unglue.it befreit Bücher mittels Crowdfunding

Die Crowdfunding-Plattform unglue.it schafft die Möglichkeit, bereits publizierte Bücher für die DRM-freie Onlineverwendung freizukaufen. Dies setzt das Einverständnis der Rechteinhaber voraus, mit denen Kompensationszahlungen ausgehandelt werden müssen; die Verhandlungen übernimmt anscheinend das unglue.it-Team. Ist die Höhe der Zahlungen festgelegt, startet das Crowdfunding-Projekt, in dem jedermann/-frau eine frei bestimmbare Zahlung zur Unterstützung des Projekts (sprich: des Freikaufens eines Buches) festlegen kann. Erst wenn der mit dem Rechteinhaber vereinbarte Betrag zuzüglich entstehender Zusatzkosten erreicht wird (und auf keinen Fall vorher), werden die von den Usern zugesagten Zahlungen zur Unterstützung des Projekts eingezogen und die Bücher zur DRM-freien Online-Nutzung im ePub-Format konvertiert und freigegeben. Alle Bücher werden unter einer Creative Commons Lizenz bereitgestellt, standardmäßig unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives (CC BY-NC-ND) Lizenz, das letzte Wort über die Wahl der Lizenz hat der Rechteinhaber. Um die Plattform nutzen zu können, ist es nicht nötig, bereits eine digitale Version des Werkes zu besitzen. Alle anfallenden Kosten (ggf. Scan, Konvertierung, etc.) sollten in den veranschlagten Projektkosten berücksichtigt sein, bei der Auswahl eines technischen Partners unterstützt unglue.it.

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Open Funding in Science & From Funding Agencies to Scientific Agency

Einige Zeit, nachdem Jörg Eisfeld-Reschke, Karsten Wenzlaff (beide IKOSOM, Institut für Kommunikation in sozialen Medien) und ich einen Artikel mit dem Titel Research Funding in Open Science  für das Sammelwerk Opening Science, herausgegeben von Dr. Sönke Bartling vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Dr. Sascha Friesike, Forscher am Alexander von Humboldt Institut in Berlin, fertiggestellt hatten, veröffentlichten Johan Bollen, David Crandall, Damion Junk, Ying Ding & Katy Borne auf arXiv einen Preprint, der sich ebenfalls alternativer Modelle der Forschungsförderung widmete.

Der Preprint von Bollen et al. ist nun formal erschienen und trägt den Titel From funding agencies to scientific agency. Unser eigener Artikel ist zumindest online erschienen und die Veröffentlichung der Print-Version steht wohl kurz bevor. Beide Texte befassen sich mit alternativen Formen der Forschungsförderung, einem Thema, das zu meiner Überraschung bei allen Diskussionen um die Öffnung und Modernisierung der Wissenschaft, ihrer Bewertung und ihrer internen sowie externen Kommunikation bislang kaum erörtert wird: Science 2.0, Open Science, Open Review, Open Access sind allesamt etablierte Begriffe, wohingegen Funding 2.0 oder Open Funding nicht als Konzepte auftauchen. Ein naheliegender Grund mag sein, dass man als Teilnehmender am Wissenschaftsbetrieb von Förderung abhängig ist und folglich mit Kritik an oder Modernisierungsvorschlägen für die Forschungsförderung oder deren Organisationen lieber zurückhaltend sein will. Dabei zielen die in den erwähnten Artikeln skizzierten Optionen auf Ergänzungen der klassischen Förderung. Was aber sind die Überlegungen in den Artikel von Bollen et al. sowie Eisfeld-Reschke et al.?

Zunächst nehmen beide Publikationen die Mängel der Begutachtung von Forschungsanträgen mittels  Peer Review als Anlass Alternativen zu beschreiben. Besonders die Verengung der Förderentscheidung auf wenige Akteure, die Reviewer, wird kritisiert, da deren individuellen Vorlieben und Abneigungen starken Einfluss bei der Bewertung eines Antrags nehmen können. Bollen et al. fokussieren sehr stark auf die Selbstverwaltung der Wissenschaft und schlagen vor, das Prinzip der bürokratischen Delegation der Mittelverteilung (wie es sich bei klassischen Förderorganisation findet) durch selbstorganisierte Ressourcenallokation zu ersetzen. Sie beschreiben ihren Vorschlag als „a highly decentralized funding model in which the wisdom of the entire scientific community is leveraged to determine a fair distribution of funding“ und schlagen im Wesentlichen vor, dass Förderorganisationen allen befugten Wissenschaftlern einen Sockelbetrag an bedingslosem Forschungsetat zuweisen – zuzüglich eines Betrags, den die Wissenschaftler an Kollegen weiterzugeben verpflichtet sind. Auf diese Weise sollen sie andere Forscher, deren Arbeit sie weiterverfolgt wissen wollen, direkt unterstützen.

Eisfeld-Reschke et al. rücken dagegen stärker die Elemente der Open Science und Citizen Science in den Mittelpunkt. Erörtert werden unter anderem die Anwendbarkeit von Crowdfunding, Social Payments und virtuellen Währungen auf die Förderung von Wissenschaft sowie mögliche Kritikpunkte an der Umsetzung solcher Konzepte. Der Text reflektiert durchgehend die Anwendung der Verfahren in einem Community Ansatz und einem Citizen Science Ansatz. Daher ergibt sich etwa bei den Social Payments eine Überschneidung zwischen Bollen et al. und Eisfeld-Reschke et al., letztere führen wie folgt aus: „Social payments could also be integrated into direct funding: For instance, through scientists receiving a certain amount of public money or money from funding institutions which cannot be used for their own projects but must be donated to other projects in their discipline. Funds as yet unassigned would remain in a payment pool until the end of the year and then be divided up equally among all projects.“

Trotz Berührungspunkten wie diesen liefern beide Artikel, wie ich als zugegebenermaßen befangener Autor finde, einigen Diskussionsstoff zur Gestaltung der Förderungsförderung, die bislang abseits der wissenschaftlichen Modernisierungsdiskurse steht.

 

Referenzen:

Bartling, Sönke, & Friesike, Sascha (Hrsg.) (2014). Opening Science. Springer Publishing. DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8

Bollen, Johan; Crandall, David; Junk, Damion; Ding, Ying & Börner, Katy (2014). From funding agencies to scientific agency. EMBO reports. DOI: 10.1002/embr.201338068 Preprint: http://arxiv.org/pdf/1304.1067v1.pdf

Eisfeld-Reschke, Jörg; Herb, Ulrich & Wenzlaff, Karsten (2014). Research Funding in Open Science In S. Bartling & S. Friesike (Hrsg.), Opening Science, 237-253 DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8_16

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Sciencestarter geht online

Heute um 13 Uhr ging mit dem Sciencestarter der erste deutsche Crowdunding-Service für wissenschaftliche Projekte online. Betreiber der Plattform ist der Stifterverband. Mehr zum Sciencestarter in Heise Online unter „Sciencestarter: Crowdfunding für wissenschaftliche Projekte„.

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Crowdfunding Plattformen für wissenschaftliche Projekte – eine Liste

Wie schon einmal erwähnt, verfassen Karsten Wenzlaff und Jörg Eisfeld-Reschke (beide IKOSOM, Institut für Kommunikation in sozialen Medien) und ich einen Artikel zum Thema Research Funding & Science 2.0 für ein von Soenke Bartling und Sascha Friesike herausgegebenes Buch (Titel Science 2.0). Auch wenn im Artikel Elemente einer Science 2.0 tauglichen Wissenschaftsförderung eher im Mittelpunkt stehen als konkrete Service-Angebote, habe ich eine (sicher unvollständige) Liste an Crowdfunding Plattformen für wissenschaftliche Projekte erstellt. Diese will ich hier gern mit Interessierten teilen und hoffe auch auf Ergänzungen durch Lesende. Allerdings wird der erwähnte Artikel nicht nur Crowdfunding, sondern auch virtuelle Währungen  und Social Payments als alternative Modelle der Forschungsfinanzierung thematisieren.

… Ergänzungen sind, wie erwähnt, erwünscht. Hier auch der Link zur Präsentation Crowdfunding, Wissenschaft & Open Science sowe zum eingangs erwähnten Artikel über Crowdfunding in der Wissenschaft:

Eisfeld-Reschke, Jörg; Herb, Ulrich & Wenzlaff, Karsten (2014). Research Funding in Open Science In S. Bartling & S. Friesike (Hrsg.), Opening Science, 237-253 DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8_16

 

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Crowdfunding, Wissenschaft & Open Science

Auf Einladung von Karsten Wenzlaff von ikosom (Institut für Kommunikation in sozialen Medien) trug Ulrich Herb, Social Media Weekich heute im Rahmen der Social Media Week eine Präsentation zum Thema „Crowdfunding, Wissenschaft & Open Science“ vor. Ich bedanke mich bei den Kollegen von den Open Access Tagen in Wien für die Zurverfügungstellung eines geeigneten Raums und eile jetzt zu den Vorträgen. Die Folien zum Vortrag „Crowdfunding, Wissenschaft & Open Science“ können hier via Slideshare heruntergeladen werden. Zum Thema „Crowdfunding in der Wissenschaft“ arbeiten Karsten Wenzlaff, Jörg Eisfeld-Reschke und ich gerade an einem Artikel, weitere Informationen finden sich hier: „Open Science & Research Funding„. Hier auch ein Artikel, den Karsten Wenzlaff, Jörg Eisfeld-Reschke und ich zu Crowdfunding in der Wissenschaft verfasst haben:

Eisfeld-Reschke, Jörg; Herb, Ulrich & Wenzlaff, Karsten (2014). Research Funding in Open Science In S. Bartling & S. Friesike (Hrsg.), Opening Science, 237-253 DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8_16

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Open Science & Research Funding

Zusammen mit Karsten Wenzlaff und Jörg Eisfeld-Reschke (beide IKOSOM, Institut für Kommunikation in sozialen Medien) arbeite ich an einem Artikel zum Thema Open Science & Research Funding. Der Artikel wird im Sammelband Science 2.0, herausgegebenen von Dr. Sönke Bartling vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Dr. Sascha Friesike, Forscher am Alexander von Humboldt Institut in Berlin, erscheinen. Der Beitrag zu Open Science & Research Funding soll zum einen die Auswirkungen des Research Fundings auf die Öffnung der Wissenschaft reflektieren, wenn z.B. Forschungsförderer wie die National Institutes of Health (NIH) von Mittelempfängern verlangen, dass Forschungsdaten aus NIH-geförderten Projekten zur Nachnutzung bereitgestellt werden müssen. Fast interessanter dürfte der zweite Aspekt sein: Wie kann sich die Forschungsförderung durch Offenheit, Open Science und Transparenz verändern. In diesem Kontext sollen Fragen diskutiert werden wie:

  • Kann Crowdfunding ein Mechanismus sein, um Forschung finanziell zu fördern? Diese Frage verweist für mich auch auf die Verbindung von Citizen Science (wie beim Projekt Galaxy Zoo, in dem Laien bei der Klassifikation der Form von Galaxien unterstützten) und Research Funding, besonders wenn es sich um sozialwissenschaftliche Forschung handelt.
  • Welche Rolle könnten virtuelle Währungen wie BitCoin im Förderprozess spielen? Könnten Wissenschaftler (nicht Forschungsförderer) ihren Kollegen Anerkennung für gelungene Forschung in Form von BitCoins als wissenschaftlichen Kredit zugestehen, der bei zukünftigen Förderentscheidungen berücksichtigt werden muss? Nebenbei: Ein solcher Mechanismus würde, um mit Pierre Bourdieu zu sprechen, den Stellenwert des reinen wissenschaftlichen Kapitals gegenüber dem bürokratischen wissenschaftlichen Kapital stärken.
  • Können Social Payments einen Beitrag zur Forschungsförderung leisten? Denkbar wäre etwa ein Modell, in dem Wissenschaftler monatlich einen fixen Betrag an Payments an erfolgreiche Projekte geben können, eine Verwendung der Social Payment Mittel für eigene Zwecke wäre hingegen nicht möglich. Mittel, die nicht verbucht werden, werden unter allen Projekten aufgeteilt, ganz analog flattr. Sicher müsste man hier Absprachen und Cliquenwirtschaft unterbinden, überlegenswert wäre ein solches Prozedere dennoch.
  • Könnte man die Reichweite, die Projekte via Medien- und Social Media Echo erlangen, in die zukünftigen Förderentscheidungen miteinbeziehen? In den USA zumindest sind Förderentscheidung teils, so bei der National Science Foundation (NSF), an die Verpflichtung gebunden, Social Media intensiv zur Öffentlichkeitsarbeit für Projekte zu nutzen.
  • Können Crowdfunding, Social Payments oder virtuelle Währungen eine neue Förderperspektive schaffen, indem man gezielt einzelne Wissenschaftler fördert und nicht ein abstraktes Projekt mit fluktuierendem Personal?
  • Können die erwähnten Modelle auch eine andere zeitliche Perspektive schaffen, indem sie keine Vorabfinanzierung eines Projekts leisten, sondern problembezogen und zeitlich variabel während der Projektlaufzeit greifen oder ausgelaufene Projekte verlängern, wenn die Community entsprechenden Bedarf erkennt? Können sie so auch eine stärkere Anbindung der Förderung an die Einschätzung der Fachwissenschaftler bewirken?
  • Können solche Verfahren die Finanzierung von kleinen Projekten leisten, die unterhalb der Förderschwelle klassischer Fördereinrichtungen liegen? Dazu könnte man spezielle Projektbörsen einrichten, teils existieren diese sogar schon in sozialen Online-Communities für Wissenschaftler.
  • Können die genannten Vorgehensweisen den sozialen Verzerrungen bei der Vergabe von Projektbewilligungen entgegenwirken? Unter anderem dem auch im Kontext der Forschungsförderung anzutreffenden Matthäus-Effekt („Wer hat, dem wird gegeben“), der dazu führt, dass bereits mit zahlreichen Bewilligungen gesegnete Einrichtungen mit höherer Wahrscheinlichkeit weitere Projektbewilligungen erfahren, als Institutionen, die bislang keine oder wenige Projekte akquirierten.
  • Können Crowdfunding und andere Mechanismen zu mehr Bürgerbeteiligung bei der mit Steuergeldern finanzierten Forschungsförderung führen?

Wir, die Autoren, freuen uns über Beiträge, Anregungen, Kritik jeder Art zu unseren Überlegungen, sei es im IKOSOM Blog, wo Karsten Wenzlaff und Jörg Eisfeld-Reschke bereits vor einigen Tagen die Diskussion eröffneten (http://www.ikosom.de/2012/06/23/buch-openscience-finanzierung-von-wissenschaft/) oder in diesem Blog.

Die Autoren nehmen eine offene Perspektive zum Thema ein und schätzen daher jeden Beitrag sehr: Es gibt kein „Nein“ oder „Aber“, also: Sie sind zum Diskutieren und Ergänzen eingeladen!

Update: Hier die Angaben zum Artikel, den Jörg Eisfeld-Reschke, Karsten Wenzlaff und ich zum Thema Crowdfunding und Social Payments in der Wissenschaft verfasst haben:

Eisfeld-Reschke, Jörg; Herb, Ulrich & Wenzlaff, Karsten (2014). Research Funding in Open Science In S. Bartling & S. Friesike (Hrsg.), Opening Science, 237-253 DOI: 10.1007/978-3-319-00026-8_16

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