First copy costs of scientific articles – a short overview

While I was working on a longer text, I gathered – more or less as a by-product – information from studies and reports on the (first copy) costs of a scientific article. As a result, it can only be noted that the information available on these costs (and related costs as margins) are very different and really difficult to compare. The latter confirms my impression that there is a huge lack of transparency in the scientific publications market. The following table may give some insight in the information I found. It is also available via GitHub (https://github.com/scinoptica/article_costs.git), so please feel free to improve/ update the data or add new information.

 

Source

RIN
2008
 

British Academy
2007

 

 

Dubini
2012

 

 

Waltham
2010

 

 Shieber
2012
 Houghton et al.
2010
 Van Noorden
2013
First copy costs of an article, including profit margins 

1.127 £

 

PNAS: 3.700 $

Nature: 30.000 – 40.000 $

First copy costs of an article, without profit margins1.136 £ 

420 – 650 $

 

10 $

First copy costs, including profit margins per page 

360 $

 –
Margin 

18%

Closed Access on average 20-30%,

 

Open Access (commercial) on average 15%

Cost of peer review (not included in first copy costs):1.194 £900 £ –
Methodsanalysis of literature and reportsexpert discussionempirical studyempirical studycase studyanalysis of literature and reportsanalysis of literature and reports, interviews
DisciplinesmixedSocial Sciences & HumanitiesmixedSocial Sciences & HumanitiesMachine Learningmixedmixed

 

Sources:

British Academy for the Humanities and Social Sciences. (2007). Peer Review : the challenges for the humanities and social sciences. A British Academy Report. Retrieved from http://www.britac.ac.uk/policy/peer-review/contents.cfm

Dubini, P. (2012). PEER Economics : the effect of large scale deposit on scholarly research publishing. Retrieved from http://www.peerproject.eu/fileadmin/media/presentations/PEER_economics_29May12_Brussels-1.pdf

Houghton, J. W., Rasmussen, B., & Sheehan, P. (2010). Economic and Social Returns on Investment in Open Archiving Publicly Funded Research Outputs. Melbourne. Retrieved from http://www.arl.org/sparc/publications/papers/vuFRPAA/index.shtml

Research Information Network. (2008). Activities, costs and funding flows in the scholarly communications system (p. 88). Retrieved from http://www.rin.ac.uk/our-work/communicating-and-disseminating-research/activities-costs-and-funding-flows-scholarly-commu
Shieber, S. (2012). An efficient journal. The Occasional Pamphlet. Retrieved June 05, 2012, from http://blogs.law.harvard.edu/pamphlet/2012/03/06/an-efficient-journal/

Van Noorden, R. (2013). Open access: The true cost of science publishing. Nature, 495(7442), 426–429. doi:10.1038/495426a

Waltham, M. (2010). Humanities and social science journals: a pilot study of eight US associations. Learned Publishing, 23(2), 136–143. doi:10.1087/20100209

 

 

 

Ein Leserbrief zu „Die offene Wissenschaft und ihre Freunde“, FAZ, 29.03.2014

Am 29.03.2014 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) der Artikel „Die offene Wissenschaft und ihre Freunde“ von Philip Mirowski. Der Artikel provozierte meinen Widerspruch, diesen Widerspruch habe ich eben in einem Leserbrief verschriftlicht – von dem ich hoffe, dass die FAZ ihn reflektiert. Ich will einige meiner Argumente aber auch an dieser Stelle festhalten, daher soll der Text auch in diesem Blog scheinen. Er lautet:

Eines vorweg, ich bin strikter Gegner der Privatisierung und Ökonomisierung von Hochschulen, das ist in zahlreichen meiner Artikel manifestiert. Umso mehr muss ich dem in „Die offene Wissenschaft und ihre Freunde“ gezeichneten Bild einer offenen Wissenschaft, die Einfallstor für die Hochschulprivatisierung sei, widersprechen.

Offene Wissenschaft kennt viele Ausformungen, zum einen will sie auf der Ebene wissenschaftlicher Objekte (Texte, Daten) erreichen, dass diese möglichst einfach in neue Forschung münden, um wissenschaftlichen Fortschritt zu erleichtern. Daher sollen Texte und Daten jedem zur Nutzung bereitstehen. Letztlich hat der Bürger ein Recht auf diese Art der Beschleunigung von Forschung – hat er Publikationen und Daten in ihrer Erstellung doch mit seinen Steuergeldern teuer bezahlt. Auch die Aussage Open Science sei eine Aneignung geistigen Eigentums ist nicht korrekt: Ihr Ziel ist es gerade zu verhindern, dass Wissenschaftler z.B. die Nutzungsrechte an ihren Publikationen verlieren und diese nicht mehr legal mit anderen Forschern teilen können.

Open Science bedeutet aber nicht nur offene Verfügbarkeit von Informationen, sondern auch Transparenz – dies übersieht der Autor geflissentlich. Dazu zählt es wissenschaftliche Ergebnisse durch die offene Verfügbarkeit von Forschungsdaten auf ihre Korrektheit hin überprüfbar zu machen und so Forschungsfälschungen leichter zu enttarnen.

Zu guter Letzt ist offene Wissenschaft auch prozessual gemeint und will Verfahren wie die Qualitätsprüfung wissenschaftlicher Artikel transparenter machen – um zu verhindern, dass aus der Machtposition des Gutachters missliebige Veröffentlichungen oder Anträge zensiert werden. In welcher Hinsicht diese Offenheit und Transparenz schädlich sein sollen, leuchtet mir nicht ein. Allerdings sind dies Aspekte der (sicher kein Wundermittel sein könnenden) Open Science, die der Autor nicht kennt oder nicht kennen will. Er begnügt sich der Einfachheit halber mit der ebenso banalen, diskreditierenden wie skandalisierenden und falschen Gleichsetzung von Open Science mit Facebook.

Ulrich Herb


Alte Kommentare:

Thorsten Lebev:
Die Überschrift „Die offene Wissenschaft und ihre Feinde“ – in Anlehnung an einen Buchtitel des neoliberalen Philosophen Karl Popper – verweist auf die zentrale Botschaft des Artikels, die sie leider überhaupt nicht erwähnen: Man möge bitte bei der Diskussion von Open Science die (langfristigen) Zielsetzungen der Wirtschaft (Unternehmens-gewinne durch die Ware Wissenschaft) nicht übersehen. All die positiven Aspekte von Open Science (Transparenz, Qualitätsprüfung, etc.) auf die sie sich in ihrem Leserbrief beziehen, werden von Philip Mirowski tatsächlich nicht genannt. Aber er macht deutlich, warum ihn diese Aspekte nicht weiter beschäftigen: „Die Vorstellung Open Science mache (die Wissenschaft) offener für die Bedürfnisse aller (ist) ein bloße Ablenkung“. Mirowski geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass auch Open Science für die daran beteiligten Unternehmen letztlich ein Mittel zum Zweck ist. Und dieser Zweck lautet in konkurrenz-wirtschaftlichen Umwelten nicht Wissenschafts-förderung sondern eben Gewinnerzielung. Nicht offener Zugang zu Wissen sondern Wissenschaft als Ware. Es mag ja sein, dass viele Unternehmen heute für die Förderung von Open Science draufzahlen – bloß unterscheidet sich dieses Feld damit nicht von anderen Gebieten, in denen Unternehmen in frühen Phasen eines entstehenden Marktes viel Geld lassen, um sich in Position zu bringen und Konkurrenz draußen zu halten. Zuletzt: Die von Mirowski zu Facebook gemachte Aussage lautet korrekt: „Forschung … soll offen erfolgen. Am besten auf Plattformen, die … Facebook, Twitter, GoogleScholar und Wikipedia ähneln“. Das klingt doch anders als die eine „skandalöse“ Gleichsetzung von OpenScience und Facebook.

Ulrich Herb:
Lieber Herr Lebev (?), vielen Dank für Ihren Kommentar, zu dem ich mich äußern will: Zunächst: Ja, der Autor schildert seine Befürchtung, Open Science befördere die Liberalisierung der Wissenschaft. Allerdings merken sie selbst an: „All die positiven Aspekte von Open Science (Transparenz, Qualitätsprüfung, etc.) auf die sie sich in ihrem Leserbrief beziehen, werden von Philip Mirowski tatsächlich nicht genannt.“ Insofern ist Herrn Mirowskis Darstellung einseitig (zudem finde ich wenig Untermauerung dieser). Daher war es mein Anliegen, herauszustellen was Herr Mirowski unterschlug. Ich will noch einen Schritt weiter gehen, Popper als neoliberal zu beschreiben ist nicht völlig korrekt, er forderte auch Offenheit um der Transparenz willen. Aber auch andere Wissenschaftstheoretiker (die des Liberalismus unverdächtig sind) äußern Ideen, die den Ansinnen der Open Science entsprechen. Robert Merton, z.B. nennt als eines der Prinzipien ethischer Wissenschaft den Kommunismus. Dazu führt er aus: Die „materiellen Ergebnisse der Wissenschaft sind ein Produkt sozialer Zusammenarbeit und werden der Gemeinschaft zugeschrieben. Sie bilden ein gemeinsames Erbe, auf das der Anspruch des einzelnen Produzenten erheblich eingeschränkt ist. Mit dem Namen ihres Urhebers belegte Gesetze oder Theorien gehen nicht in seinen oder seiner Erben Besitz über, noch erhalten sie nach den geltenden Regeln besondere Nutzungsrechte. Eigentumsrechte sind in der Wissenschaft aufgrund der wissenschaftlichen Ethik auf ein bloßes Minimum reduziert. Der Anspruch des Wissenschaftlers auf sein ’intellektuelles Eigentum’ beschränkt sich auf die Anerkennung und Wertschätzung, die (…) in etwa mit der Bedeutung dessen übereinstimmt, was in den allgemeinen Fonds des Wissens eingebracht worden ist.“ (Merton, R. K. (1973). Wissenschaft und demokratische Sozialstruktur. In P. Weingart (Ed.), Wissenschaftssoziologie I. Wissenschaftliche Entwicklung als sozialer Prozeß (Vol. I, S. 45–59). Frankfurt am Main: Athenäum; dort S. 73). Wenn man schon Wissenschaftstheoretiker zur Berichterstattung zu Open Science heranzieht, dann doch bitte auch Merton und dieser fordert mit diesem Zitat nichts anderes als offene Wissenschaft – ohne dabei auch die Privatisierung und Ökonomisierung der Wissenschaft auszurufen. Weiterhin schreiben Sie: „Mirowski geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass auch Open Science für die daran beteiligten Unternehmen letztlich ein Mittel zum Zweck ist. Und dieser Zweck lautet in konkurrenz-wirtschaftlichen Umwelten nicht Wissenschafts-förderung sondern eben Gewinnerzielung. Nicht offener Zugang zu Wissen sondern Wissenschaft als Ware.“ Was die Gewinnerzielung angeht kann ich nur betonen, dass ich es begrüße, wenn technische Innovationen, die an Hochschulen steuerfinanziert entwickelt wurden, jedem zur Adaption offenstehen und sich damit auch wirtschaftlicher Gewinn einstellt. Natürlich dürfen Hochschulen nicht zum Datenlieferanten und Appendix der Wirtschaft verkommen, aber diese Gefahr sehe ich nicht (zumindest keine, die durch Open Science geschaffen wird). Und natürlich setzt die Forderung, wissenschaftliche Information müsse offen nutzbar sein, voraus, dass Hochschulen eine finanzielle Ausstattung erfahren müssen, die sie nicht dazu zwingt sich exklusive Verwertungsrechte vorzuhalten. Aber warum z.B. sollte ein an einer Hochschule (mit Steuermitteln) entwickeltes Verfahren nicht allen Firmen offenstehen? Die Alternative wäre z.B. eine Patentierung, die eine monopolistische Verwertung (zu hohen Preisen) gegenüber einem unter Konkurrenzbedingungen entstehenden (niedrigeren) Preis bevorzugt. Zu guter Letzt führen Sie aus: „Die von Mirowski zu Facebook gemachte Aussage lautet korrekt: ‚Forschung … soll offen erfolgen. Am besten auf Plattformen, die … Facebook, Twitter, GoogleScholar und Wikipedia ähneln‘. Das klingt doch anders als die eine ‚skandalöse‘ Gleichsetzung von OpenScience und Facebook.“ Jain. Zwar haben Sie insofern recht als Herr Mirowski nicht wörtlich behauptet Open Science sei das selbe wie Facebook, jedoch ist die Gleichsetzung der Werkzeuge, die Open Science nutzen will (offener Content, Open Source), mit proprietären Diensten wie Facebook schon ein arge Verunglimpfung und falsche Darstellung. Überdies in einem von großem Pessimismus gegen die Onlinekulturen geprägten Blatt wie der FAZ – inkl. entsprechender Leserschaft. Herr Mirowski unterscheidet nicht zwischen wirtschaftlich-dysfunktionalen Märkten und der ideellen Offenheit des Marktes als Ort konkurrierender Ideen, dies ist das grundlegende Problem an seinem Beitrag. Aber genau das zweite Bild beschreibt die Open Science. Der Soziologe Pierre Bourdieu, als Kopf von Attac sicher kein Wirtschaftsliberaler, bemängelt zu wenig Konkurrenz und Transparenz in der Wissenschaft einmal mit den Worten: „Vom Ideal des freien Marktes, den man gerade so anpreist, ist man weit entfernt, die Wirkungen eines solchen Marktes sind der Wissenschaft nur zu wünschen.“ (Pierre Bourdieu im Interview mit Frank Nouchi, 1993 in : Bourdieu, P. (1998). Vom Gebrauch der Wissenschaft. Für eine klinische Soziologie des Wissenschaftlichen Feldes. Les usages sociaux de la science. Konstanz: Universitätsverlag Konstanz; dort S. 80). Ich stimme Bourdieu vollkommen zu und sehe Open Science prinzipiell als geeignet den Markt der Ideen zu öffnen.