Altmetrics zwischen Revolution und Dienstleistung : Eine methodische und konzeptionelle Kritik

Nachdem ich kürzlich an dieser Stelle von einer Veröffentlichung zu Open Metrics im Young Information Scientist (YIS) berichtete, hier nun ein weiterer Hinweis zu einer Publikation, die auf Teilen meiner Dissertation beruht.

Im Kongressband des Soziologie-Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS) im Jahr 2015 erschien mein Beitrag Altmetrics zwischen Revolution und Dienstleistung : Eine methodische und konzeptionelle Kritik. Der Artikel ist Open Access verfügbar. Thematisch ist der Beitrag dem YIS-Text mit dem Titel Impactmessung, Transparenz & Open Science: Open Metrics verwandt, konzentiert sich aber stärker auf die Altmetrics und die Frage, ob diese Momente der Freiheit in die Wissenschaft tragen und ob sie als Verfahren der Kontrolle, Evaluierung und Ökonomisierung der Wissenschaft taugen.

Hier die bibliographischen Daten zum Artikel, gefolgt vom Abstract und Schlagworten:

Ulrich Herb (2016). Altmetrics zwischen Revolution und Dienstleistung : Eine methodische und konzeptionelle Kritik. In H. Staubmann (Hrsg.), Soziologie in Österreich – Internationale Verflechtungen. Kongresspublikation der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (S. 387–410). Österreichische Gesellschaft für Soziologie ÖGS. DOI:10.15203/3122-56-7 oder http://webapp.uibk.ac.at/ojs2/index.php/oegs-publikation/article/view/35/713

 

Herb, Ulrich. Altmetrics zwischen Revolution und Dienstleistung : Eine methodische und konzeptionelle Kritik

Abstract

Alternative Impact Metriken (Altmetrics) gelten oft als demokratisierende oder gar revolutionäre Verfahren zur Messung wissenschaftlicher Resonanz. Dieser Nimbus wird ihnen vor allem zuteil, da sie regelmäßig als den bekannten zitationsbasierten Verfahren der Impact-Messung (Journal Impact Factor, Hirsch-Index/ h-Index) überlegen angesehen werden. Dies wiederum vor allem, weil sie die Resonanz-Messung von wissenschaftlichen Texttypen erlauben, die von den Zitationsmetriken nicht erfasst werden (z.B. Bücher oder Sammelbände) oder sogar von Objekttypen (z.B. wissenschaftliche Daten und Software), die bisher per se von der Impact-Messung ausgeschlossen waren. Dieser Beitrag prüft, inwiefern Altmetrics aktuell dem Anspruch, eine demokratisierende Revolution, die immer auch eine rabiate Veränderung von Strukturen und Regeln bedeutet, auszulösen, gerecht werden kann oder ob sie nicht doch einfach eine der äußerst kritischen Reflexion bedürfende Dienstleistung sind, da sie neue Verfahren der Kontrolle, Evaluierung und Ökonomisierung der Wissenschaft erlauben.

Schlagworte: Impact, Metriken, Zitationen, Altmetrics, Evaluierung, Ökonomisierung, Wissenschaft

 

Herb, Ulrich: Altmetrics between Revolution and Service: A Methodical and Conceptual Criticism

Abstract

Alternative impact metrics (Altmetrics) are often considered to be democratizing or even revolutionary methods for measuring scientific resonance. This nimbus mainly surrounds them because they are regarded as metrics that outclass the well-known citation-based metrics (e.g. the Journal Impact Factor or Hirsch-Index/h-Index). This in turn happens mainly due to the fact that Altmetrics allow the resonance measurement of scientific document types (e.g. books or anthologies) or even object types (e.g. scientific data and software) that were previously excluded from the impact measurement. This contribution examines to what extent Altmetrics are sparking off a democratizing revolution, which necessarily always implies a rigorous change in structures and rules, or whether they are simply not more than a service that has to be considered highly critical as they offer new tools to control, evaluate and economize science.

Keywords: impact, metrics, citations, altmetrics, evaluation, economization, science

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Impact messen in den Sozialwissenschaften und der Soziologie – mit Web of Science, Scopus, Google Scholar oder Altmetrics?

Am 23.09.2016 hielt ich im Rahmen der Tagung Forschungsmetriken als Dienstleistung: Herausforderungen und institutionelle Wirkungen am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB einen Vortrag mit dem Titel Forschungsmetriken und Impact in den Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Altmetrics besser als Zitationsdaten geeignet sind, den Impact (was immer man darunter verstehen mag)  sozialwissenschaftlicher Literatur zu erfassen. Meine Bilanz ist ernüchternd:  Zwar sind Altmetrics prinzipiell den Zitationsdatenbanken Web of Science oder Scopus insofern überlegen als sie auch nicht in Journalen erschienene Werke erfassen. Allerdings dominieren in den Altmetrics-Datenquellen, genau wie im Web of Science oder Scopus, englischsprachige Journalartikel. Folglich findet sich das Problem der fragmentarischen Impact-Erfassung speziell deutschsprachiger sozialwissenschaftlicher Literatur auch bei Altmetrics. Es wird verstärkt durch die seltene Verwendung der DOI in deutschsprachiger sozialwissenschaftler Literatur, denn die Altmetrics-Werte werden zumeist mittels DOI-Parsing ermittelt. Eher als Altmetrics scheint hingegen Google Scholar geeignet, den Impact sozialwissenschaftlicher Literatur zu beschreiben – zu diesem Schluss kam ich auch in meiner Dissertation.

Der besagte Vortrag findet sich in Slideshare unter http://www.slideshare.net/uherb/forschungsmetriken-und-impact-in-den-sozialwissenschaften

 

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Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie

Am 18.09. ist meine Dissertation zum Thema „Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie“ erschienen. Sie ist sowohl im Print zu einem Preis von 36,80 € bestellbar (Bestellmöglichkeit beim Verlag Werner Hülsbusch oder via u1_hi67_herb_rgb_72dpi_400px_breitAmazon) als auch im Open Access via Zenodo oder SciDok verfügbar. Dem Verlag will ich für seine Unterstützung und unbürokratische Open-Access-Politik danken und kann ihn Kolleginnen und Kollegen nur empfehlen.

Die bibliographischen Angaben lauten:

Ulrich Herb (2015). Open Science in der Soziologie: Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie.  Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 67 [Zugleich: Diss., Univ. des Saarlandes, 2015]. Verlag Werner Hülsbusch : Glückstadt. ISBN 978-3-86488-083-4. DOI: 10.5281/zenodo.31234 oder URN: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-62565. Hardcover, Fadenheftung, VIII + 492 S., zahlr. teilw. farb. Abb.
Hier auch der Klappentext:
Open Science, die offene Wissenschaft, zielt auf die möglichst umstandslose Nutzbarkeit und Verfügbarkeit weitgehend aller im Forschungsprozess anfallenden Informationen, in erster Linie von Textpublikationen, Forschungsdaten und Forschungssoftware. Überdies soll sie auch Transparenz in wissenschaftliche Arbeit moderierende Prozesse (wie die Begutachtung bzw. den Review von Textpublikationen) und in die Gewinnung von zur Bewertung von Wissenschaft herangezogenen Parainformationen (Impact-Metriken) bringen. Open-Science-Befürworter versprechen sich hiervon eine effizientere, innovationsfreundlichere und transparentere Wissenschaft, denn offene Informationen können schneller und leichter verbreitet und nachgenutzt sowie überprüft werden als nicht-offene.
Die Arbeit basiert auf einer fachübergreifenden Bestandsaufnahme der Open-Science-Elemente Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Open Review und Open Metrics, die allesamt typischerweise eher in den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine) zu finden sind als in den Sozial- oder Geisteswissenschaften. Ausgehend von dieser Synopse widmet sie sich weitergehend den fachinhärenten Spezifika der Soziologie, die gemeinhin als Nachzüglerin der Open Science betrachtet wird, und untersucht empirisch die Prävalenz und Relevanz von Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Open Review und Open Metrics in der Soziologie.

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