Journal zahlt Autoren für Zitate ihrer Artikel

Jeffrey Beall, dessen Pauschalisierungen zu Predatory Open Access ich nicht teile und dessen Injurien gegen integre Open-Access-Journale mich oft stören, liefert in seinem Blog Scholarly Open Access immer wieder Hinweise auf Auswüchse im wissenschaftlichen Publikationswesen. Das International Journal of Emerging Technology and Advanced Engineering (IJETAE) ist nun Thema eines Beall-Postings.

Vorab: Das Journal nutzt Article Processing Charges (APCs) als Einnahmequelle, für die Publikation eines zehnseitigen Artikels werden 170 US-Dollar fällig. Die Issues erscheinen in kurzen Intervallen, nämlich im Monatsabstand, und sind prall gefüllt – Issue 9 des Volume 6 umfasst 54 Artikel.

Beall verweist jedoch auf ein anderes Merkmal, welches das IJETAE meiner Kenntnis nach von anderen Journalen abhebt: Es zahlt seinen Autoren Geld für Zitationen auf ihre IJETAE-Artikel. Er zitiert als Beleg aus einer Mail, die das Journal an potentielle Autoren schickte:

All published articles from  September 2016 onwards will be applicable for “Research Paper Royalty Scheme” in which  corresponding author will get a reimbursement of 100 USD/6000 INR if his/her paper is cited by any 20 researchers in any reputed International Journal/Conferences in a year. If you are confident about your Research work then IJETAE will be honoured to appreciate it. Author can also keep track on Citation Count using Google Scholar.

Ich muss anmerken, dass die Google-Suche nach einzelnen Phrasen der Mail mich nicht zu Archiven von Mailinglisten führte, in denen ich den Inhalt der Mail verifizieren konnte. Allerdings finden sich in einem anderen Blog gleichfalls Nachrichten über diese Mails. Da derartige Informationen in der Regel direkt an Wissenschaftler gehen und nicht über Listen versendet werden, scheinen die Schilderungen über die in Aussicht gestellte Belohnung nicht zweifelhaft.

Von der Homepage des International Journal of Emerging Technology and Advanced Engineering
Von der Homepage des International Journal of Emerging Technology and Advanced Engineering

Warum nun die Entlohnung? Zwar schmückt sich das IJETAE mit einem Fake Impact Factor, auch auf der Grafik zu sehen, ein echter Journal Impact Factor (JIF) dürfte dennoch perspektivisch lukrativer sein. Da die Aufnahme eines Journals in das Web of Science (WoS), anhand dessen der Original-JIF berechnet wird, maßgeblich von Zitationszahlen abhängt, könnte man die Strategie verfolgen durch hohe Zitationszahlen den Weg ins WoS zu finden. Die Aufnahme in WoS hängt zwar auch von anderen Kriterien ab, aber die ließen sich mit ein bisschen Kosmetik womöglich auch noch erfüllen. Der Verweis auf Google Scholar legt auch die Vermutung nahe, man wolle durch gesteigerte Zitationszahlen in den Fächer-Rankings Google Scholars steigen.

Egal, ob das Ziel die Aufnahme ins WoS oder die höhere Position im Google Scholar Ranking ist – beides würde das IJETAE für Autoren attraktiver machen, damit zugleich zahlungsfreudiger und bereit höhere Gebühren zu zahlen.

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Wissenschaftler lassen sich von computer-generierten Reviews täuschen

Von Computern fabrizierte Texte sind in der Wissenschaft keine Neuheit, schon öfters geschah es, dass solcher Paper als Artikeleinreichung in wissenschaftlichen Journalen unbeanstandet die Peer Review passierten. Nun konfrontierten Forscher der Universität Triest Wissenschaftler mit computer-generierten Reviews – diese hielten die Fake Reviews erstaunlich oft für echt und ließen sich in ihrer eigenen Beurteilung von Artikeln durch sie beeinflussen. Mehr dazu in Telepolis.

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Heatmap: Anteil der Open-Access-Journale pro Land

Miguel Navas F. postete gestern auf Twitter einen Link zu einer Heatmap, die den Open-Access-Anteil unter allen Journalen eines Landes darstellt. Die Heatmap ist als interaktive Google Spreadsheet angelegt und unter https://docs.google.com/spreadsheets/d/1RW5fmFfkcXBlt2E0Vz1P-zaQJXSEIJhCiVoiG8KYHcQ/pubchart?oid=1841277340 erreichbar – weswegen ich sie leider nicht direkt hier einbinden kann. Als Datenquelle nutzte er die Datenbank Ulrich’s Periodicals. Den höchsten Open-Access-Anteil findet man übrigens in Indonesien mit mehr als 86 % – wobei allerdings die absoluten Zahlen nicht eingesehen werden können. Deutschland erreicht, vergleichbar den USA und dem UK, cirka 10 %, Brasilien über 60 %, Indien, angeblich Nest der Predatory Publisher, ungefähr 19 %.

 

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Publikationshinweis: „The Non-trivial Effects of Trivial Errors in Scientific Communication and Evaluation“

In der Schriftenreihe Schriften zur Informationswissenschaft des Hochschulverbandes Informationswissenschaft ist die Dissertation meiner Kollegin Terje Tüür–Fröhlich erschienen, das Inhaltverzeichnis kann hier eingesehen werden.

Abstract:

“Thomson Reuters’ citation indexes i.e. SCI, SSCI and AHCI are said to be “authoritative”. Due to the huge influence of these databases on global academic evaluation of productivity and impact, Terje Tüür-Fröhlich decided to conduct case studies on the data quality of Social Sciences Citation Index (SSCI) records. Tüür-Fröhlich investigated articles from social science and law. The main findings: SSCI records contain tremendous amounts of “trivial errors”, not only misspellings and typos as previously mentioned in bibliometrics and scientometrics literature. But Tüür-Fröhlich’s research documented fatal errors which have not been mentioned in the scientometrics literature yet at all. Tüür-Fröhlich found more than 80 fatal mutations and mutilations of Pierre Bourdieu (e.g. “Atkinson” or “Pierre, B. and “Pierri, B.”). SSCI even generated zombie references (phantom authors and works) by data fields’ confusion – a deadly sin for a database producer – as fragments of Patent Laws were indexed as fictional author surnames/initials. Additionally, horrific OCR-errors (e.g. “nuxure” instead of “Nature” as journal title) were identified. Tüür-Fröhlich´s extensive quantitative case study of an article of the Harvard Law Review resulted in a devastating finding: only 1% of all correct references from the original article were indexed by SSCI without any mistake or error. Many scientific communication experts and database providers’ believe that errors in databanks are of less importance: There are many errors, yes – but they would counterbalance each other, errors would not result in citation losses and would not bear any effect on retrieval and evaluation outcomes. Terje Tüür-Fröhlich claims the contrary: errors and inconsistencies are not evenly distributed but linked with languages biases and publication cultures.”

Tüür–Fröhlich, Terje (2016): The Non-trivial Effects of Trivial Errors in Scientific Communication and Evaluation. Preface: Volker Gadenne. Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 69. Glückstadt/D: vwh. ISBN-10: 3864881048; ISBN-13: 978-3864881046

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Bats are real cool animals: eine weitere Anekdote zum Predatory Publishing

Über die Schwächen des APC-Modells für Gold Open Access wird regelmäßig diskutiert. In a nutshell: Wissenschaftler zahlen für die Publikation ihrer Einreichungen in Open Acsess Journals teils Gebühren, die sogenannten Article Processing Charges APCs. Mitunter wird dieses Finanzierungsmodell allerdings pervertiert und die Einreicherungen werden ohne inhaltliche Prüfung zur Publikation akzeptiert. Alexandre Martin reichte nun in einer Zeitschrift ein Grundschul-Referat seines siebenjährigen Sohns Tristan als wissenschaftlichen Artikel ein – er wurde nicht nur zur Publikation akzeptiert, vielmehr ersetze man beim Journal den Text, der mit dem Statement „Bats are real cool animals!“ begann, durch einen wahren Plagiatsverschnitt.

Mehr dazu in Telepolis.

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