immer noch der Regelfall wissenschaftlichen Publizierens.

Im Open Access hingegen ist die Nutzung wissenschaftlicher Informationen entgeltfrei möglich. Das Open-Access-Konzept entwickelte sich um die Jahrtausendwende als die Elektrifizierung des wissenschaftlichen Publikationswesens in Kombination mit dem Aufkommen des Internets eine rasante Beschleunigung beim Austausch wissenschaftlicher Informationen bewirkten. Prinzipiell war es nun möglich in Sekundenschnelle die neusten Forschungsergebnisse mit Kollegen weltweit auszutauschen. Faktisch aber stand der technisch erleichterten Verbreitung und Verfügbarkeit eine drastische Verknappung wissenschaftlicher Informationen gegenüber. Sinkende Etats der Wissenschaftsinstitutionen sowie rapide steigende Kosten für die Nutzung wissenschaftlicher Informationen und der übliche Übertrag der ausschließlichen Nutzungsrechte wissenschaftlicher Werke an kommerzielle Verlage durch die Autoren machten den freien Austausch der Informationen unmöglich. Laut Bailey (2006) zeichnen sich Open-Access-Dokumente durch folgende Merkmale aus: Sie

  • sind entgeltfrei nutzbar
  • existieren online
  • haben wissenschaftlichen Charakter
  • wurden ohne finanzielle Vergütung erstellt
  • wurden einer Peer-Review unterzogen
  • sind Dokumente, deren Nutzungsmöglichkeiten keinen Restriktionen außer der geforderten angemessenen Anerkennung und Zitation unterliegen
  • sind über die Optionen Green Road oder Golden Road verfügbar

Einzig die Eingrenzung auf Dokumente, die einer Peer Review unterzogen wurden, sollte relativiert werden. Da es auch andere Verfahren der Qualitätskontrolle gibt, sollte das fünfte Kriterium besser die Anwendung eines anerkannten Verfahrens der Qualitätskontrolle fordern.

Aus Sicht der Open-Access-Befürworter sprechen gute Argumente für die möglichst freie Zugänglichkeit wissenschaftlicher Informationen: Unter anderem erreichen Open-Access-Dokumente eine höhere Sichtbarkeit und Verbreitung als Closed-Access-Dokumente und sie beschleunigen die Wissenschaftskommunikation. Auch das sogenannte Tax Payer Argument wird angeführt: Robert Kiley und Robert Terry (2006) vom englischen Wellcome Trust (nach der Bill and Melinda Gates Foundation die weltweit zweitgrößte Förderorganisation im Bereich Medizin) beschreiben die Verwertungszyklen wissenschaftlicher Publikationen im Closed Access sehr anschaulich. Die öffentliche Hand (in Form der Regierung oder öffentlicher Nichtregierungsorganisationen [NGOs]) zahlen Gehälter der Forscher sowie die notwendige Infrastruktur (Bürokratie, Büros, Labore, Konferenzbesuche, etc.). Das Wissen, das Forscher in ihrer Tätigkeit produzieren, geben sie (meist ohne eine Vergütung zu erhalten, teils sogar unter Zahlung von Autorengebühren) an wissenschaftliche (Closed-Access-)Verlage, die diesen Output in Form von Monographien, Journals oder anderer Publikationstypen an Forschungseinrichtungen, Hochschulen und deren Bibliotheken verkaufen. Diese Einrichtungen sind wiederum selbst von der öffentlichen Hand finanziert, die somit nicht nur die Produktion wissenschaftlicher Information zahlt, sondern diese von Verlagen nochmals zurückkauft. Gewinn machen in diesem Zyklus nur die Aktionäre der Wissenschaftsverlage. Da Wissenschaftler meist nicht direkt für die Nutzung der Publikationen zahlen (das erledigt die Hochschule bzw. deren Bibliothek) erfahren sie erst einen Anreiz zum Ändern dieses Zyklus, wenn sie aufgrund der Preissteigerungen wissenschaftlicher Verlage erschwerten Zugang zu wissenschaftlichen Informationen haben.

Allerdings existieren auch andere Anreize zum Open-Access-Publizieren: Open-Access-Dokumente werden im Vergleich zu lizenzpflichtigen signifikant häufiger heruntergeladen, genutzt und zitiert (Lawrence 2001, Harnad & Brody 2004, Brody, Harnad & Carr 2006, Sietmann 2006; Swan 2010).

Open Access Varianten

Man unterscheidet zwei Spielarten des Open Access,  Green Road Open Access und Golden Road Open Access.

Green Road

Beim Green Road Open Access handelt es sich um das Veröffentlichen von anderweitig erschienenen wissenschaftlichen Dokumenten oder deren Vorabversionen auf Open-Access-Servern (sog. Repositories), es geschieht demnach eine Art Zweitverwertung. Meist haben Autoren die Nutzungsrechte an der formalen Publikation im Verlagsvertrag abgetreten. In solchen Fällen kann das Dokument nur dann auf einem solchen Repository zugänglich gemacht werden, wenn

  1. der Autor dem Verlag über ein Vertragsaddendum nur ein nicht-ausschließliches oder zeitlich begrenztes ausschließliches Nutzungsrecht übertragen hat
    oder

  2. der Verlag ihm trotz der Rechteabtretung die Zugänglichmachung auf einem Repository erlaubt hat.

Laut SHERPA/RoMEO-Datenbank erlauben über 90% der verzeichneten Journale die Veröffentlichung des Inhalts des fertigen Artikels (Postprint) oder dessen Vorabversion (Preprint) auf einem Repository, darunter finden sich auch die größten und renommiertesten Verlage. Oft werden allerdings genaue Vorgaben darüber gemacht, in welcher Form (Layout etc.), nach welchen Fristen und auf welchen Repositories der Inhalt zugänglich gemacht werden darf. Der Grund dieser Kulanz: Große Verlage sehen eine parallele Open-Access-Veröffentlichung als Werbung, die sich durch erhöhte Zitationsraten und höheren Impact Factor für ihre Journale auszahlt.

Man unterscheidet Institutional Repositories, auf denen Wissenschaftler einer lokalen Hochschule Dokumente unterschiedlicher Fächer zugänglich machen, und Disciplinary Repositories, auf denen Wissenschaftler unterschiedlicher Einrichtungen eines Faches Dokumente zugänglich zu machen. Die Nutzung der Repositories ist übrigens in aller Regel für Autoren und Leser kostenlos möglich.

Golden Road

Golden Road Open Access bezeichnet das Herausgaben wissenschaftlicher, kostenlos zugänglicher Online-Journale oder -Monographien bzw. das Publizieren in solchen Zeitschriften oder Open-Access-Verlagen. Es handelt sich hier um keine Zweitverwertung: Dokumente, die Gold Road Open Access entstanden sind, sind Born Open Access. Zudem behalten die Autoren meist die relevanten Nutzungsrechte an ihren Werken, häufig finden die erwähnten Creative-Commons-Lizenzen Anwendung. Beispiele für Open-Access-Verlage sind BioMed Central oder Public Library of Science, allerdings führen auch konventionelle Verlage wie Springer Open-Access-Journale. Die Finanzierung der Open-Access-Journale erfolgt oft (aber bei weitem nicht immer (Kaufmann-Wills Group 2005)) über Autorengebühren (Author Fees) oder Bearbeitungsgebühren (Article Processing Charges APC). Laut der bereits erwähnten DFG-Studie ist es die Mehrzahl der Autoren gewohnt, auch in Closed-Access-Journalen Gebühren für die Publikation eines Artikels zu zahlen (DFG 2005, S. 53-57), Monographien sind für Wissenschaftler in nahezu allen Fällen nur gegen Druckkostenzuschüsse realisierbar.

Literatur

Bailey, C. W. (2006). What Is Open Access? In: N. Jacobs (Hrsg.), Open Access: Key Strategic, Technical and Economic Aspects, S. 13-26. Oxford: Chandos Publishing. Verfügbar unter http://www.digital-scholarship.org/cwb/WhatIsOA.pdf.

Brody, T., Harnad, S., & Carr, L. (2005). Earlier Web Usage Statistics as Predictors of Later Citation Impact. Journal of the American Association for Information Science and Technology, 57(8), 1060-1072. Verfügbar unter http://eprints.ecs.soton.ac.uk/10713/.

Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG. (2005). Publikationsstrategien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publikations- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Open Access. Weinheim: Wiley.

Harnad, S., & Brody, T. (2004). Comparing the Impact of Open Access (OA) vs. Non-OA Articles in the Same Journals. D-Lib Magazine, 10(6). doi: 10.1045/june2004-harnad.

Kaufmann-Wills Group. (2005). The facts about Open Access. Overview from Report. West Sussex. Verfügbar unter http://web.archive.org/web/20061206195715/http://www.alpsp.org/publications/pub11.htm.

Kiley, R. & Terry, R. (2006). Open access: Key strategic, technical and economic aspects. In N. Jacobs (Hrsg.), Open Access: Key Strategic, Technical and Economic Aspects (S. 101-109). Oxford: Chandos Publishing. Verfügbar unter http://eprints.rclis.org/handle/10760/7531

Lawrence, S. (2001). Free online availability substantially increases a paperʼs impact. Nature, 411(6837), 521. doi: 10.1038/35079151.

Sietmann, R. (2006). Über die Ketten der Wissensgesellschaft. cʼt Magazin für Computer und Technik, 190-199. Verfügbar unter http://www.heise.de/ct/artikel/ueber-die-Ketten-der-Wissensgesellschaft-290500.html.

Swan, A. (2010). The Open Access citation advantage: Studies and results to date (Vol. 3, p. 17). Truro, UK. Verfügbar unter http://eprints.ecs.soton.ac.uk/18516/.

 

Cite this article as: Ulrich Herb, Open Access und Closed Access, in scinoptica, 5. September 2016, http://www.scinoptica.com/materialien/wissenschaftliches-publizieren/open-access-und-closed-access/.