Bayrischer Rundfunk zu Open Access

Ein kurzer Hinweis auf ein Feature des bayrischen Rundfunks zum Thema Open Access mit dem Titel „Forschungsergebnisse frei zugänglich für jeden?“, online zu hören unter: http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/iq-wissenschaft-und-forschung/open-access-forschung-ergebnis-100.html

 

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Welches Open Access Repository sollte man in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft nutzen?

Bisher war ich fleißiger Nutzer des Repositorys eprints in Library & Information Science E-LIS, alle meine wissenschafltichen Artikel erscheinen Open Access und ein Gutteil davon findet sich auf besagtem Server. Nun allerdings suche ich eine Alternative.

Kürzlich machte ich via E-LIS einen Artikel im Open Access verfügbar und seit einigen Tagen gehen Nachrichten Interessierter bei mir ein, die mich um eine Zusendung der Open-Access-Version per Mail bitten, da der Server nicht erreichbar ist. Dieser Zustand hält nun schon seit mindestens drei Tagen an, ein Versuch der Kontaktaufnahme über Twitter blieb erfolglos.

Die Unerreichbarkeit des Servers ist genauso unerfreulich wie die Änderung der URLs zu E-LIS-Volltexten vor einigen Jahren. Beides widerspricht den Geboten der Referenzierbarkeit und Persistenz elektronischer Publikationen. Die Änderung der URLs machte neben Ärger auch Arbeit, da ich viele Referenzen in meiner Literaturverwaltung und auch der eigenen Publikationsliste ändern musste. Auch Google Scholars Zitationszählung wurde durch diese URL-Änderungen torpediert, denn vorrübergehend wies der Dienst Zitate anderer Artikel meinen Publikationen zu: Offensichtlich waren meine Texte nun unter URLs zu finden, unter denen früher andere Texte abgelegt waren.

Ich schätze und würdige die Arbeit der E-LIS-Macher, suche aber nun Alternativen und bitte LeserInnen um Tipps. Ich sehe die Tendenz, Repositories mit DOI-Vergabe aufzurüsten, zwiespältig. Sinnvoll ist sie sicher bei Dokumenten, die gar nicht formal erscheinen (Graue Literatur) oder die beim formalen Erscheinen keine DOI erhalten. Erhalten Dokumente, die bei der formalen Publikation mit einer DOI versehen wurden, auf dem Repository eine zweite, sehe ich hingegen die Gefahr einer inkonsistenten Zitationszählung und Altmetrics-Ermittlung. Daher wäre tendenziell ein Repository ohne DOI-Vergabe nicht uninteressant.

Einstweilen habe ich den oben genannten Artikel wieder auf diesem Server veröffentlicht.

Übrigens macht der Verlag, in dem der besagte Text erschien, De Gruyter, es nicht so viel besser als E-LIS: Bislang löst die DOI des Artikels nicht auf.


Update 1: Ich teste nun mal das von Klaus Graf erwähnte The Idealis, https://theidealis.org/

Update 2, 19.03.2017: Klaus Graf griff die Diskussion auf und erwähnt diese Kandidaten:

  • Socarxiv: Ist mir fachlich nicht einschlägig genug für den genannten Artikel, für andere aber sicher.
  • HAL-SHS hatte ich nicht bedacht, jedoch ermuntert Herrn Grafs Einschätzung nicht gerade zur Nutzung.
  • Den in den Kommentaren genannten Vorschlag hcommons kritisiert Herr Graf, da es Probleme gibt, die bei der Registierung angegebene Mailadresse zu korrigieren. Ich meldete mich ohne Probleme an und lud meine Datei hoch, schön ist hier, dass die DOI der Verlagsversion und die der Repository-Version getrennt ausgegeben werden.
  • Schließlich ist noch infodata zu nennen, wo sich bereits einige meiner Publikationen finden. Das Repository ist sicher fachlich einschlägig, wirkt aber ausgesprochen spröde: Export bibliographischer Daten, Social-Media-Schnittstellen etc. sucht man vergebens.
  • Der BIB-Server ist ebenfalls einschlägig, sein Content aber nicht primär (informations)wissenschaftlich.

Noch drei weitere Nachträge:

  • Zenodo nutzte ich für den Artikel, dessen Publikation Anstoß der Suche nach einem geeigneten Repository war, aus zwei Gründen nicht: Zum einen weist Zendo die Publisher-DOI nicht so aus, wie es z.B. hcommons tut. Zum anderen erzwingt Zendo die Verfügbarmachung unter Lizenzen, die ich nur nutzen kann, wenn ich bislang allenfalls nicht-exklusive Rechte abgetreten habe. Daher scheint mit der Server für die Bereitstellung von Postprints / Preprints nur bedingt geeignet.
  • Ich warte seit Tagen auf  den Abschluss der Registrierung zu Theidealis.
  • E-LIS ist immer noch nicht erreichbar.

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Pay What You Want im Open Access

Im Sommer 2015 startete der Thieme-Verlag mit dem Surgery Journal eine Open-Access-Zeitschrift, die zwar die Zahlung von Artikelgebühren kennt, bei der aber die Höhe der zu entrichtenden Gebühren von den Autoren bestimmt wird. Gestern erschien in Telepolis ein Artikel von mir, der beleuchtet wie sich dieses Pay What You Want im Falle des Surgery Journal bislang bewährt hat:

Ulrich Herb (2017). Pay What You Want und Open Access. Viel Resonanz und geringe Einnahmen. In: telepolis,  09.03.2017
Online: https://www.heise.de/tp/features/Pay-What-You-Want-und-Open-Access-3645750.html

Hier auch der Hinweis auf einen Artikel, der zum Launch des Journals erschien:

Ulrich Herb (2015). Open Access – Pay what you want. In: telepolis, 30.06.2015
Online: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45278/1.html

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Open Access – Revolution oder Goldesel?

Im Journal Information. Wissenschaft & Praxis (IWP) erschien ein Artikel mit dem Titel „Open Access zwischen Revolution und Goldesel. Eine Bilanz fünfzehn Jahre nach der Erklärung der Budapest Open Access Initiative“. Er ist eine Verschriftlichung verschiedener Vorträge, die ich letztes Jahr zur Ökonomisierung des Open Access hielt, unter anderem in Linz (Österreich) beim Symposium „Open Access, Open Data, Open Science – Von der Bewegung zum Geschäftsmodell“. Die Folien zu diesem Vortrag stehen online bereit (Open Access – Die Revolution bleibt aus), ebenso ein Radiomitschnitt.

Hier nun die Informationen zum IWP-Artikel:

Herb, U. (2017). Open Access zwischen Revolution und Goldesel. Eine Bilanz fünfzehn Jahre nach der Erklärung der Budapest Open Access Initiative. Information. Wissenschaft & Praxis, 68(1), 1–10.  DOI: 10.1515/iwp-2017-0004

Eine Open-Access-Version kann hier heruntergeladen werden sowie in wenigen Tagen nun auch aus dem Open-Access-Repository eprints in Library & Information Science E-LIS. Nach Ablauf des De Gruyter-Embargos von einem Jahr werde ich, gemäß er Open Access Policy des Verlages, von der Möglichkeit Gebrauch machen, den Artikel in der Verlagsversion auf dem Open-Access-Server meiner Universität zu publizeren.

Hier noch die Abstracts zum Artikel…

-de-

Die Erklärungen und Positionierungen zu Open Access anfangs der 2000er Jahre waren von Umbruchstimmung, Euphorie und Idealismus getragen, eine Revolution des wissenschaftlichen Publizierens wurde vielfach vorhergesagt. Die Erwartungen an Open Access lagen auf der Hand und waren umrissen: Wissenschaftlern war an rascher Verbreitung ihrer eigenen Texte gelegen sowie an der Verfügbarkeit der Texte ihrer Kollegen, Bibliothekaren an einer Abhilfe für stark steigende Journalpreise, den Wissenschaftseinrichtungen an effizienter und freier Verbreitung ihrer Inhalte. Einzig die Position der kommerziellen Wissenschaftsverlage zu Open Access war überwiegend zögerlich bis ablehnend.

Der Artikel versucht sich an einer Bilanz zum Open Access – 15 Jahre nach dem Treffen der Budapest Open Access Initiative 2001. 2016 muss festgehalten werden, dass die von den maßgeblichen Open-Access-Advokaten früherer Tage erhoffte Revolution wohl ausbleiben wird. Vielmehr scheint aktuell die Entwicklung des Open Access weitgehend von den vormals in Open-Access-Szenarien kaum erwähnten kommerziellen Verlagen angetrieben. Zwar findet sich auch Open Access in wissenschaftlicher Selbstverwaltung, dennoch bleiben die Akteure im wissenschaftlichen Publizieren bislang die gleichen wie 2001 und die schon damals bekannten Konzentrationseffekte am Publikationsmarkt setzen sich fort.

-en-

The declaration and positions on Open Access in the early 2000s spread a mood of upheaval, euphoria, and idealism, a revolution of scientific publishing was regularly predicted. The expectations for Open Access were obvious and clear: scientists wanted to share their own articles immediately with other scientist (and they also wanted to have easy fulltext access to the texts of their colleagues), librarians needed a remedy  for exploding journal prices, the scientific institutions wanted  funded research to be efficiently and freely disseminated. Only the position of the commercial publishers to Open Access was predominantly hesitant or even disapproving.

This contribution attempts to draw a balance on Open Access – 15 years after the Budapest Open Access Initiative meeting in 2001. 2016 it must be noted that the hopes of Open Access advocates for a revolution will be disappointed. On the contrary, today the development of Open Access seems to be largely driven by the commercial publishers, which were barely mentioned in the early Open Access scenarios. Although there non-commercial Open Access in scientific self-administration exists, today the actors in scientific publishing are still the same as in 2001, and the already known concentration effects on the publishing market continue.

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52,6 Millionen USD-Geldspritze für ResearchGate

Ende Februar ging mir eine Pressemitteilung zu wonach ResearchGate (RG), ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler, eine Finanzierung in Höhe von 52,6 Millionen US-Dollar  durch Wellcome Trust, Goldman Sachs Investment Partners & Four Rivers Group sowie  altbekannte ResearchGate-Investoren wie Bill Gates, Benchmark und Founders Fund erhält. Laut PM hat RG 12 Millionen Nutzer, diese teilen – so der Pressetext – „mehr als eine halbe Million Updates zu ihrer Forschung täglich und 2,5 Millionen wissenschaftliche Publikationen monatlich, darunter auch Informationen, die traditionell nicht geteilt werden wie Code oder negative Ergebnisse.“ Als besonderen Erfolg nennt RG die so genannten Projects, mit Hilfe dieser Funktion hätten seit  März 2016 Wissenschaftler „mehr als eine halbe Million neuer Projekte angelegt, in denen sie über ihre aktuellen Forschungsprojekte berichten.“ Hierzu zählt RG auch Forschungsdaten.

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Democratizing Academic Journals: White Paper zum wissenschaftlichen Publizieren erschienen

Anfang des Monats erschien ein von scholastica erstelltes White Paper zum wissenschaftlichen Publizieren mit dem Titel Democratizing Academic Journals : Technology, Services, and Open Access.

Als Appetitmacher sei an dieser Stelle die Einführung wiedergegeben:

„Open access for the reader doesn’t guarantee cheaper access fees for the academy. It’s time for a 21st century upending of the exorbitantly expensive corporate journal publishing system in order to give academics freedom to choose where to publish their articles and how much it should cost. Today, five corporate publishers control a majority market share of academic journals. Consequently, they control production, distribution, impact measures, and, most importantly, pricing. For years, the academic community has been trying to work with publishers to lower skyrocketing journal costs. However, the centralization of journals into fewer hands has created substantial power differentials between academic institutions and corporate publishers in journal price negotiations. Given the opposing incentives of academic institutions and corporate publishers – academia seeks to make research accessible while publishers seek profit – attempting to cut costs has proven a virtual zero-sum game.

This white paper delves into:
  • The past and present state of journal publishing
  • Current alternatives to the corporate publisher model
  • Steps to realize sustainable, open access-friendly journal models of the future
This paper argues democratization of journal publishing is the key to lowering journal production costs and facilitating OA. Members of the academic community, either at established not-for-profit organizations or through informal groups of editors and advocates, must break up the corporate publisher conglomerate by taking control of journals and developing funding, access, and distribution models that work for their disciplines. This paper explores how widespread adoption of publishing services rather than carte blanche outsourcing of publishing will allow journals to affordably and sustainably publish on their own.“

 

Das sechzehnseitige Papier kann hier heruntergeladen werden.

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Jeffrey Bealls Liste der predatory publishers offline – ein Ausblick

Seit Kurzem ist Jeffrey Bealls Liste der predatory publishers offline. Beall, Bibliothekar an der University of Colorado in Denver, pflegte diese Website, um räuberische (predatory) Journale und Verlage anzuprangern, die gegen Zahlung einer Publikationsgebühr jeden Artikel ohne Qualitätsprüfung publizieren. Seine Initiative war sehr hilfreich, richtete sie doch den Blick auf ein Geschäftsmodell, welches das Vertrauen in das wissenschaftliche Publizieren untergräbt. Es gab auch umfangreiche Kritik an Beall, so warf man ihm Willkür bei der Bewertung von Journalen und die wechselhafte Nutzung schwammiger Bewertungskriterien vor. Insbesondere attackierte er mitunter in trollhafter Art Open Access.

Warum Bealls Liste nicht mehr online ist, bleibt unklar. Mitunter mutmaßt man er habe sie aus Furcht vor Klagen der Unseriosität bezichtigter Verlage vom Netz genommen. Tatsächlich wurde ihm bereits mit juristischen Schritten gedroht. Wie geht es aber weiter? Das Internet Archive hält eine Archiv-Version der Liste vom 15. Januar parat und in Indien wurde eine White List vertrauenswürdiger Journale publiziert. Diese Liste basiert auf der Datenbank Scopus, die leider – wie die meisten Zitationsdatenbanken – ein sprachliche Unwucht zugunsten englischsprachiger Journale aus englischsprachigen Ländern hat, so dass ein derartiges Instrument Journale anderer Sprachen und Herkunft diskriminiert. Benachteiligt sind auch neu gegründete Journale, denn Zeitschriften müssen eine gewisse Zeit existieren bis sie in Datenbanken wie Scopus aufgenommen werden. Allerdings existieren Hinweise wonach Bealls Liste als Service des Publikationsdienstleisters Cabell International neu gelauncht wird – was sicher bedeutet, dass ihre Nutzung kostenpflichtig wird und womit Open Access ein neues Geschäftsmodell produziert hätte. Ratsuchende Wissenschaftler seien einstweilen auf Angebote wie Think – Check – Submit oder Quality Open Access Market verwiesen.

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