Open Access, Zitationen, Finanzierungsmodelle, oder: Wohin führt der Weg?

Einer von Bo-Christer Björk und David Solomon unter dem Titel Open access versus subscription journals:  a comparison of scientific impact publizierten Studie zufolge erreichen Open Access Publikationen in der Medizin ähnliche Zitationshäufigkeiten wie ihre Closed Access Verwandten. Dies widerspricht etwas den Ergebnissen anderer Studien, die in der Regel (und für sehr unterschiedliche Fächer) erhöhte Zitationen für offen zugängliche Publikationen nachweisen. Interessanterweise finden sich in der Björk/Solomon-Studie Hinweise drauf, dass Open Access Journale, deren Finanzierungsmodell auf Autorengebühren basiert, häufiger zitiert werden als solche, die auf diese Zahlungen verzichten.

Über die widersprüchlichen Zitationsbefunde zwischen der Björk/Solomon-Erhebung und anderen Untersuchungen sowie die aktuellen Diskussionen um Green Road Open Access,  der auf Zweitpublikationen in Repositories setzt, und Golden Road Open Access, der originäre Open Access Publikationen hervorbringt und in manchen Fällen auf Autorenzahlungen basiert, sowie die Auswirkungen der Diskussionen auf Geschäftsmodelle von Wissenschaftsverlagen infomiert der Telepolis-Artikel Wechen Weg geht der Open Access? unter http://www.heise.de/tp/blogs/10/152469.

 

Bibliographische Angaben zur Studie:

Björk, B.-C., & Solomon, D. (2012). Open access versus subscription journals: a comparison of scientific impact. BMC Medicine10(1), 73. doi:10.1186/1741-7015-10-73http://www.biomedcentral.com/1741-7015/10/73

 

Alte Kommentare

Hans Dieter Zimmermann:

Ein interessanter Beitrag und interessante Ergebnisse von Björk und Solomon. Und nicht das wir uns falsch verstehen, ich bin für Open Access, aber ich bin auch für eine differenzierte Diskussion zum Thema.

Leider zeigt sich in dem Beitrag die sehr polarisierende Sicht auf das Thema Open Access – z.B. wenn der Auto von „Closed Access“ spricht. Warum? Ganz einfach, weil der Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriften für die Mehrheit der Forschenden, Lehrenden, Doktornden und Studierenden faktisch gar nicht ‚closed‘ ist und der Begriff somit etwas suggeriert, was nicht den Tatsachen der täglichen Praxis entspricht. Wer an einer wissenschaftlichen Einrichtung wie einer Hochschule studiert oder lehrt oder forscht, hat in aller Regel Zugang zu den relevanten Quellen; als Mitglied einer Scientific Community habe ich in aller Regel Zugang zu den entsprechenden Ressourcen.
Der Herausgeber des CACM hat in diesem Context einmal den Begriff „Clopen“ – eine Kombination von Closed und Open – formuliert, ich habe meine Gedanken dazu hier formuliert.

Das Open Access auch eine (gesellschafts- und wissenschafts-) politische und ökonomische Diskussion ist, ist mir sehr bewusst.

 

Ulrich Herb:

Lieber Herr Zimmermann,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich sehe keinen grundsätzlichen Dissens zwischen unseren Perspektiven. Allerdings finde ich, dass es bestimmt auch an zahlreichen Hochschulen viele Forschende und Lehrende gibt, die keinen Zugriff auf *alle* relevanten Informationen haben. Closed bezieht sich für mich (das ging im Artikel unter) allerdings auch auf die Weiterverwendungsmöglichkeiten: Publikationen aus Subskriptionsangeboten darf ich nur runterladen und ausdrucken, CC-BY- oder CC-BY-SA-lizenzierte Open-Access-Werke (der Idealfall des Open Access) erlauben mir jede erdenkliche Weiterverwendung unter Wahrung der Nennung des Urhebers. Vielleicht ist dies sogar die grundlegendere Trennung zwischen „Open“ und „Closed“ und nicht der Finanzierungsmodus. Was Publikationen aus dem Subskriptionssektor aber auch „Closed“ macht, ist unkomfortabler Zugang: Oft stimmt der beim Verlag hinterlegte IP-Range nicht und man kann bezahlte Dokumente nicht abrufen, man muss sich einloggen oder erst prüfen, ob man Zugang hat – das alles entfällt im Open Access. JISC ermittelte mal die Kosten, die durch Subskription *und* den erschwerten Zugang zu subskribierten Publikationen entstehen, und setzte sie zu Open Access in Relation, dazu aus der Pressemitteilung: „The UK public sector spends £135 million a year, made up of subscriptions and time spent trying to find articles, accessing the journal papers it needs to perform effectively. Each extra 5% of journal papers accessed via open access on the web would save the public purse £1.7 million, even if no subscription fees were to be saved.“ http://www.jisc.ac.uk/news/stories/2012/04/openaccess.aspx

 

 

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Folien online: Social Media in der Wissenschaft

Die Folien zum gestrigen GradUS-Workshop zum Thema Social Media in der Wissenschaft (s. Veranstaltungshinweis) stehen zum Download bereit. Wie ich feststellen musste, war die Zeit angesichts der sehr intensiven Diskussion etwas knapp bemessen. Daher kamen leider die Themen Social Media Impact (s. ein älteres Posting) und Social Media Impact Services (s. älteres Posting) etwas zu kurz, auch wenn sie stets präsent waren. Meine kurze Bilanz: Anscheinend konnte ich das Interesse an Twitter wecken, Google+ und Mendeley kamen bei den Teilnehmern am besten weg.

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Korrelationen zwischen Anzahl georderter Reprints, Pharmaförderung & Publikationswahrscheinlichkeit bei Artikeln in Medizinjournals

Von der Pharmaindustrie geförderte Artikel in medizinischen Journalen werden wesentlich häufiger als andere Publikationen als Nachdruck geordert. Die Autoren der Veröffentlichung „High reprint orders in medical journals and pharmaceutical industry funding: case-control study“ machen in diesem Zusammenhang einen Interessenskonflikt aus, da Reprints eine wesentliche Einnahmequelle der Journale darstellen und in der beschriebenen Art geförderte Einreichungen von wissenschaftlichen Zeitschriften eher als andere zur Publikation akzeptiert werden.

Mehr dazu zusammengefasst in Telepolis:
Viele Reprints helfen viel. Erhöht Förderung von Artikeln durch die Pharmaindustrie die Publikationswahrscheinlichkeit?

Oder im Original-Artikel:
Handel, A. E., Patel, S. V., Pakpoor, J., Ebers, G. C., Goldacre, B., & Ramagopalan, S. V. (2012). High reprint orders in medical journals and pharmaceutical industry funding: case-control study. BMJ, 344(jun28 1), e4212-e4212. doi:10.1136/bmj.e4212, http://www.bmj.com/content/344/bmj.e4212

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Was das deutsche Bibliothekswesen von Österreich lernen kann …

Bibliothekare und Bibliotheken in Deutschland tun sich mit Open Access schon schwer. Die unter ihnen, die sich nicht schwer mit ihm tun, leiden derzeit. Klaus Graf legt den Finger regelmäßig in die klaffende Open Access Wunde des deutschen Bibliothekswesens und ich muss ihm meist zustimmen. Das Verhältnis der Bibliotheken zum offenen Zugang ist schizophren: Open Access Projekte nimmt man der Drittmittel wegen gern in Angriff, Open Access wird als neues Geschäftsfeld okkupiert (auch zur eigenen Existenzrechfertigung), aber Open Access praktizieren? Zwar kann man nicht alle Akteure über einen Kamm scheren und an vielen Standorten ist die Forderung nach Open Access kein Lippenbekenntnis, die Misere ist dennoch nicht zu leugnen.

Der Bibliotheksdienst, verantwortet vom Verband Bibliothek und Information Deutschland (BID), wechselt zu de Gruyter, womit die Zeitschrift ihre Open Access Policy dramatisch verschlechtert. Der Berufsverband Information Bibliothek (BIB) schließt Nicht-Mitglieder von der Nutzung der Jobbörse aus. Ein etwas unsolidarischer Akt: Vermutlich sind gerade arbeitslose Kolleginnen und Kollegen keine Mitglieder, weil sie unangenehmen Sparzwängen unterliegen, und daher von der Neuregelung benachteiligt. Und über die (vorsichtig formuliert) stattfindende Unternutzung des Open Access Repositories E-Prints in Library and Information Science (E-LIS) muss man nicht viele Worte verlieren: Publikationen aus dem deutschen Bibliothekswesen finden sich dort kaum (ich verweise auch hier auf Klaus Graf: http://archiv.twoday.net/stories/97070594/). Wie in aller Welt will man denn Wissenschaftler von Open Access überzeugen, wenn man ihn selbst nicht ausübt und implizit Zweifel an dessen Praktikabilität weckt?

Dass die Verbände den Finger nicht am Puls der Zeit haben, beweisen ihre Ignoranz tagesaktueller Modelle wie Open Bibliographic Data (die unmittelbar relevant für die Zielgruppe Wissenschaftler sind, allerdings auch eine Art Konkurrenz für Bibliotheken darstellen – es sei denn man integriert sie) und auch die agilen Diskussionen um neue Open Access Journale für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft (s. den Beitrag von Dörte Böhner in bibliothekarisch.de, http://bibliothekarisch.de/blog/2012/07/01/bibliotheksdienst-open-access-und-newlis/) und community-getriebene Jobbörsen (z.B. Lambert Hellers bibjobs http://bibjobs.wordpress.com/ oder Jens Wonke-Stehles [?] Phu Tus openbibliojobs unter https://sites.google.com/site/openbibliojobs/eingabe-formular).

Wie schon vor einiger Zeit im Kontext der Diskussion um die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) dargelegt, glaube ich nicht an Verbände als Organisationsformen. Was nicht heißen soll, dass Bibliotheksverbände per se anachronistisch sind oder (um ein konkretes Symptom von Gestrigkeit zu nennen) mit Open Access nicht umgehen können: Die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) publiziert ihre Mitteilungen seit Ende 2010 Open Access. Es geht also doch. Ich für meinen Teil ziehe die Konsequenz, für Bibliotheksdienst und Co. bis auf Weiteres keine Artikel zu verfassen oder aber die Verlagspolicy zu ignorieren und die Autorenversion bei Erscheinen des Artikels in E-LIS Open Access zu stellen.

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Themenheft Digitale Wirtschaft: brand eins 07/12

Das aktuelle Heft des Magazins brand eins trägt den den Titel „Digitale Wirtschaft“ und befasst sich in diesem Kontext auch mit den Themen Urheberrecht und Elsevierboykott sowie der Problematik der Entlohung kreativer Leistungen in der Onlinewelt. Zu Wort kommt in Person Dieter Gornys auch die Musikindustrie, zudem findet man im Heft ein Interview mit Thomas Hoeren, der sich auch zur Lage der Musikindustrie äußert und Flatrates für wissenschaftliche Publikationen vorschlägt. Das Hoeren-Interview steht entgeltfrei online unter http://www.brandeins.de/magazin/digitale-wirtschaft/mafioese-strukturen.html

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