Retraction gegen Zahlung, Links gegen Zahlung, De Gruyter & Open Access, Library of Congress archiviert Tweets

Wie immer zum Monatsende ein kurzer Abriss zu Informationen und Ereignissen, zu denen ich nichts bloggen konnte, oder die es mir wert scheinen, nochmals erwähnt zu werden.

  • Wie Ivan Oransky in retraction watch berichtet verlangt Science Publications für die Retraction eines Artikels im American Journal of Engineering and Applied Sciences eine Gebühr von $650. Der Autor Pit Pruksathorn bat den Verlag um die Retraction, da ein Ko-Autor den Text parallel und versehentlich bei einem anderen Journal eingericht hatte, wo er ebenfalls publiziert wurde.
  • Dank einer Kooperation zwischen Twitter und der Library of Congress archiviert Letztere nun Tweets, so Harald Taglinger in telepolis.
  • Achim Sawall zeigt in einem Golem-Artikel wohin uns das Leistungsschutzrecht führen kann: Women’s Aid, eine irische Hilfsorganisation gegen häusliche Gewalt, soll laut nationalem Verlagerverband 300 € zahlen, da sie von ihrer Website auf Artikel in Onlinezeitungen über eigene Aktivitäten, wie z.B. Spendensammlungen, berichtete.
  • Im Laufe einer Diskussion in der Mailingliste ipoa-forum – Expertenforum für die Informationsplattform Open Access nahmen Marco Tullney und Hubertus Kohle den Open Access Deal der Max-Planck-Gesellschaft mit dem Verlag De Gruyter, speziell aber das Open Access Modell De Gruyters unter die Lupe. Tullneys Fazit ist ernüchternd: Open Access beschränkt sich für De Gruyter auf die pure entgeltfreie Nutzbarkeit, womit Distributions- und Bearbeitungsrechte perdu sind. Es finden auch keine offenen Lizenzen Verwendung. Der Verlag speichert zudem Zugriffsinformationen (IP-Adresse, Zugriffszeit) in der PDF-Datei.  Kohle stellte überdies fest: Die Inhalte sind nicht über Suchmaschinen findbar, die Suche nach Auszügen eines Beispielbuches führte Hubertus Kohle zu „den üblichen snippet-Abschnitten mit dem Hinweis darauf, dass es sich um urheberrechtsgeschütztes Material handelt.“ Zum Hintergrund ein Zitat aus der Pressemitteilung des Verlags: „Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Wissenschaftsverlag De Gruyter haben eine richtungs-weisende Rahmenvereinbarung über die Publikation von Open Access-Büchern geschlossen. Der Vertrag bezieht sich auf zu veröffentlichende Werke, die unter der Federführung von den derzeit 80 Max-Planck-Instituten entstehen, und die für jeden Nutzer kostenfrei im Internet abrufbar sein sollen.“

Bleiben noch Hinweise zu drei eigenen Texten: Zusammen mit Björn Mittelsdorf erstellte ich den Bericht „Nutzungsinformationen elektronischer Publikationssysteme: Anwenderwünsche : Ergebnisse dreier empirischer Erhebungen“, der über das Repository e-Lis erhältlich ist. Der Report fasst die Ergebnisse sehr unterschiedlicher Untersuchungen zu Anforderungen an elektronische Publikationssysteme zusammen. Im Mittelpunkt stehen Funktionen, die auf Nutzungsinformationen aufbauen, allerdings werden auch andere Ideen diskutiert, speziell in der sehr ergiebigen Experten-Befragung. In irights.info erschien ein kleiner Beitrag zu Open Metrics und in telepolis berichtete ich von einer Initiative aus der Mathematik, die den Aufbau so genannter Overlay Journals beabsichtigt.

Mathematiker bringen Overlay Journals zurück auf die Open Access Agenda

Die Mathematik-Community lässt in Sachen Open Access nicht locker: Nach der, sich eindrucksvoll im Elsevier-Boykott zeigenden, Verweigerungshaltung gegen überzogenes Journal-Pricing im Subskriptionsmodell formuliert man konstruktive Modelle und will eigene Journals ohne echte Verlagspublikationsplattform erstellen. Mehr dazu in „Die Renaissance der Overlay-Journals. Mathematiker erproben das Publizieren ohne Verlage.

Mendeley vor Aufkauf durch Elsevier?

Auf techcrunch.com berichtet Ingrid Lunden der Wissenschaftsverlag sei am Aufkauf des Literaturverwaltungstools Mendeley interessiert, angeblich stünde der Abschluss des Deals unmittelbar bevor: „TechCrunch understands from sources close to the companies that the deal is underway and should close this quarter, possibly by the end of February — all things being equal — and will be in the region of $100 million“ heißt es im Beitrag „Elsevier In Advanced Talks To Buy Mendeley For Around $100M To Beef Up In Social, Open Education Data„. Überzeugte Nutzer hoffen wohl, dass sich im Falle eines Aufkaufs durch Elsevier Mendeleys Geschäftsmodell nicht ändern möge…

Nachrichtenverbreitung in sozialen Netzwerken: Studie der TU Darmstadt

Durch Frau Ockenfelds Mail im Verteiler der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. stieß ich auf eine Studie der TU Darmstadt zur „Nachrichtenverbreitung in sozialen Netzwerken“ (hier Links zur Pressemitteilung der TU Darmstadt im Informationsdienst Wissenschaft idw sowie zur Studie selbst). Interessanterweise liegen in nahezu allen Kategorien (Politik, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft) sowie im Gesamtranking Angebote auf dem ersten Platz, die das Leistungsschutzrecht nicht unterstützen, nämlich Spiegel Online und heise online. Die einzige Ausnahme bildet das Ressort Sport, hier rangiert die Sportbild Online auf dem ersten Platz. Die Befunde nähren den Verdacht, dass in erster Linie Verlage das Leistungsrecht fordern, die sich technisch und wirtschaftlich noch nicht auf die digitalen Medien eingestellt haben – Zeit genug hatte man ja. Eine List der Unterstützer des Leistungschutzrechts findet sich unter http://leistungsschutzrecht-stoppen.d-64.org/.

Aaron Swartz ist tot, Solidaritätsbekundungen via #pdftribute

Am 11. Januar beging Aaron Swartz, der als profilierter Gegner der Gesetzesvorhaben SOPA und PIPA, Mitentwickler von RSS sowie durch seinen Konflikt mit JSTOR bekannt wurde, Selbstmord. Vor etwas mehr als einem Jahr soll Swartz von der Plattform 4,8 Millionen wissenschaftliche Artikel, angeblich illegal, heruntergeladen haben. Die vor allem von der Staatsanwaltschaft vorangetriebene Anklage sollte im März dieses Jahres vor Gericht verhandelt werden. Mehr dazu bei heise online in Detlef Borcherts Artikel „Internet-Aktivist Aaron Swartz ist tot„. Als Zeichen der Ehrerweisung stellen derzeit Wissenschaftler im Netz ihre wissenschaftlichen Artikel online, teils mehr oder weniger ohne  Rücksicht auf Rechteübertragungen, verfolgen lässt sich der Verlauf unter anderem mittels des Twitter-Hashtags #pdftribute. Eine Informationssammlung von Klaus Graf findet sich in Archivalia unter Our tribute to Aaron Swartz – #pdftribute. Rechtefragen diskutiert Graf unter http://archiv.twoday.net/stories/233327898/.