Creative-Commons-Lizenzen: Ungleich verteilt über Fächer, Verlagsgrößen und Geschäftsmodelle

In der juristischen Open-Access-Zeitschrift JurPC erschien heute ein Artikel, in dem ich der Frage nachgehe, inwiefern die Verbreitung von Creative-Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen), besonders deren liberalster Spielarten CC-By und CC-By-SA, über Fächer, Verlagsgrößen und Geschäftsmodelle (mit/ ohne Publikationsgebühren) variiert. Das Fazit: Open-Access-Journale aus Naturwissenschaft, Technik & Medizin verwenden deutlich eher CC-Lizenzen (und besonders die liberalen CC-Lizenzen)  als Journale aus den Sozialwissenschaften und den Geisteswissenschaften.Weiterhin nutzen gebührenfinanzierte Open-Access-Journale eher als andere Zeitschriften CC-Lizenzen, dies gilt ebenfalls speziell für die liberalen Lizenzvarianten. Und auch Journale großer Open-Access-Journalverlage präferieren eher als die Zeitschriften kleiner Verlage sowohl CC-Lizenzen im Allgemeinen als auch die liberalen Lizenztypen im Besonderen.

Die Ergebnisse und ihre Diskussion können nachgelesen werden in:

Ulrich Herb: Creative-Commons-Lizenzen und Open-Access-Zeitschriften. In: JurPC, JurPC Web-Dok. 5/2015, Abs. 1 – 38
Online: http://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20150005 bzw. DOI:10.7328/jurpcb20153011

Editors of sociological Open Access journals seem hesitant to adopt Open Knowledge principles

And again a by-product of my dissertation thesis: I compared the numbers and shares of journals from all disciplines using Creative Commons (CC) licenses with the numbers and shares of Open Access journals from Sociology using CC licenses. The date of data collection was June 8, 2014, the data source was the Directory of Open Access Journals DOAJ, it listed 9.834 journals at the date mentioned. The results indicate that editors of sociological Open Access journals are more hesitant than editors of non-sociological Open Access journals to adopt Open Knowledge principles.

 

All Journals

License Number Percentage
no CC license 6.019 61,21%
by 2.023 20,57%
by-nc 682 6,94%
by-nc-nd 751 7,64%
by-nc-sa 261 2,65%
by-nd 44 0,45%
by-sa 51 0,52%
by-nc-sa 3 0,03%

 

The total number of journals using a CC license was 3.815 (38,79% of all journals). 2.074 journals (21,09% of all journals, 54,36% of the journals using any of the CC licences) used a CC-by or CC-by-SA license and thus were compatible with the Open Definition OD. The OD tries to transfer the principles of open source software on any sort of knowledge, it defines Open Knowledge.

At the date of data collection the DOAJ listed 109 sociological Open Access journals. These used at a rate of 32,11% (35 journals) CC licenses, a value that is more or less comparable to the value among all DOAJ-journals. But only 8 journals (7,34%) from this subset used a license that is compatible with the OD – a rate that is much lower than the OD compliance rate of all journals. Sociological journals however seem to prefer CC licenses with non commercial (nc) clauses that prohibit commercial exploitation more (20,19%) than all journals (10,29%). Thus it seems that editors of sociological Open Access journals hesitate much more than their colleagues from other disciplines to adopt Open Knowledge licenses.

Sociology Journals

License Number Percentage
no CC license 74 67,89%
by 8 7,34%
by-nc 13 11,93%
by-nc-nd 9 8,26%
by-nc-sa 4 3,67%
by-nd 1 0,92%
by-sa 0 0%
by-nc-sa 0 0%

 

Data, tables, R-code and information on data collection are available via Zenodo. Please cite this data and information as:

Herb, U. (2014). Numbers and shares of Open Access Journals from all disciplines and from the discipline Sociology using Creative Commons Licenses as listed by the Directory of Open Access Journals (2014-06-08). Zenodo. doi:10.5281/zenodo.10577

 

Cite this article as: Ulrich Herb, Editors of sociological Open Access journals seem hesitant to adopt Open Knowledge principles, in scinoptica, 23. Juni 2014, https://www.scinoptica.com/2014/06/editors-of-sociological-open-access-journals-seem-hesitant-to-adopt-open-knowledge-principles/.

Creative Commons Lizenzen und Open Access Journals

Wissenschaftler tun sich oft noch schwer damit, ihren Lesern (oder Nutzern) Rechte einzuräumen, die über das reine Rezipieren (oder Konsumieren) ihrer Texte hinaus gehen – sogar wenn sie diese Open Access publizieren. Während in anderen Kontexten, z.B. bei der Open Source Software, klar definiert ist, dass offen keine Paraphrase von entgeltfrei nutzbar ist, sondern weitergehende Feiheiten – wie die kommerzielle Verwertbarkeit oder die Möglichkeit, abgeleitete Werke zu erstellen – umfasst, kapriziert sich die Vorstellung von der Offenheit im Open Access rgelmäßig noch auf die rein kostenlose Nutzung von Werken. Eine kleine Erhebung im Directory of Open Access Journals DOAJ, dem zentralen Verzeichnis für Open Access Zeitschriften, gibt einen Einblick in die Akzeptanz von wirklich offenen Lizenzen, die den Ansprüchen der Open Definition genügen. Diese versucht die Prinzipien der Open Source Software auf Wissensinhalte jeder Art zu übertragen.

Von den 9.804 am gestrigen Tag im DOAJ gelisteten Zeitschriften nutzten insgesamt 3.772 (knapp 38%) eine Creative Commons (CC) Lizenz. Auch wenn nur zwei der sechs Creative Commons Lizenzen (CC-BY und CC-BY-SA) den Vorgaben der Open Definition genügen, bringen alle Spielarten gegenüber einer Verfügbarmachung der Texte ohne Lizenz schon Vorteile: So verdeutlichen sie dem Nutzer anschaulich, welche Nutzungsrechte ihm eingeräumt und welche ihm vorenthalten wurden. Überdies hat er in jedem Fall das Recht, den Inhalt weiter zu verteilen, diese Befugnis Recht hätte er bei fehlender Lizenzierung unter CC nicht. Die Nutzung der unterschiedlichen Lizenztypen bei den Journals des DOAJ verteilte sich wie folgt:

Zahl der Journals, die CC-BY nutzen: 1.964
prozentualer Anteil an allen Journals des DOAJ: 20,03%
prozentualer Anteil an Journals des DOAJ, die irgendeine CC-Lizenz nutzen: 52,77%

Zahl der Journals, die CC-BY-SA nutzen: 52
prozentualer Anteil an allen Journals des DOAJ: 0,53%
prozentualer Anteil an Journals des DOAJ, die irgendeine CC-Lizenz nutzen: 1,40%

Zahl der Journals, die CC-BY-NC-ND nutzen: 737
prozentualer Anteil an allen Journals des DOAJ: 7,52%
prozentualer Anteil an Journals des DOAJ, die irgendeine CC-Lizenz nutzen: 19,80%

Zahl der Journals, die CC-BY-NC nutzen: 665
prozentualer Anteil an allen Journals des DOAJ: 6,78%
prozentualer Anteil an Journals des DOAJ, die irgendeine CC-Lizenz nutzen: 17,87%

Zahl der Journals, die CC-BY-NC-SA nutzen: 260
prozentualer Anteil an allen Journals des DOAJ: 2,65%
prozentualer Anteil an Journals des DOAJ, die irgendeine CC-Lizenz nutzen:6,99%

Zahl der Journals, die CC-BY-ND nutzen: 44
prozentualer Anteil an allen Journals des DOAJ: 0,45%
prozentualer Anteil an Journals des DOAJ, die irgendeine CC-Lizenz nutzen: 1,18%
Insgesamt 2.016 (oder 20,56%) der im DOAJ geführten Journals nutzen demnach eine Lizenz (CC-BY oder CC-BY-SA), die mit den Vorgaben der Open Definition kompatibel ist und eine restriktionsfreie Nutzung erlaubt – so werden Nachnutzungen jeder Art erlaubt. Betrachtet man den Subset der Journals, die irgendeine CC-Lizenz nutzen, domieren die den Ansprüchen der Open Definition genügenden Lizenzen sogar knapp: Über 54% aller Journals, die eine CC-Lizenz nutzen, verwenden entweder CC-BY (52,77%) oder CC-BY-SA (1,40%). Überraschend niedrig fällt der Anteil der Journals aus, die die restriktivste CC-Lizenz CC-BY-NC-ND nutzen: Nur 737 Journals (7,52% aller Journals bzw. 19,80% unter den CC-lizenzierten Zeitschriften) verwenden diese Variante, die weder Bearbeitungen oder die Erstellung abgeleiteter Werke (wie Übersetzungen) noch eine kommerzielle Nutzung erlaubt. Überraschenderweise erlauben mehr als die Hälfte (2.060, 55,35%) der unter einer CC-Lizenz stehenden Journals eine kommerzielle Verwertung der Inhalte zu, nur 44,65% (1662) untersagen diese. Die Daten sind verfügbar unter: Herb, Ulrich (2014). Total numbers and shares of Open Access Journals using Creative Commons Licenses as listed by the Directory of Open Access Journals. ZENODO. 10.5281/zenodo.8327

Update 13.02.2014:

Nachdem Christian Heise dieses Posting in hybridpublishing.org aufgriff, stellte Rupert Gatti von openbookpublishers.com dort in einem Kommentar die Frage, ob das DOAJ auch Informationen zu anderen Lizenzierungsoptionen neben den CC-Lizenzen anbiete. Ich habe Rupert Gatti in hybridpublishing.org geantwortet und wiederhole meine Antwort auch hier: Das DOAJ bietet nur Informationen zu vergebenen CC-Lizenzen an. Man könnte zwar die Lizenzbedingungen der Journals, die keine CC verwenden, händisch prüfen – allerdings ist dieses Vorgehen sehr aufwändig. Ein ausbalancierter Ansatz würde darin bestehen, ein Zufallsauswahl (oder einen Mikrozensus) der Journals zu bilden, die keine CC-Lizenz vergeben und ihre Lizenzierung zu prüfen.