Opening Science – The Evolving Guide on How the Internet is Changing Research, Collaboration and Scholarly Publishing

Am gestrigen Freitag ist ein Sammelband zur Open Science erschienen: „Opening Science – The Evolving Guide on How the Internet is Changing Research, Collaboration and Scholarly Publishing“ wurde herausgegen von Dr. Sönke Bartling vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Dr. Sascha Friesike, Forscher am Alexander von Humboldt Institut in Berlin. Die Anthologie kennt gleicht vier Manifestationen: Sie ist als Print-Version zu 53,49 € erhältich, als Open Access Ebook bzw. PDF-Sammlung unter einer CC-BY-NC-Lizenz und (ebenfalls kostenfrei) als editierbares lebendes Dokument im Wikipedia-Stil via Github.

Aus dem Inhalt:

  • Towards Another Scientific Revolution (Sönke Bartling & Sascha Friesike)
  • Open Science: One Term, Five Schools of Thought (Benedikt Fecher & Sascha Friesike)
  • Excellence by Nonsense: The Competition for Publications in Modern Science (Mathias Binswanger)
  • Science Caught Flat-footed: How Academia Struggles with Open Science Communication (Alexander Gerber)
  • Open Science and the Three Cultures: Expanding Open Science to All Domains of Knowledge Creation (Michelle Sidler)
  • (Micro)blogging Science? Notes on Potentials and Constraints of New Forms of Scholarly Communication (Cornelius Puschmann)
  • Academia Goes Facebook? The Potential of Social Network Sites in the Scholarly Realm (Michael Nentwich & René König)
  • Reference Management (Martin Fenner, Kaja Scheliga & Sönke Bartling)
  • Open Access: A State of the Art (Dagmar Sitek & Roland Bertelmann)
  • Novel Scholarly Journal Concepts (Peter Binfield)
  • The Public Knowledge Project: Open Source Tools for Open Access to Scholarly Communication (James MacGregor, Kevin Stranack & John Willinsky)
  • Altmetrics and Other Novel Measures for Scientific Impact (Martin Fenner)
  • Dynamic Publication Formats and Collaborative Authoring (Lambert Heller, Ronald The & Sönke Bartling)
  • Open Research Data: From Vision to Practice (Heinz Pampel & Suenje Dallmeier-Tiessen)
  • Intellectual Property and Computational Science (Victoria Stodden)
  • Research Funding in Open Science (Jörg Eisfeld-Reschke, Ulrich Herb & Karsten Wenzlaff)
  • Open Innovation and Crowdsourcing in the Sciences (Thomas Schildhauer & Hilger Voss)
  • The Social Factor of Open Science (Tobias Fries)
  • Creative Commons Licences (Sascha Friesike)
  • Organizing Collaboration on Scientific Publications: From Email Lists to Cloud Services (Sönke Bartling)
  • Unique Identifiers for Researchers (Martin Fenner & Laure Haak)
  • Challenges of Open Data in Medical Research (Ralf Floca)
  • On the Sociology of Science 2.0 (Vladimir B. Teif)
  • How this book was created using collaborative authoring and cloud tools (Sönke Bartling)
  • History II.o (Luka Orešković)
  • Making data citeable: DataCite (Jan Brase)

 

 

 

 

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Open Funding in Science & From Funding Agencies to Scientific Agency

Einige Zeit, nachdem Jörg Eisfeld-Reschke, Karsten Wenzlaff (beide IKOSOM, Institut für Kommunikation in sozialen Medien) und ich einen Artikel mit dem Titel Research Funding in Open Science  für das Sammelwerk Opening Science, herausgegeben von Dr. Sönke Bartling vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Dr. Sascha Friesike, Forscher am Alexander von Humboldt Institut in Berlin, fertiggestellt hatten, veröffentlichten Johan Bollen, David Crandall, Damion Junk, Ying Ding & Katy Borne auf arXiv einen Preprint, der sich ebenfalls alternativer Modelle der Forschungsförderung widmete.

Der Preprint von Bollen et al. ist nun formal erschienen und trägt den Titel From funding agencies to scientific agency. Unser eigener Artikel ist zumindest online erschienen und die Veröffentlichung der Print-Version steht wohl kurz bevor. Beide Texte befassen sich mit alternativen Formen der Forschungsförderung, einem Thema, das zu meiner Überraschung bei allen Diskussionen um die Öffnung und Modernisierung der Wissenschaft, ihrer Bewertung und ihrer internen sowie externen Kommunikation bislang kaum erörtert wird: Science 2.0, Open Science, Open Review, Open Access sind allesamt etablierte Begriffe, wohingegen Funding 2.0 oder Open Funding nicht als Konzepte auftauchen. Ein naheliegender Grund mag sein, dass man als Teilnehmender am Wissenschaftsbetrieb von Förderung abhängig ist und folglich mit Kritik an oder Modernisierungsvorschlägen für die Forschungsförderung oder deren Organisationen lieber zurückhaltend sein will. Dabei zielen die in den erwähnten Artikeln skizzierten Optionen auf Ergänzungen der klassischen Förderung. Was aber sind die Überlegungen in den Artikel von Bollen et al. sowie Eisfeld-Reschke et al.?

Zunächst nehmen beide Publikationen die Mängel der Begutachtung von Forschungsanträgen mittels  Peer Review als Anlass Alternativen zu beschreiben. Besonders die Verengung der Förderentscheidung auf wenige Akteure, die Reviewer, wird kritisiert, da deren individuellen Vorlieben und Abneigungen starken Einfluss bei der Bewertung eines Antrags nehmen können. Bollen et al. fokussieren sehr stark auf die Selbstverwaltung der Wissenschaft und schlagen vor, das Prinzip der bürokratischen Delegation der Mittelverteilung (wie es sich bei klassischen Förderorganisation findet) durch selbstorganisierte Ressourcenallokation zu ersetzen. Sie beschreiben ihren Vorschlag als „a highly decentralized funding model in which the wisdom of the entire scientific community is leveraged to determine a fair distribution of funding“ und schlagen im Wesentlichen vor, dass Förderorganisationen allen befugten Wissenschaftlern einen Sockelbetrag an bedingslosem Forschungsetat zuweisen – zuzüglich eines Betrags, den die Wissenschaftler an Kollegen weiterzugeben verpflichtet sind. Auf diese Weise sollen sie andere Forscher, deren Arbeit sie weiterverfolgt wissen wollen, direkt unterstützen.

Eisfeld-Reschke et al. rücken dagegen stärker die Elemente der Open Science und Citizen Science in den Mittelpunkt. Erörtert werden unter anderem die Anwendbarkeit von Crowdfunding, Social Payments und virtuellen Währungen auf die Förderung von Wissenschaft sowie mögliche Kritikpunkte an der Umsetzung solcher Konzepte. Der Text reflektiert durchgehend die Anwendung der Verfahren in einem Community Ansatz und einem Citizen Science Ansatz. Daher ergibt sich etwa bei den Social Payments eine Überschneidung zwischen Bollen et al. und Eisfeld-Reschke et al., letztere führen wie folgt aus: „Social payments could also be integrated into direct funding: For instance, through scientists receiving a certain amount of public money or money from funding institutions which cannot be used for their own projects but must be donated to other projects in their discipline. Funds as yet unassigned would remain in a payment pool until the end of the year and then be divided up equally among all projects.“

Trotz Berührungspunkten wie diesen liefern beide Artikel, wie ich als zugegebenermaßen befangener Autor finde, einigen Diskussionsstoff zur Gestaltung der Förderungsförderung, die bislang abseits der wissenschaftlichen Modernisierungsdiskurse steht.

 

Referenzen:

Bartling, Sönke, & Friesike, Sascha (Hrsg.) (2014). Opening Science. Springer Publishing. DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8

Bollen, Johan; Crandall, David; Junk, Damion; Ding, Ying & Börner, Katy (2014). From funding agencies to scientific agency. EMBO reports. DOI: 10.1002/embr.201338068 Preprint: http://arxiv.org/pdf/1304.1067v1.pdf

Eisfeld-Reschke, Jörg; Herb, Ulrich & Wenzlaff, Karsten (2014). Research Funding in Open Science In S. Bartling & S. Friesike (Hrsg.), Opening Science, 237-253 DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8_16

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