Living Books in den Geisteswissenschaften

Die Living Books about Life wenden das Modell der Compound Objects für die Geisteswissenschaften an und basieren auf der ausschließlichen Verwendung von Open Access Materialien. Wie Kollege Daniel Mietchen treffend anmerkte, wirkt die uneinheitliche Lizenzierung der Ausgangsmaterialien etwas hinderlich. Dennoch handelt es sich bei der Living Books about Life Reihe um ein höchst interessantes Vorhaben. Mehr dazu bei Telepolis.

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The Publish or Perish Book

Anne-Wil Harzing, die Entwicklerin der Software Publish or Perish  (PoP) machte mich gestern darauf aufmerksam, dass sie bereits letztes Jahr ein Buch über Zitationsanalyse publiziert habe. Weitere Infos zum besagten Buch mit dem Titel The Publish or Perish Book finden sich unter http://www.harzing.com/popbook.htm. Die Software PoP gibt auf Basis der in Google Scholar ermittelten Zitationsdaten Metriken aus, v.a. in Form des Hirsch-Index (h-Index) oder dessen Varianten wie z.B. des g-index (der Zitationen aus häufig zitierten Artikeln höher gewichtet als Zitationen aus seltener zitierten Werken) oder des e-index, der (anders als der h-index) versucht die Zitationen auf Werke, die über dem eigentlichen h-Wert liegen, zu berücksichtigen: Wissenschaftler A hat einen h-Index von 8, da 8 seiner Publikationen 8 mal zitiert wurden und keine häufiger als 8 mal. Wissenschaftler B hat ebenfalls einen h-Index von 8 – allerdings wurden 3 seiner Artikel 8 mal zitiert und 5 seiner Artikel 40 mal. Der h-Index differenziert nicht zwischen A und B, beide haben einen h-Index von 8. Dem e-Index gelingt diese Differenzierung durch Verrechnung des Zitationsüberschüsses, der nicht im h-Index abgebildet wird. Anders als die Software PoP ist das begleitende Buch nicht entgeltfrei nutzbar, allerdings kann auf der Autorenhomepage ein zwölfseitiger Ausschnitt kostenlos gelesen werden und selbstredend bietet auch Amazon den „Look Inside!“ an. Das 250 Seiten umfassende Werk unterteilt sich in eine Art Bedienungsanleitung zur Software PoP, eine Darstellung unterschiedlicher Anwendungsperspektiven (Selbstevaluierung/ Karrieremanagement, Benchmarking, Forschungsadministration) und  in eine vergleichende Evaluierung von Google Scholar und Web of Science. Die Printversion von The Publish or Perish Book kostet 56,99 € via Amazon, die elektronische Fassung via Autorenhomepage 28,50 €, zusätzlich gibt es Lizenzmodelle für Lehreinrichtungen und andere Organisationen.

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Scholarometer

Der Scholarometer der University of Indiana bietet ähnliche Features wie die im vorherigen Posting erwähnte Software Publish or Perish (PoP) von Anne-Wil Harzing, beide ermitteln Impact Metriken basierend auf den Daten Google Scholars. Anders als bei der Desktop-Anwendung PoP, handelt es sich beim Scholarometer um eine Browser-Extension (erhältlich für Firefox und Chrome). Beim Scholarometer muss jede Suchanfrage nach einem Autor mit einer fachlichen Eingrenzungen erfolgen. Dieser Umstand ist vermutlich der Technik der Extension geschuldet, die die Zitationsinformationen aus den Ergebnisseiten von Google Scholar scraped. Allerdings werden auch Treffer aus anderen Fächern (außerhalb der erforderlichen Eingrenzung) in die Analyse miteinbezogen. Hübsch: Der Scholarometer bietet die aus Google Scholar bezogenen Daten via API an. Diese nutzt z.B. der Tenurometer, der den h-Index eines Autors in Relation zu den durchschnittlichen h-Index-Werten eines Faches setzt.

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Wissenschaftsrat: „Anforderungen an die Qualitätssicherung in der Promotion“

Der Wissenschaftsrat (WR) publizierte am 14.11.2011 ein Positionspapier zum Thema „Anforderungen an die Qualitätssicherung in der Promotion“. Mir entgangen, machte mich der geschätzte Kollege Heinz Pampel auf das Papier aufmerksam. Hier eine kurze, wohl sehr individuelle Übersicht über das Papier.

Als konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung des Promotionswesens empfiehlt der WR:

Die Stärkung der kollegialen Verantwortung. Zur Umsetzung schlägt der WR unter anderem die Schaffung eines Promotionskommittees (im Stile des thesis committee US-amerikanischer Hochschulen) vor: „Der Wissenschaftsrat schlägt folgende Aufgabenteilung vor: Während der Promotionsausschuss in der Regel für die Einhaltung formaler Standards, für die Überprüfung der Promotionsvoraussetzungen, für die förmliche Annahme als Doktorand bzw. Doktorandin, die Zulassung zur Prüfung und die Bestellung der Gutachterinnen und Gutachter zuständig ist, soll das Promotionskomitee die Promotionsvorhaben stärker inhaltlich begleiten und Ansprechpartner für die Doktorandinnen und Doktoranden neben der Betreuerin bzw. dem Betreuer sein.“ (Positionspapier des WR, S. 16).

Betreuungsvereinbarungen. Fixierte Betreuungsvereinbarungen sollen die Betreuung der Promovendinnen und Promovenden als Anspruch gestalten, verbindlich machen und kontinuierlichen Austausch zwischen Promovierenden und Betreuern garantieren: „Zur Betreuung wie zur Überprüfung des Fortschritts eines Dissertationsvorhabens gehören regelmäßige Zusammenkünfte von Betreuerinnen und Betreuern und Doktorandin bzw. Doktorand. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, flächendeckend die bereits an vielen Universitäten üblichen Betreuungsvereinbarungen zwischen Doktorandin bzw. Doktorand, Betreuerinnen und Betreuern und dem Promotionskomitee einzuführen. Darin sollen wechselseitige Verbindlichkeiten festgelegt werden. Sie definieren Zeitpunkte, zu denen die Doktorandin bzw. der Doktorand den Betreuerinnen und Betreuern Bericht über den Fortschritt der Arbeit erstattet. Diese wiederum sind in der Pflicht, zeitnah eine differenzierte, qualifizierte und angemessen ausführliche Rückmeldung zum Stand der Arbeit zu geben.“  (Positionspapier des WR, S. 18). Allerdings soll nach Ansicht des WR die Betreuung nicht zu intensiv erfolgen, um den Status der Promotion als eigenständige Forschungsarbeit nicht zu untergraben.

Betreuungsverhältnisse. Hier mahnt der WR ausgewogene Relationen an. Diese seien unter anderem durch Evaluierungsprozesse, bei denen sich die Zahl der Promotionen vorteilhaft auswirkt, und die Finanzierung von Doktorandenstellen durch Drittmittel gefährdet.

Integration externer Doktorandinnen und Doktoranden. Der WR will die Behandlung externer Promovenden (die nicht z.B. Lehrstuhlmitarbeiter oder Mitglied eines Promotionsprogramms sind) und organisationsinterner Promovenden angleichen. Diese Maßnahme dient ebenfalls der Qualitätssicherung: „Wenn die Universität am Ende der Promotion lediglich als Prüfungs- und Zertifizierungsinstanz in Erscheinung tritt, wird sie ihrer Verantwortung als alleinige Inhaberin des Promotionsrechts nicht gerecht.“  (Positionspapier des WR, S. 20).

Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten: „Der Wissenschaftsrat betont, dass zur guten wissenschaftlichen Praxis unabdingbar der korrekte Umgang mit Daten und die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Arbeit gehören.“ (Positionspapier des WR, S. 22).  Zur Sicherung der Nachvollziehbarkeit empfiehlt der WR in Anlehnung an die DFG die Speicherung der Primärdaten für 10 Jahre. Redliches und korrektes wissenschaftliches Verhalten soll Voraussetzung bei Aufnahme der Promotion sein, die Kenntnisse und Fertigkeiten im Masterstudium vermittelt werden. Die Betreuer werden in die Pflicht genommen Daten selbst auf Plausibilität zu prüfen und frühzeitig Methodik und Datenqualität kritisch zu untersuchen. Der WR fordert weiter auch Widerlegungen von Thesen als promotionswürdig zu behandeln, um keine Anreize zur Manipulation zu geben. Ebenso fordert der WR, dass dokumentierte Primärdaten mit der schriftlichen Arbeit zur Begutachtung eingereicht werden sollen. In Rechts- und Geisteswissenschaft wird ferner die Prüfung auf Plagiarismus mittels intellektueller Untersuchung oder unter Zuhilfenahme von Software angemahnt.

Unabhängige Begutachtungen. Der WR strebt eine Trennung der Begutachtung und Betreuung im Promotionsverfahren an: „Übliche Praxis in Deutschland ist, dass die Betreuerin oder der Betreuer das Erstgutachten der Dissertation verfasst und das Zweitgutachten aus der Fakultät kommt. Diese Praxis sollte überdacht werden. Insgesamt sieht der Wissenschaftsrat es als notwendig an, die Unabhängigkeit der Gutachten zu erhöhen und die Gutachterinnen und Gutachter so zu wählen, dass sie bestens mit der Thematik der Dissertation vertraut sind. Wo diese Bedingung an einem Standort nicht erfüllt ist, sollte auf Gutachterinnen und Gutachter außerhalb der eigenen Universität oder gar aus dem Ausland zurückgegriffen werden. Langfristig sollten die Betreuerinnen und Betreuer nicht mehr als Gutachterinnen und Gutachter der Dissertationen ihrer Doktorandinnen und Doktoranden auftreten.“  (Positionspapier des WR, S. 24). Insbesondere soll mit dieser Maßnahme sichergestellt werden, dass inhaltliche Experten als Gutachter agieren – eine Anforderung, die angesichts sich rasch diversifizierender Fächer, wohl nicht mehr per se innerhalb einer Einrichtung erfüllt werden kann. Den Promotionskandidaten soll bei der Bestimmung der Gutachter keine Mitsprache eingeräumt werden.

Anpassung der Notenskala. Da die für Promotionen in Deutschland angedachte Notenskala nicht ausgeschöpft wird, empfiehlt der WR die Benotung von Promotionen internationalen Gepflogenheiten anzupassen und nur noch zwischen den Wertungen „Bestanden“ und „Ausgezeichnet bestanden“ zu differenzieren.

Inhaltliche Standardbildung. Hierzu zählt der WR  (unter Berücksichtigung fachlicher Aspekte) neben Rekrutierung der Promovenden auch die Begutachtung und spricht sich in diesem Zusammenhang gegen das Rigorosum und für die Disputation aus, da diese stärker die wissenschaftliche Qualifikation berücksichtige.

Standards publikationsbasierter Dissertationen. Dissertationen, die letztlich aus einer gewissen Anzahl ursprünglich verstreuter Journalartikel bestehen und die nun pro forma virtuell zu einer Schrift zusammengefasst werden. Der WR steht dieser Praxis offen gegenüber, betont allerdings wiederum die Wichtigkeit der Standarisierung und verlangt eine eigenständige Leistung: „Grundsätzlich müssen Dissertationen einen substanziellen Teil enthalten, der über die bereits veröffentlichten Arbeiten hinausgeht. Daraus folgt, dass die Annahme der Einzelartikel auch durch renommierte Fachzeitschriften nicht die Begutachtung durch die promovierende Einrichtung ersetzt. Die Universität trägt die Verantwortung für die Qualitätssicherung auch der publikationsbasierten Dissertation.“ (Positionspapier des WR, S. 27).

Wissenschaftlichkeit der medizinischen Promotion. Offensichtlich ist dem WR der nicht geringe Anteil medizinischer Promotionen, die anderen Fächern einer Promotion nicht gerecht würden, ein Dorn im Auge. Er fordert daher: „Der Wissenschaftsrat wiederholt daher seine Empfehlung, den Doktorgrad in der Medizin nur für solche Dissertationen zu verleihen, die einen substanziellen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt leisten und deren Ergebnisse in einer international anerkannten Zeitschrift publiziert werden.“ (Positionspapier des WR, S. 29).

Noch eine Randnotiz: Der WR moniert, dass keine Daten über die Zahl der Promovierenden an deutschen Universitäten existieren, so dass exakte Aussagen über Erfolgsquoten oder Dauer der Promotionsphase nicht möglich sind.

Ein Fazit: Unangetastet  bleibt in den Ausführungen der monolithische Charakter der schriftlichen Doktorarbeit (auch wenn das Papier des WR den aus vereinzelten Journalpublikationen zusammengesetzten Arbeiten, deren Zahl  in den Naturwissenschaften zunimmt, wohlwollend gegenübersteht).  Kritisiert wird, wenn auch recht dezent, die Belastung der Promovierenden mit sogenannten „dissertationsfernen Tätigkeiten“. Weiterhin betont das Papier die Schädlichkeit wissenschaftlichen Fehlverhaltens, die Verantwortlichkeit für die Qualitätssicherung verortet man in den Hochschulen. Generell bemüht sich das Papier den etwas ramponierten Ruf der Promotion wieder aufzubessern, man sieht die Hochschulen gefordert.

Völlig vergebens sucht in dem Papier Vorschläge oder nur Denkanstöße, wie vernetzte Forschung, Open Science und Open Access den Promotionsvorgang dynamisieren, Datenmanipulation oder Plagiate aufdecken und Netzwerkbildung und Günstlingsbegutachtungen enttarnen könnten. Der WR fordert etwa, dass Primärdaten zehn Jahre archiviert werden und mit der schriftlichen Arbeit zur Begutachtung eingereicht werden – ein offener Zugang zu diesen Daten, Data-Sharing und Data-Mining bleiben außen vor.  Zu dieser Thematik folgt ein weiter Eintrag.

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Dr. rer. mix. – Promotion und Open Science

Ist eine Reform des Doktorandenstudiums nötig? Flexibles und vernetztes Forschen und Publizeren, Open Access und Open Science beschleunigen Wissenschaftskommunikation, steigern die Effizienz der Forschung, sichern Transparenz und erschweren wissenschaftliches Fehlverhalten (etwa als Datenmanipulation oder Plagiarismus) und fördern Innovation. Diesen Konzepten weitgehend unverbunden steht das Promotionsstudium gegenüber, dies spiegelt sich auch im Positionspapier des Wissenschaftsrats zu den „Anforderungen an die Qualitätssicherung in der Promotion“ wider. Eine Diskussion zum Verhältnis Open Science und Doktorandenstudium findet sich in:
Open Research: Ende einer Einsamkeit. In: Der Freitag, http://www.freitag.de/wissen/1146-ende-einer-einsamkeit

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Retraction Watch

Open Science im Post Publication Prozess: Ziehen Wissenschaftsverlage Artikel, die auf falschen oder manipulierten Daten basieren, zurück, sind die Falschinformationen oft bereits Teil des wissenschaftlichen Diskurses. Das Blog Retraction Watch informiert über den Rückzug solcher Artikel, dokumentiert die Fälle, führt Retraction-Rankings und informiert über die Gründe für die Retractions. Mehr dazu in Telepolis.

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Nature berichtet von wissenschaftlichen Fälschungen eines niederländischen Sozialpsychologen

Nature berichtet heute von einem ausgeprägten Fall wissenschaftlicher Täuschung (Report finds massive fraud at Dutch universities). Diederik Stapel, Professor der Sozialpsychologie an der Universität Tilburg und ein Star seines Faches, wurde bereits im September dieses Jahres vorgeworfen, Forschungsdaten im großen Stil gefälscht zu haben. Diese Anschuldigungen wurden in einem gestern veröffentlichten Report bestätigt und auch Stapel selbst gestand die Fälschungen ein. Pim Levelt, Kopf des Untersuchungsausschusses, gab an, dass ca. 30 Artikel Stapels in peer-reviewed Journals auf gefälschten Daten basierten. Wie bei Fälschungsfällen nahezu üblich, wurden auch Stapels Manipulationen nicht durch Gutachter der Journals aufgedeckt, sondern durch Whistleblower, in diesem Fall Nachwuchswissenschaftler im Stab des Wissenschaftlers. Anhaltspunkte für die Fälschung, so Ewen Callaway den Bericht in Nature zitierend, gab es wohl genügend: „The data were also suspicious, the report says: effects were large; missing data and outliers were rare; and hypotheses were rarely refuted.“

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