Welches Open Access Repository sollte man in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nutzen?

Bisher war ich fleißiger Nutzer des Repositorys eprints in Library & Information Science E-LIS, alle meine wissenschafltichen Artikel erscheinen Open Access und ein Gutteil davon findet sich auf besagtem Server. Nun allerdings suche ich eine Alternative.

Kürzlich machte ich via E-LIS einen Artikel im Open Access verfügbar und seit einigen Tagen gehen Nachrichten Interessierter bei mir ein, die mich um eine Zusendung der Open-Access-Version per Mail bitten, da der Server nicht erreichbar ist. Dieser Zustand hält nun schon seit mindestens drei Tagen an, ein Versuch der Kontaktaufnahme über Twitter blieb erfolglos.

Die Unerreichbarkeit des Servers ist genauso unerfreulich wie die Änderung der URLs zu E-LIS-Volltexten vor einigen Jahren. Beides widerspricht den Geboten der Referenzierbarkeit und Persistenz elektronischer Publikationen. Die Änderung der URLs machte neben Ärger auch Arbeit, da ich viele Referenzen in meiner Literaturverwaltung und auch der eigenen Publikationsliste ändern musste. Auch Google Scholars Zitationszählung wurde durch diese URL-Änderungen torpediert, denn vorrübergehend wies der Dienst Zitate anderer Artikel meinen Publikationen zu: Offensichtlich waren meine Texte nun unter URLs zu finden, unter denen früher andere Texte abgelegt waren.

Ich schätze und würdige die Arbeit der E-LIS-Macher, suche aber nun Alternativen und bitte LeserInnen um Tipps. Ich sehe die Tendenz, Repositories mit DOI-Vergabe aufzurüsten, zwiespältig. Sinnvoll ist sie sicher bei Dokumenten, die gar nicht formal erscheinen (Graue Literatur) oder die beim formalen Erscheinen keine DOI erhalten. Erhalten Dokumente, die bei der formalen Publikation mit einer DOI versehen wurden, auf dem Repository eine zweite, sehe ich hingegen die Gefahr einer inkonsistenten Zitationszählung und Altmetrics-Ermittlung. Daher wäre tendenziell ein Repository ohne DOI-Vergabe nicht uninteressant.

Einstweilen habe ich den oben genannten Artikel wieder auf diesem Server veröffentlicht.

Übrigens macht der Verlag, in dem der besagte Text erschien, De Gruyter, es nicht so viel besser als E-LIS: Bislang löst die DOI des Artikels nicht auf.


Update 1: Ich teste nun mal das von Klaus Graf erwähnte The Idealis, https://theidealis.org/

Update 2, 19.03.2017: Klaus Graf griff die Diskussion auf und erwähnt diese Kandidaten:

  • Socarxiv: Ist mir fachlich nicht einschlägig genug für den genannten Artikel, für andere aber sicher.
  • HAL-SHS hatte ich nicht bedacht, jedoch ermuntert Herrn Grafs Einschätzung nicht gerade zur Nutzung.
  • Den in den Kommentaren genannten Vorschlag hcommons kritisiert Herr Graf, da es Probleme gibt, die bei der Registierung angegebene Mailadresse zu korrigieren. Ich meldete mich ohne Probleme an und lud meine Datei hoch, schön ist hier, dass die DOI der Verlagsversion und die der Repository-Version getrennt ausgegeben werden.
  • Schließlich ist noch infodata zu nennen, wo sich bereits einige meiner Publikationen finden. Das Repository ist sicher fachlich einschlägig, wirkt aber ausgesprochen spröde: Export bibliographischer Daten, Social-Media-Schnittstellen etc. sucht man vergebens.
  • Der BIB-Server ist ebenfalls einschlägig, sein Content aber nicht primär (informations)wissenschaftlich.

Noch drei weitere Nachträge:

  • Zenodo nutzte ich für den Artikel, dessen Publikation Anstoß der Suche nach einem geeigneten Repository war, aus zwei Gründen nicht: Zum einen weist Zendo die Publisher-DOI nicht so aus, wie es z.B. hcommons tut. Zum anderen erzwingt Zendo die Verfügbarmachung unter Lizenzen, die ich nur nutzen kann, wenn ich bislang allenfalls nicht-exklusive Rechte abgetreten habe. Daher scheint mit der Server für die Bereitstellung von Postprints / Preprints nur bedingt geeignet.
  • Ich warte seit Tagen auf  den Abschluss der Registrierung zu Theidealis.
  • E-LIS ist immer noch nicht erreichbar.

Update 3, 22.05.2017

Kürzlich wurde bekannt, dass e-LIS nun von einer anderen Einrichtung gehostet wird, mehr dazu hier.

10 Gedanken zu „Welches Open Access Repository sollte man in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nutzen?

  1. Ihre Entscheidung schmerzt mich als E-LIS-Editorin natürlich, ich kann sie aber auch verstehen. Die Änderung der URLs (begründet durch die vorübergehende Änderung der verwendeten Repository-Software, wenn ich mich recht erinnere) war in der Tat ein Rückschlag, der mir auch die bis dahin von meinen KollegInnen und mir betriebene Werbung z.B. auf Bibliothekartagen etwas verleidet hat. Womit ich auch nicht zufrieden bin, ist die Anzeige der Metadaten, die teilweise für ein ordentliches Zitat nicht ausreicht, und die „full metadata“ werden aus meiner Sicht in einer sehr unpraktischen (und unschönen, nebenbei bemerkt) Form und Reihenfolge angezeigt (z.B. http://eprints.rclis.org/cgi/export/eprint/10123/Full/elis-eprint-10123.html). Ich mag E-LIS aber irgendwie trotzdem 😉 es ist halt etwas schwierig, Forderungen zu stellen, wenn man froh sein muss, dass man irgendwo gehostet wird…

    Falls Sie wieder bemerken, dass die Seite nicht geht, wenden Sie sich bitte gleich an elis.repository@gmail.com. Den Twitter-Account werde ich auch einmal bei uns intern ansprechen, denn dieser sollte eigentlich alle neu hochgeladenen Dokumente anzeigen, was er seit längerem nicht tut.

    1. Hallo Frau Bargmann,

      um ehrlich zu sein: Ich hatte gehofft, dass sich jemand von den E-LIS-Personen meldet. Keine Frage, ich verstehe auch Sie und schätze das Engagement der E-LIS-Verantwortlichen sehr. Ich bin E-LIS seit 2004 treu und habe auch KollegInnen dazu beschwatzt hier zu publizieren, trotz der erwähnten Macken (URL-Wechsel, Metadaten-Anzeige, sprödes Design). Und es ist auf keinen Fall der Fehler der E-LIS-Betreiber und -Redakteure, die mit viel Enthusiasmus arbeiten, dass der Server nicht rundläuft. Ich frage mich jedoch, warum eine Community, die andere mit OA missioniert, es selbst nicht schafft OA überzeugender zu betreiben.

      Viele Grüße

      Ulrich Herb

  2. Hello!
    I just wanted to invite you to try out Humanities Commons, a nonprofit open-access network for people working in and around the humanities. At its centre is a repository, CORE (https://hcommons.org/core); while it does mint DOIs, it also displays the publisher’s DOI in the metadata. Uploads can be connected to micro-communities on the network too, so you’re reaching the people that might be most interested in your work. (There’s a library and information science group on there!)

  3. […] Welches Open Access Repository sollte man in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nutzen? – Schön, dass Ulrich Herb seine Überlegungen wo er (zukünftig) veröffentlichen will, auch öffentlich anstellt, zumal man aus den Bibliotheks- und Informationswissenschaften nicht gerade täglich etwa hört (zumindest ich nicht). Lesenswert und gleichermaßen bedenklich wie weit man anscheinend noch von "reibungslos" entfernt ist. […]

  4. „The Web Is Broken“, das kann man doch schon seit zehn oder zwanzig Jahren lesen, oder noch ein bischen länger?!

    DOI hin oder her, vielleicht sollte man mal über Protokollalternativen nachdenken, bzw. vorhandenes mal ausprobieren – ipfs statt http?
    Sonst bleibt es bei dem gleichen Ärger auch die nächsten 26 Jahre, die man sich nun schon mit Workarounds um die Stolperfallen des Web herum abmüht.

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