Open-Access-Journale und Geschäftsmodelle

Ein kurzer Hinweis auf eine an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart erstellte Bachelor-Arbeit von Chantal Vanessa Suffner zum Thema „Wissenschaftsverlage und Open Access: Eine vergleichende Darstellung ausgewählter Strategien und Geschäftsmodelle im Zeitschriftenbereich“, ich war bei der Beurteilung der Arbeit Zweitgutachter, fand sie sehr gelungen und kann sie ausdrücklich zur Lektüre empfehlen:

Suffner, C. V. (2016). Wissenschaftsverlage und Open Access: Eine vergleichende Darstellung ausgewählter Strategien und Geschäftsmodelle im Zeitschriftenbereich. Bachelor-Arbeit, Hochschule der Medien, Stuttgart. Online:  https://hdms.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/6178, URN urn:nbn:de:bsz:900-opus4-61784

 

Pay What You Want im Open Access

Im Sommer 2015 startete der Thieme-Verlag mit dem Surgery Journal eine Open-Access-Zeitschrift, die zwar die Zahlung von Artikelgebühren kennt, bei der aber die Höhe der zu entrichtenden Gebühren von den Autoren bestimmt wird. Gestern erschien in Telepolis ein Artikel von mir, der beleuchtet wie sich dieses Pay What You Want im Falle des Surgery Journal bislang bewährt hat:

Ulrich Herb (2017). Pay What You Want und Open Access. Viel Resonanz und geringe Einnahmen. In: telepolis,  09.03.2017
Online: https://www.heise.de/tp/features/Pay-What-You-Want-und-Open-Access-3645750.html

Hier auch der Hinweis auf einen Artikel, der zum Launch des Journals erschien:

Ulrich Herb (2015). Open Access – Pay what you want. In: telepolis, 30.06.2015
Online: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45278/1.html

Journal zahlt Autoren für Zitate ihrer Artikel

Jeffrey Beall, dessen Pauschalisierungen zu Predatory Open Access ich nicht teile und dessen Injurien gegen integre Open-Access-Journale mich oft stören, liefert in seinem Blog Scholarly Open Access immer wieder Hinweise auf Auswüchse im wissenschaftlichen Publikationswesen. Das International Journal of Emerging Technology and Advanced Engineering (IJETAE) ist nun Thema eines Beall-Postings.

Vorab: Das Journal nutzt Article Processing Charges (APCs) als Einnahmequelle, für die Publikation eines zehnseitigen Artikels werden 170 US-Dollar fällig. Die Issues erscheinen in kurzen Intervallen, nämlich im Monatsabstand, und sind prall gefüllt – Issue 9 des Volume 6 umfasst 54 Artikel.

Beall verweist jedoch auf ein anderes Merkmal, welches das IJETAE meiner Kenntnis nach von anderen Journalen abhebt: Es zahlt seinen Autoren Geld für Zitationen auf ihre IJETAE-Artikel. Er zitiert als Beleg aus einer Mail, die das Journal an potentielle Autoren schickte:

All published articles from  September 2016 onwards will be applicable for “Research Paper Royalty Scheme” in which  corresponding author will get a reimbursement of 100 USD/6000 INR if his/her paper is cited by any 20 researchers in any reputed International Journal/Conferences in a year. If you are confident about your Research work then IJETAE will be honoured to appreciate it. Author can also keep track on Citation Count using Google Scholar.

Ich muss anmerken, dass die Google-Suche nach einzelnen Phrasen der Mail mich nicht zu Archiven von Mailinglisten führte, in denen ich den Inhalt der Mail verifizieren konnte. Allerdings finden sich in einem anderen Blog gleichfalls Nachrichten über diese Mails. Da derartige Informationen in der Regel direkt an Wissenschaftler gehen und nicht über Listen versendet werden, scheinen die Schilderungen über die in Aussicht gestellte Belohnung nicht zweifelhaft.

Von der Homepage des International Journal of Emerging Technology and Advanced Engineering
Von der Homepage des International Journal of Emerging Technology and Advanced Engineering

Warum nun die Entlohnung? Zwar schmückt sich das IJETAE mit einem Fake Impact Factor, auch auf der Grafik zu sehen, ein echter Journal Impact Factor (JIF) dürfte dennoch perspektivisch lukrativer sein. Da die Aufnahme eines Journals in das Web of Science (WoS), anhand dessen der Original-JIF berechnet wird, maßgeblich von Zitationszahlen abhängt, könnte man die Strategie verfolgen durch hohe Zitationszahlen den Weg ins WoS zu finden. Die Aufnahme in WoS hängt zwar auch von anderen Kriterien ab, aber die ließen sich mit ein bisschen Kosmetik womöglich auch noch erfüllen. Der Verweis auf Google Scholar legt auch die Vermutung nahe, man wolle durch gesteigerte Zitationszahlen in den Fächer-Rankings Google Scholars steigen.

Egal, ob das Ziel die Aufnahme ins WoS oder die höhere Position im Google Scholar Ranking ist – beides würde das IJETAE für Autoren attraktiver machen, damit zugleich zahlungsfreudiger und bereit höhere Gebühren zu zahlen.

Studie zu Open-Access-Publikationsgebühren in Deutschland erschienen

Najko Jahn und Marco Tullney publizierten kürzlich in PeerJ einen Artikel mit dem Titel  A study of institutional spending on open access publication fees in Germany. Darin werten beide Daten des Projektes Open APC aus, das Daten zu an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen entrichteten Publikationsgebühren im Gold Open Access sammelt. Die Informationen erlauben Vergleiche mit dem UK und Österreich, wo  Wellcome Trust respektive  der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung FWF entsprechende Daten anbieten. Dennoch unterscheiden sich die Daten aus Deutschland in mancher Hinsicht von denen aus dem UK und Österreich: Während die Zahlungen des Wellcome Trust und des FWF direkt von Forschungsförderern stammen und im Rahmen von Projektbewilligungen ausgeschüttet werden, geben die Daten aus Deutschland Auskunft über von Hochschulen und Forschungseinrichtungen beglichene Gebühren. Die Zahlungen deutscher Hochschulen werden teils mit Zuschüssen aus einem Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG versehen – womit doch wieder eine Förderorganisation beteiligt ist. Im Unterschied zu Wellcome Trust und FWF deckelt die DFG jedoch ihre Untersützung und beteiligt sich nur an der Finanzierung von Artikeln, deren Gebühren maximal 2.000 € betragen. Mehr dazu in Telepolis unter dem Titel Open Access: Teuer und neue Monopole.

Hier auch die bibliographischen Angaben zum Paper von Najko Jahn und Marco Tullney:

Jahn N, Tullney M. (2016) A study of institutional spending on open access publication fees in Germany. PeerJ 4:e2323 https://doi.org/10.7717/peerj.2323

 

 

Transparenz bei Open-Access-Publikationsgebühren

Einer Initiative der Universitätsbibliothek Bielefeld folgend stellen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Leibniz Universität Hannover, die Universität Duisburg-Essen, die Universität Konstanz, die Universität Regensburg und die Max Planck Digital Library (MPDL) Informationen über für Open-Access-Artikel entrichtete Publikationsgebühren online. Die Daten finden sich in einem GitHub Repository unter https://github.com/njahn82/unibiAPC, an dieser Stelle und auf Najko Jahns GitHub-Site (http://njahn82.github.io/unibiAPC/) können zudem sehr anschauliche Visualiserungen zur Verteilung und Höhe der Gebühren je Verlag abgerufen werden. Najko Jahn, das sei erwähnt, koordiniert die Aktivitäten zusammen mit Dirk Pieper, beide sind an der Universitätsbibliothek Bielefeld tätig. Erfreulicherweise stehen die Daten Nutzern offen – unter einer Open Data Commons Open Database License (ODbL) – zur Verfügung. Einen Artikel zur Initiative und zur dringend erforderlichen Preis-Transparenz im wissenschaftlichen Publizieren findet sich heute in Telepolis: Die Kosten des wissenschaftlichen Publizierens.

Numbers and shares of Open Access Journals in Sociology charging publication fees

In June 2014 I analysed the data of the Directory of Open Access Journals (DOAJ) to find out to what extent Open Access Journals in Sociology (as listed by the DOAJ) charge their authors with publication fees (or article processing charges APCs). A CSV-file offered for download by the DOAJ did not contain any information on APCs, in fact the whole APC-column was empty, so I gathered the information manually from the DOAJ’s search interface. Unfortunately the DOAJ’s information on sociological journals using APCs was too a large degree wrong.

On the eleventh of June the DOAJ listed 109 sociology journals.  In eleven cases the information on APCs was wrong:

  • nine were labeled as APC-based although they did not use APCs
  • one was labeled as using APCs conditionally, but in fact it charged every article published
  • one was charging its authors although the DOAJ listed it as not using APCs

This means that for this subset of journals the information on publication charges was wrong in more than 10 % of all journals. Focusing on the eleven journals that – according to the DOAJ – use (always or conditionally) APCs the situation is even worse:  10 of these journals (90,9 %) are categorized wrongly.

In fact only three out of these 109 journals (2,75 %) charge their authors: Sociology Mind (ISSN 2160-083X) charges 700 US-$ per article (plus 50 US-$ for each additional page). Studies of Sociology of Science (ISSN 1923-0176) charges 300 US-$ per article and Intersticios (ISSN 1887-3898) charges beween 10 and 20 € per article (depending on the number of pages). None of these APC-based journals has a journal impact factor  assigned (according to the Journal Citation Reports Edition 2012). Instead four of the other journals (not using APCs) have an impact factor assigned.

Compared to other disciplines APCs are a rare phenomenon in Sociology (as mentioned 2,75 % of the journals know publication fees): Solomon & Björk (2012) report a portion of 26 % of Open Access journals charging their authors, whereas Shieber (2009) reports 23,14 %. Shieber seems to have trusted in the data offered by the DOAJ, therefore his numbers might potentially be biased. Solomon & Björk used a randomized sample of journals and checked for each journal within the sample the information on APCs, so their results are very trustworthy. Please not: This comment intends not to malign Shiebers excellent work.

The data is openly available as:

Herb, U. (2014). Numbers and shares of Open Access Journals in Sociology charging publication fees (article processing charges APCs). Zenodo. doi:10.5281/zenodo.10760
References:
Shieber, S. (2009). What percentage of open-access journals charge publication fees? The Occasional Pamphlet. Retrieved June 05, 2012, from http://blogs.law.harvard.edu/pamphlet/2009/05/29/what-percentage-of-open-access-journals-charge-publication-fees/
Solomon, D. J., & Björk, B.-C. (2012). A study of open access journals using article processing charges. Journal of the American Society for Information Science and Technology, 63(8), 1485–1495. doi:10.1002/asi.22673http://www.openaccesspublishing.org/apc2/
Cite this article as: Ulrich Herb, Numbers and shares of Open Access Journals in Sociology charging publication fees, in scinoptica, 8. Juli 2014, https://www.scinoptica.com/2014/07/numbers-and-shares-of-open-access-journals-in-sociology-charging-publication-fees/.