Aufruf zum Wissenschaftlerboykott gegen Elsevier

Der Mathematiker Tyler Neylon ruft Wissenschaftler zum Boykott des Wissenschaftsverlages Elsevier auf: Wer mit Elseviers Praktiken hinsichtlich wissenschaftlicher Integrität und Geschäftspolitik nicht einverstanden ist, kann öffentlich erklären weder Artikel bei Elsevier zu publizieren, noch diese zu begutachten oder als Editor für den Verlag tätig zu sein. Mehr bei Telepolis.

Update 09.02.2012: In einem Artikel im Freitag diskutiere ich Elseviers Verhältnis zu wissenschaftlicher Integrität und offenem Wissen detaillierter: Die Rückkehr des Kommunitarismus.

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Reinventing Scientific Discovery

Michael Nielsen, laut Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition SPARC  der Rockstar der Open Science, gab am 23. Januar ein Interview im Blog der Open Society Foundations. Anlass war die Ehrung Nielsens als „innovator for bringing Open Science into the mainstream“ durch SPARC und selbstverständlich auch Nielsens Buchpublikation „Reinventing Discovery: The New Era of Networked Science„.

Nielsen gibt im Interview in einen kurzen, aber prägnanten Einblick in die Vorzüge vernetzten und kollaborativen wissenschaftlichen Arbeitens, in die Open Science und deren Verbindung zur Lehre sowie in die Citizen Science. Die Vorteile des vernetzten Arbeitens entfalten sich erst in vollen Ausmaß in einem offenen Arbeitskontext, in dem wissenschaftliche Materialen jedweder Art frei und möglichst ohne Nutzungsrestriktionen verwendet werden können. Unter dieses Offenheitsregime fallen unter anderem Daten, Software, Protokolle und Publikationen. Nielsen plädiert auch für eine Ergänzung des Instrumentariums an Impact Maßen durch alternative metrische Verfahren.
Dupuis, J., & Nielsen, M. (2012). Reinventing Scientific Discovery : An Interview with Michael Nielsen. Open Society Foundation Blog, (23.01.2012).
http://blog.soros.org/2012/01/reinventing-scientific-discovery-an-interview-with-michael-nielsen/

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US-amerikanische Gesetzesvorlage contra Open Access Mandate der Forschungsförderer

Adrian Pohl machte kürzlich schon in wisspub.net auf eine brisante Gesetzesvorlage im US-Repräsentantenhaus aufmerksam: Der Research Works Act will die Open Access Mandate US-amerikanischer Funding Agencies abschaffen. Mehr dazu in Telepolis: Naht das Ende der Open-Access-Mandate in den USA?

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Neues Mega-Journal SpringerPlus

Springer Publishing kündigte gestern  in einer Pressemitteilung den Launch eines eigenen Megajournals im Stile von PLoS One an. Plos One entfernt sich meiner Meinung nach am weitesten vom traditionellen Erscheinungsbild herkömmlicher Journale. Lösten elektronische Zeitschriften die den technischen und distributiven Bedingungen der Print-Ära geschuldete Issue-Volume-Struktur bereits peu à peu auf, geht PLoS One einen Schritt weiter und verzichtet z.B. auf eine enge inhaltliche Klammer, die andere E-Journals immer noch bemühen, um einen Markencharakter zu erhalten. Zudem zeichnet sich PLoS One durch kurze Review-Zeitfenster aus, ausschlaggebend für die Annahme einer Einreichung ist nicht die wahrgenommene Wichtigkeit der Befunde, sondern die akkurate wissenschaftliche Darstellung und die Wissenschaftlichkeit des Inhaltes. PLoS One ist selbstredend ein Open Access Journal (Artikel stehen unter Creative Commons Attribution Lizenz), das auch Funktionen wie post publication peer review, Online-Annotationen, Diskussionsoptionen, Ratingmöglichkeiten und Anzeige der Downloadhäufigkeiten einzelner Artikel bietet. Zusätzlich lassen sich pro Artikel die Zitationen in Google Scholar sowie die Erwähnungen in Social Media Services anzeigen.

Auch SpringerPlus wird Open Access (und unter CC Attribution Lizenz) erscheinen, auf kurze Begutachtungszyklen setzen und auf eine fachliche Einschränkung verzichten. Entscheidend für die Annahme von Einreichungen wird ebenfalls allein deren Wissenschaftlichkeit sein. Laut Pressemitteilung können auch „audio-visuelle Beiträge, Daten-Reports und umfassende Tabellen als Gesamtbeitrag oder Teil der Arbeit (…) eingereicht werden.“ Die Publikationsgebühren des Journals werden etwas nebulös als „marktüblich“ bezeichnet, bei PLoS One liegen sie bei 1.350 US$ – abzüglich möglicher Nachlässe aufgrund institutioneller Mitgliedschaften. Unklar ist, ob SpringerPlus in gleichem Maß wie PLoS One die oben genannten Zusatzfeatures oder Readertools für einzelne Artikel anbietet.

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Science publishing: How to stop plagiarism

In acht Kurzkommentaren äußern sich Entwickler von Plagiaterkennungssoftware, Verleger, Journal-Editors, Vertreter der Forschungsförderung und andere Wissenschaftsakteure in Nature (selbstredend nicht frei verfügbar) zur Plagiarismus-Bekämpfung. Erwähnenswert sind meiner Meinung nach unter anderem diese Vorschläge:

  • eine bessere Kennzeichnung zurückgezogener Artikel: Harold Garner berichtet von einer 2009 über Medline durchgeführten Plagiatsuntersuchung, die zur Retraction von 56 Artikeln führte. Im Dezember 2011 waren 12 der 56 beanstandeten Werke in PubMed noch nicht als zurückgezogen gekennzeichnet und wurden weiterhin zitiert. Bei zwei weiteren Artikeln war die Kennzeichnung missverständlich. Zur Retraction-Problematik hatte ich micht unter anderem bereits hier geäußert.
  • die Berücksichtigung von Selbstplagiaten, die aus Wissenschaftlersicht vielleicht verzeihbar erscheinen, Journals aber bei Nicht-Aufdeckung innerhalb des Reviews mäßig interessante und unattraktive Zweit-Publikationen bescheren.
  • die Berücksichtigung von Informationen, die nicht-textuell vorliegen, wie Grafiken oder Daten.
  • die Berücksichtigung von Text-Informationen, die nicht als Journalartikel publiziert wurden, sondern als z.B. als Blogeintrag.
  • das Heranziehen professioneller Übersetzer, um sogenannte Übersetzungsplagiate aufdecken zu können.
  • das Erstellen einer Blacklist, die über Täuscher und Plagiateure Auskunft gibt. Das Erscheinen auf der Blacklist könnte auch zum vorübergehenden Ausschluss von wissenschaftlicher Förderung führen.
  • Verstärkung der Plagiatsprävention. Sandra Titus betont in ihrem Kommentar die Wichtigkeit der Prävention, die dem zwar notwendigen, aber sehr aufwändigen Aufdecken, Beweisen und Verfolgen der Plagiatsfälle vorzuziehen sei. Präventionsmaßnahmen sollen nach Titus vor allem die Bedeutung guter wissenschaftlicher Praxis und wissenschaftlicher Integrität vermitteln.

Besonders der Stellenwert der Prävention scheint mir derzeit unterschätzt, wurde erst einmal plagiiert sind Schaden und Vertrauensverlust bereits entstanden. Garner verweist auf einen anderen wichtigen Punkt, die Frage der Relativität oder der Wahrnehmung: Plagiatserkennungssoftware kann nur mittels verschiedener Verfahren ein Ausmaß an Ähnlichkeit zwischen Texten feststellen, ab welchem Grad an Ähnlichkeit ein Text allerdings als Plagiat erachtet wird, liegt im Ermessen der bewertenden Personen. Auch was die Übersetzungsplagiate angeht, stimme ich dem Kommentar (in diesem Fall von John Loadsman) zu, denn diese sind anscheinend besonders schwierig nachzuweisen. Der Vorschlag, eine Plagiateurs-Blacklist einzurichten, könnte mit Unbehagen aufgenommen werden: Plagiate werden unter Wissenschaftlern doch recht oft als lässliche Sünde betrachtet oder als Vergehen, dessen Bestrafung nachsichtig erfolgen sollte. Eine Bloßstellung (wie gerechtfertigt sei auch sein sollte) dürften viele Wissenschaftler ablehnen – die Thematik erscheint zu delikat. Interessant auch, dass die vor einigen Jahren innerhalb eines Community-Services geführte Diskussion über eine solche Liste plagiierender oder auf andere  Art täuschender Wissenschaftler nicht weiterverfolgt wurde – man fürchtete die negativen Konsequenzen einer solchen Liste für die Akzeptanz des eigenen Dienstes und auch rechtliche Streitigkeiten, denen man sich nicht gewachsen fühlte.

 

Literatur:

 

 

In acht Kurzkommentaren äußern sich Entwickler von Plagiaterkennungssoftware, Verleger, Journal-Editors, Vertreter der Forschungsförderung und andere Wissenschaftsakteure in Nature (selbstredend nicht frei verfügbar) zur Plagiarismus-Bekämpfung. Erwähnenswert sind meiner Meinung nach unter anderem diese Vorschläge:

  • eine bessere Kennzeichnung zurückgezogener Artikel: Harold Garner berichtet von einer 2009 über Medline durchgeführten Plagiatsuntersuchung, die zur Retraction von 56 Artikeln führte. Im Dezember 2011 waren 12 der 56 beanstandeten Werke in PubMed noch nicht als zurückgezogen gekennzeichnet und wurden weiterhin zitiert. Bei zwei weiteren Artikeln war die Kennzeichnung missverständlich. Zur Retraction-Problematik hatte ich micht unter anderem bereits hier geäußert.
  • die Berücksichtigung von Selbstplagiaten, die aus Wissenschaftlersicht vielleicht verzeihbar erscheinen, Journals aber bei Nicht-Aufdeckung innerhalb des Reviews mäßig interessante und unattraktive Zweit-Publikationen bescheren.
  • die Berücksichtigung von Informationen, die nicht-textuell vorliegen, wie Grafiken oder Daten.
  • die Berücksichtigung von Text-Informationen, die nicht als Journalartikel publiziert wurden, sondern als z.B. als Blogeintrag.
  • das Heranziehen professioneller Übersetzer, um sogenannte Übersetzungsplagiate aufdecken zu können.
  • das Erstellen einer Blacklist, die über Täuscher und Plagiateure Auskunft gibt. Das Erscheinen auf der Blacklist könnte auch zum vorübergehenden Ausschluss von wissenschaftlicher Förderung führen.
  • Verstärkung der Plagiatsprävention. Sandra Titus betont in ihrem Kommentar die Wichtigkeit der Prävention, die dem zwar notwendigen, aber sehr aufwändigen Aufdecken, Beweisen und Verfolgen der Plagiatsfälle vorzuziehen sei. Präventionsmaßnahmen sollen nach Titus vor allem die Bedeutung guter wissenschaftlicher Praxis und wissenschaftlicher Integrität vermitteln.

Besonders der Stellenwert der Prävention scheint mir derzeit unterschätzt, wurde erst einmal plagiiert sind Schaden und Vertrauensverlust bereits entstanden. Garner verweist auf einen anderen wichtigen Punkt, die Frage der Relativität oder der Wahrnehmung: Plagiatserkennungssoftware kann nur mittels verschiedener Verfahren ein Ausmaß an Ähnlichkeit zwischen Texten feststellen, ab welchem Grad an Ähnlichkeit ein Text allerdings als Plagiat erachtet wird, liegt im Ermessen der bewertenden Personen. Auch was die Übersetzungsplagiate angeht, stimme ich dem Kommentar (in diesem Fall von John Loadsman) zu, denn diese sind anscheinend besonders schwierig nachzuweisen. Der Vorschlag, eine Plagiateurs-Blacklist einzurichten, könnte mit Unbehagen aufgenommen werden: Plagiate werden unter Wissenschaftlern doch recht oft als lässliche Sünde betrachtet oder als Vergehen, dessen Bestrafung nachsichtig erfolgen sollte. Eine Bloßstellung (wie gerechtfertigt sei auch sein sollte) dürften viele Wissenschaftler ablehnen – die Thematik erscheint zu delikat. Interessant auch, dass die vor einigen Jahren innerhalb eines Community-Services geführte Diskussion über eine solche Liste plagiierender oder auf andere  Art täuschender Wissenschaftler nicht weiterverfolgt wurde – man fürchtete die negativen Konsequenzen einer solchen Liste für die Akzeptanz des eigenen Dienstes und auch rechtliche Streitigkeiten, denen man sich nicht gewachsen fühlte.

 

Literatur:

 

 

 

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