Wissenschaftler lassen sich von computer-generierten Reviews täuschen

Von Computern fabrizierte Texte sind in der Wissenschaft keine Neuheit, schon öfters geschah es, dass solcher Paper als Artikeleinreichung in wissenschaftlichen Journalen unbeanstandet die Peer Review passierten. Nun konfrontierten Forscher der Universität Triest Wissenschaftler mit computer-generierten Reviews – diese hielten die Fake Reviews erstaunlich oft für echt und ließen sich in ihrer eigenen Beurteilung von Artikeln durch sie beeinflussen. Mehr dazu in Telepolis.

Fake Review bei Springer

Bereits 2012 berichtete Josh Fishmann im Chronicle of Higher Education, dass Wissenschaftsverlage es Autoren recht einfach machen, Reviews zu eigenen Einreichungen zu erstellen und so die Qualitätssicherung zu unterlaufen. Springer musste nun 64 Artikel zurückziehen, da es Wissenschaftlern gelungen war zu diesen Texten derartige Fake Reviews zu produzieren. Mehr dazu in Telepolis: Fake Peer Review – Springer Nature zieht 64 wissenschaftliche Artikel wegen fingierter Gutachten zurück.

Fingierte Journal-Homepages, Konferenzen und Metriken

Declan Butler berichtete bereits im März dieses Jahres in Nature von irreführenden und betrügerischen Journal-Homepages, die zwei seriöse Wissenschaftsjournale imitierten. Opfer des Schwindels wurden die Zeitschriften Archives des Sciences sowie Wulfenia. Beide Journals verfügten über keine Websites – zumindest bis in betrügerischer Absicht Homepages online gingen und vorgaben offizielle Internetpräsenzen der Zeitschriften zu sein. Zugleich wurde auf diesen Websites eine Möglichkeit zur Artikeleinreichung und zur Zahlung von Publikationsgebühren gegeben. Autoren, die diese Gebühren entrichteten, warteten jedoch vergeblich auf eine Veröffentlichung ihrer Artikel in den Journals, denn es gab keine Verbindung zwischer den Websites und den Zeitschriften.

In der Informatik, in der Kommunikation in Konferenzen und via Konferenzbänden vorherrscht, haben sich findige Geschäftemacher dieser Disziplinspezifika angepasst und legen keine fingierten Journals oder fingierte Websites zu existierenden Journals auf, sondern veranstalten gefakte Konferenzen. Listen verdächtiger Veranstaltungen finden sich unter http://fakeconference.blogspot.de/ oder http://academic-spam.blogspot.de/. Auch Prof. Debora Weber-Wulff berichtet in ihrem Blog an verschiedenen Stellen (z.B. sehr interessant hier http://copy-shake-paste.blogspot.de/2008/12/fake-conferences.html – bitte auch die Kommentare lesen) von diesem unerfreulichen Phänom. In besonderem Maß betroffen sind Konferenzen des vormals angesehenen Verbandes IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers). Anders als im Fall der eingangs erwähnten Journals erfolgt bei den täuscherischen Konferenzen kein Idenditätsdiebstahl, sondern die Veranstalter rufen schlicht neue Konferenzen ins Leben oder kapern existierende Konferenzreihen, um dann gegen Zahlung einer Registrierungsgebühr jedwede Einreichung zu akzeptieren. Das Halten des Vortrags wird oft ausdrücklich als nicht notwendig dargestellt, vermutlich wird ein Teil der Konferenzen gar nicht durchgeführt.

Sky News formulierte im Zusammenhang mit dem Verkauf eines mächtigen Wissenschaftsverlags einmal sehr zutreffend: „The market for scientific, technical and medical publishing has historically been lucrative„. Das ist wohl wahr und daher will die Scharade auf die Spitze und die Wertschätzungskette fortgesetzt werden – und was steht noch aus? Nach dem Verkauf von Publikationsmöglichkeiten und Konferenzteilnahmen bleibt z.B. die Impact Messung und so schickte das Global Institute for Scientific Information (GISI) vor einiger Zeit den Journal Impact Factor (JIF) ins Rennen, man kann die Ausführungen dazu unter http://www.jifactor.com/index.asp einsehen. Der JIF des GISI hat selbstredend nichts mit dem JIF des Datenbankanbieters Thomson Scientific zu tun, soll aber diesem ähnlich erscheinen und diesen ganz offensichtlich imitieren. So heißt es zur Berechnung des GISI JIF:

„Journal Impact Factor (JIF) is a measure reflecting the average number of citations to articles published in journals, books, patent document, thesis, project reports, news papers, conference/ seminar proceedings, documents published in internet, notes and any other approved documents. It is measure the relative importance of a journal within its field, with journals of higher journal impact factors deemed to be more important than those with lower ones. Journal Impact factors are calculated in yearly/half- yearly/ Quarterly/Monthly for those journals that are indexed in Journal Reference Reports (JRR).“

Zwar finden sich Abweichungen zwischen dem GISI JIF und Thomson Scientifics JIF, wie etwa den Scope der indizierten Dokumente und die Gewichtung der Quellen je nach Zitationshäufigkeit, andererseits erfolgt aber sogar eine Annäherung der Namensgebung zwischen den zur Berechnung der JIF-Werte dienenden Datenbanken (Journal Reference Reports JRR bei GISI und Journal Citation Reports JCR bei Thomson Scientific). Herausgeber und Verlage, die ihre Journals in den JRR indizieren lassen wollen, können dies hier tun und müssen – dies dürfte keine Überraschung sein – dafür zahlen, denn so das GISI: „We are charging nominal fee for processing your journal to get Journal Impact Factor“. Jeffrey Beall, der auch die Liste der Predatory Open Access Publishers pflegt, hat für Anbieter wie das GISI eine eigene Liste der Bogus Impact Factor Companies eingerichtet, die weitere, dem JIF des GISI ähnliche Angebote aufführt: Den Global Impact Factor  des Institute for Information Resources, den Universal Impact Factor (der Name verheißt Großes, zumindest Größeres als der Global Impact Factor oder der schlicht daherkommende Journal Impact Factor) und den IndexCopernicus.