Wahl eines geeigneten Publikationsortes

Die Kriterien, die einen Publikationsort attraktiv oder unattraktiv machen, sind sehr individuell. Unterscheiden sollte man aber zwischen den Dimensionen:

  • Publikationstyp: Journalartikel oder Bücher (Monographien)
  • Medientyp/Manifestation: Online, Print oder eine parallele Online- und Druckausgabe (Hybridpublikation)
  • Grad der Zugänglichkeit: Closed Access oder Open Access

Vorrangig interessant dürfte die erste Unterscheidung zwischen Monographien und Journalartikeln sein, eine Art Checkliste könnte so aussehen:

  • Eigene Fachkenntnis: Ist das Journal bzw. der Verlag im Fach anerkannt?
  • Verbreitung: Sind Journale an vielen Universitäten subskribiert? Erwerben Bibliotheken die Verlagspublikationen? (Prüfbar über die Zeitschriftendatenbank ZDB oder den Karlsruher Virtuellen Katalog KVK)
  • Subjektiv wahrgenommene Qualität der Publikationen: Es kann sehr hilfreich sein, Bücher oder Zeitschriftenhefte auszuleihen, um sie genauer zu betrachten und mit Publikationen anderer Verlage zu vergleichen.
  • Wie wird die Qualität der Publikationen gesichert? Gibt es dazu Informationen auf den Websites der Verlage und Journale? Werden stichhaltige Aussagen zu diesem Thema getroffen?
  • Welche Kosten in Form von Article Fees bzw. Author Charges bei Journalen oder Druckkostenzuschüsse bei Buchpublikationen entstehen?
  • Wie hoch wird der Ladenpreis bei Büchern sein? Ein hoher Ladenpreis senkt die Verkaufszahlen und Verbreitung – damit behindert er auch den Reputationsgewinn.
  • Welcher Service wird geboten (z.B. Lektorat, Korrektorat, professioneller Satz)?
  • Wie rasch kann das Werk publiziert werden? (Publikationsgeschwindigkeit)

Auch wenn wissenschaftliche Rankings mehr als kritisch zu sehen sind (vgl. Kieser 2010) und eine Eindimensionalität der Forschung sowie zahlreiche Absurditäten (wie etwa das Anheuern oft zitierter Wissenschaftler zum alleinigen Zweck der Optimierung von Hochschulranking-Positionen) produzieren, dürften sich faktisch viele Wissenschaftler bei Wahl eines Publikationsortes an fachlichen oder überfachlichen Rankings oder Rating (etwa dem JIF, dem Handelsblattranking in den Wirtschaftswissenschaft für VWL bzw. BWL oder dem European Reference Index for the Humanities ERIH in den Geisteswissenschaften) orientieren.

Der Blick auf Rankings und Ratings scheint dennoch nicht allein ausschlaggebend bei der Wahl des Publikationsorts, laut einer Studie der DFG (2005, S. 25-30) scheint der fachwissenschaftliche Bezug und damit der Reputationsaufbau in der Community wichtiger als der JIF-Score eines Publikationsorganes. Wissenschaftler orientieren sich der Untersuchung zufolge bei der Wahl eines Publikationsortes vor allem an diesen Kriterien:

  • Fachwissenschaftliche Ausrichtung
  • Internationale Ausrichtung
  • Renommee
  • JIF-Score
  • Qualität der Begutachtung
  • Zeitspanne Submission-Erscheinen
  • Langzeitverfügbarkeit
  • Author Fees
  • Abo-Preis des Journals
  • Honorarhöhe

Auch wenn in wenigen Ausnahmefällen Honorare fließen, ist das wissenschaftliche Publizieren in der Regel ein Zuschussgeschäft. Gleich welchen Dokumenttyp man publizieren will – Einkünfte sind keine zu erwarten, eher Ausgaben. Dies trifft aber besonders auf das Publizieren von Monographien zu: Die Veröffentlichung einer Monographie wird fast immer vom Autor oder Herausgeber mit Druckkostenzuschüssen subventioniert, die problemlos einen mittleren vierstelligen Eurobetrag erreichen können.

Zuschüsse

Wer eine Monographie oder eine Dissertation publiziert muss also mit höheren Unkosten rechnen (es sei denn er hat die Möglichkeit, auf einem Open Access Repository zu publizieren. Zuschüsse kann man am ehesten von der VG Wort erwarten und zwar unter folgenden Bedingungen

  • Das Werk muss an fünf Bibliotheken (in drei unterschiedlichen Bibliotheksverbünden) verbreitet sein (wiederum prüfbar über den KVK)
  • Das Werk muss im Publikationsjahr zur Vergütung angemeldet werden, spätestens im Januar des Folgejahres.

Interessierte sollten allerdings unbedingt die Bedingungen (Verbreitung, etc.) und Fristen auf der VG Wort Website prüfen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zahlt ebenfalls unter Umständen einen Zuschuss zur Publikation einer Dissertation, allerdings mit strengen Auflagen und nach intensiver Begutachtung. Weitere Fördermöglichkeiten bieten Stiftungen, allerdings sind die Zuschüsse meist vor der Drucklegung zu beantragen.

Literatur

Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG. (2005). Publikationsstrategien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publikations- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Open Access. Weinheim: Wiley.

Kieser, A. (2010). Die Tonnenideologie der Forschung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, (130), N5. Frankfurt am Main.

 

Cite this article as: Ulrich Herb, Wahl eines geeigneten Publikationsortes, in scinoptica, 5. September 2016, http://www.scinoptica.com/materialien/wissenschaftliches-publizieren/wahl-eines-geeigneten-publikationsortes/.