Publikationsprozesse und -akteure in unterschiedlichen Disziplinen

Im Folgenden werden einige typische wissenschaftliche Dokument- und Publikationstypen dargestellt.

  • Monographien sind meist umfangreiche Publikationen, in denen ein Problembereich systematisch und abgeschlossen dargestellt wird. Monographien werden oft auch als Lehrbuch oder Handbuch bezeichnet. Die Publikationsmodalitäten verhandeln Autoren direkt mit dem Verlag (s. das entsprechende Kapitel in diesem Manual).
  • Artikel in wissenschaftlichen Journalen sind weniger umfangreiche Beiträge und präsentieren i. d. R. neue Resultate für ein Fachpublikum. Es existieren formale und inhaltliche Kriterien, die über die Aufnahme eines Artikels in ein Journal entscheiden. Zusätzlich wird oft eine Qualitätssicherung der publizierten Artikel vorgenommen, etwa durch eine Editorial Review oder Peer-Review (s. das entsprechende Kapitel in diesem Manual). Der Peer-Review-Prozess kann sich über mehrere Monate oder schlimmstenfalls Jahre ziehen, bei wirtschaftswissenschaftlichen Journalen können Review-Vorgänge bis zu sieben Jahren andauern, in psychologischen Journals kann ebenfalls die Jahresmarke durchbrochen werden. Zur Publikation eines Artikel in einem Journal existieren zahlreiche Wege: Teils werben die Journale Beiträge über sogenannte Calls for Papers ein, z.B. mit entsprechenden Nachrichten in fachlichen Mailinglisten. Zusätzlichen können Autoren Herausgeber ansprechen, etwaige Kontakte zum Editorial Board eines Journals nutzen oder einen Beitrag initiativ einreichen.
  • Artikel in wissenschaftlichen Konferenzbänden entsprechen im Umfang oft den Artikel in Journalen. Die Qualitätskontrolle (Review) kann unterschiedlich ausfallen – je nachdem, ob Artikel vor oder nach der Konferenz fertiggestellt sein muss. Die Artikel basieren auf Vorträgen, für die Wissenschaftler sich bei Konferenzen bewerben müssen – meist werden auch hier Informationen zur Konferenz über Mailinglisten in Form eines Call for Abstracts gestreut. Wird der eingereichte Vorschlag (Abstract) angenommen, muss meist nach (manchmal auch vor) der Konferenz ein ausformulierter Artikel zum Vortrag vorgelegt werden.
  • Sammelbände sind Sammlungen ausgewählter Texte unterschiedlicher Autoren zu einem wissenschaftlichen Themenkomplex. Wie auch bei Monographien verhandeln die Wissenschaftler die Modalitäten beim Publizieren eines solchen Werkes mit dem Verlag.
  • Artikel in Sammelbänden sind bezüglich ihres Umfangs meist ebenfalls vergleichbar mit Artikeln in Fachzeitschriften und stehen in der Regel in thematischem Bezug zu den anderen Aufsätzen des jeweiligen Sammelbandes. Oft werden Autoren für diese Publikationen von den Herausgebern der Sammelbände ausgewählt und angesprochen, allerdings spricht auch nichts dagegen, als Autor aktiv zu werden und den Herausgebern Vorschläge zu machen.
  • Festschriften bezeichnen meist eine Sammlung von Aufsätzen, die einem Wissenschaftler gewidmet ist. Die Modalitäten werden mit dem Verlag besprochen.
  • Beiträge zu Festschriften unterliegen häufig ähnlichen Kriterien wie Beiträge zu einem Sammelband, doch weisen die Themen der Autoren meist eine größere fachliche Vielfalt auf.
  • Graue Literatur bezeichnet wissenschaftliche Dokumente, die nicht im Buchhandel erhältlich sind, wie etwa Dissertationen, Diplomarbeiten, Berichte. Während Dissertationen, Diplom-, Magister- und Masterarbeiten in der Regel im Laufe des Studiums entstehen, haben Berichte eher eine originär wissenschaftliche Ausrichtung und beschreiben die Forschung(sergebnisse) von Projekt- und Arbeitsgruppen. Die Herausgabe der Berichte erfolgt häufig an einem Lehrstuhl.
  • Lexikonartikel werden meist auf Aufforderung des Herausgebers erstellt, ggf. können Wissenschaftler auch aktiv werden und ihre Mitarbeit anbieten.
  • Rezensionen finden den Weg in ein Journal meist über Absprachen und aktives Nachfragen beim Herausgeber. Das Rezensionsexemplar sollte man selbst oder über den Herausgeber des Journals besorgen. Je nach Fach können auch Rezensionen einer Qualitätsprüfung (Review) unterzogen werden.
  • Tagungsberichte werden meist ebenfalls nur nach vorheriger Absprache mit den Journalherausgebern akzeptiert.
  • Interviews werden in der Regel ebenfalls nach Absprache mit den Journalherausgebern akzeptiert.

Diese (und andere) Publikationstypen sind allerdings nicht in allen Wissenschaftsdisziplinen in gleichem Ausmaß verbreitet (vgl. DFG 2005, S. 23-25):

  • In den Naturwissenschaften werden vorrangig Artikel in wissenschaftlichen Journals (möglichst englischsprachig) publiziert.
  • In den Sprachwissenschaften sind v.a. Journal- und Sammelbandwerke verbreitet, Monographien sind ebenfalls ein gängiger Publikationstyp.
  • In den Sozialwissenschaften wird häufig in Sammelbandwerken und Monographien, seltener in Journalen publiziert.
  • In den Geisteswissenschaften wird häufig in Sammelbandwerken und Monographien publiziert.
  • In der Psychologie stehen Journalpublikationen (möglichst englischsprachig) im Vordergrund.
  • In den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gelten ebenfalls Journale als wichtige Publikationsorte.
  • Ingenieurwissenschaftler präferieren Konferenzbeiträge als Publikationstyp.
  • In der Informatik sind Konferenzbeiträge der Publikationstyp schlechthin, gefolgt von Journalpublikationen. Computerlinguisten bevorzugen ebenfalls diese beiden Publikationsoptionen.

Literatur

Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG. (2005). Publikationsstrategien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publikations- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksichtigung von Open Access. Weinheim: Wiley.

Cite this article as: Ulrich Herb, Publikationsprozesse und -akteure in unterschiedlichen Disziplinen, in scinoptica, 5. September 2016, https://www.scinoptica.com/materialien/wissenschaftliches-publizieren/publikationsprozesse-und-akteure-in-unterschiedlichen-disziplinen/.

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