A distant look at the commercialization of Open Access: The Jussieu Call for Open Science and Bibliodiversity

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Joachim Schöpfel (Lille University, France) yesterday posted a message on the „Jussieu Call for Open Science and Bibliodiversity“ in the Global Open Access List (GOAL).  Indeed the Jussieu Call is worth reading, since he is taking a distant look at the commercialization of Open Access, here is the text of Joachim Schöpfel’s message:

„This Call was drafted on the campus Jussieu in Paris by a French group comprising researchers and scientific publishing professionals working together in Open Access and Public Scientific Publishing task forces of BSN (Bibliothèque scientifique numérique, or Digital Scientific Library).

This Call is aimed at scientific communities, professional associations and research institutions to promote a scientific publishing open-access model fostering bibliodiversity and innovation without involving the exclusive transfer of journal subscription monies to APC payments.“

The call can be found and signed under http://jussieucall.org/index.html.

Open Access in den Sozialwissenschaften

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Demnächst erscheint das von Konstanze Söllner und Bernhard Mittermaier herausgegebene „Praxishandbuch Open Access“. Erfreuerlicher Weise war es auf Anfrage erlaubt, die finale Autorenfassung meines Beitrages Open Access zu publizieren. Diese Option habe ich, nachdem ich die bibliographischen Details erfuhr, genutzt. Mein Text zu Open Access in den Sozialwissenschaften steht LeserInnen im Open Access bereit.

Ulrich Herb (2017). Sozialwissenschaften. In K. Söllner & B. Mittermaier (Hrsg.), Praxishandbuch Open Access (S. 254–260). De Gruyter. DOI:10.1515/9783110494068-029 (die DOI löst aktuell nicht auf, da die Verlagsversion noch nicht publiziert ist)
Oder als Open-Access-Version unter: https://hcommons.org/deposits/item/hc:13149/

Abstracts:
Der Artikel bietet einen Überblick über den Status Quo des Open Access zu Textpublikationen, Forschungsdaten und Forschungssoftware in den Sozialwissenschaften und diskutiert mögliche Anreize zur Umsetzung der Open Science in den Sozialwissenschaften.

This text was published as a book chapter in the publication „Praxishandbuch Open Access“ („Open Access Handbook“) edited by Konstanze Söllner and Bernhard Mittermaier. It reflects the current state of Open Access to text publications, data and software in the Social Sciences and incentives to promote Open Science in the Social Sciences.

Keywords:
Open Access, Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Sozialwissenschaften, Soziologie, Open Science, Social Sciences, Sociology, Open Access to Research Data, Open Access to Research Software

Der Beitrag basiert teils auf meiner Dissertation zur Open Science in der Soziologie. Für Leser dieses Blogs und meiner Publikationen könnten auch andere Postings über Open Access und Open Science in den Sozialwissenschaften oder Soziologie interessant sein.

Mitschnitte zum Symposium „Open Access, Open Data, Open Science – Von der Bewegung zum Geschäftsmodell“ online

RadiomikrofonVom 28.04. bis 30.04.2016 fand, organisiert von Prof. Dr. Gerhard Fröhlich, an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz ein Symposium mit dem Titel Open Access, Open Data, Open Science – Von der Bewegung zum Geschäftsmodell statt. Ich steuerte dazu einen Vortrag mit dem Titel Open Access – Die Revolution bleibt aus bei. Die Folien dazu stellte ich bereits vor längerer Zeit online, nun ist auch ein Radiomitschnitt des Cultural Broadcasting Archive (CBA) dazu erschienen: https://cba.fro.at/329094.

Das CBA publizierte auch weitere Mitschnitte, u.a. mit Prof. Dr. Gerhard Fröhlich über Strategeme der Informationsvorenthaltung sowie Dr.in Terje Tüür-Fröhlich zu Citation Indexing: Errors as Trade Secrets?. Der Mitschnitt ist verfügbar unter: https://cba.fro.at/329089.

Mitschnitt zwei, online unter https://cba.fro.at/329091, umfasst die Vorträge von Dr.in Andrea Ghoneim mit dem Titel Open Educational Resources, Mag.a Daniela Fürst über das Projekt Cultural Broadcasting Archive sowie den Vortrag von Dr.in Terje Tüür-Fröhlich mit dem Titel Prädikat: frauenfreundlich! Open Access in der qualitativen Sozialforschung.

Der dritte Mitschnitt, https://cba.fro.at/329092, beinhaltet den Vortrag von Dr.in Terje Tüür-Fröhlich MSSc mit dem Titel Predatory Journals & Quantitative Evaluation: The Case of Estonia.

Wissenschaftliches Publizieren – Zwischen Digitalisierung, Leistungsmessung, Ökonomisierung und medialer Beobachtung

Kürzlich publizierten Peter Weingart und Niels Taubert einen Sammelband, der Lesern dieses Blogs und meiner Arbeiten wohl interessant erscheinen dürfte, die Beiträge im Open-Access-Werk befassen sich mit der Diversität wissenschaftlichen Publizierens, Open Access, Open Science, Qualitätssicherung, Peer Review, Predatory Publishing, der Evaluierung von Wissenschaft, Impact und verwandten Themen.

Die bibliographischen Angaben lauten:

Weingart, Peter; Taubert, Niels (Hrsg): Wissenschaftliches Publizieren –
Zwischen Digitalisierung, Leistungsmessung, Ökonomisierung und medialer
Beobachtung. De Gruyter, 2016.
https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/463455

Hier das Inhaltsverzeichnis:

 

 

Impactmessung, Transparenz & Open Science: Open Metrics

An sich plante ich, wie es üblich ist, meine voluminöse Dissertation zu filetieren und häppchenweise in Journalen zu publizieren, gelungen ist mir dies mangels Zeit bislang noch nicht so recht. Aber ein Anfang ist gemacht: In Young Information Scientist (YIS) erschien nun mein Beitrag Impactmessung, Transparenz & Open Science, der auf Befunden meiner Dissertation beruht und sich mit Open Metrics befasst. Darin gehe ich der Frage noch, ob Altmetrics nun wirklich offener, transparenter und fairer sind als die heftig kritisierten Zitationsmaße. Zudem versuche ich einen Kriterienaktalog für offene Metriken, sprich solche, die den Ansprüchen offener Wissenschaft genügen können, zu entwickeln.

Hier die bibliographischen Daten zum Artikel, gefolgt vom Abstract und Schlagworten:

Ulrich Herb (2016). Impactmessung, Transparenz & Open Science. In: Young Information Scientist, Vol. 1 (2016), S. 59–72. Online: https://yis.univie.ac.at/index.php/yis/article/view/1420 oder via Zenodo, http://doi.org/10.5281/zenodo.153831, DOI:10.5281/zenodo.153831

Herb, Ulrich: Impactmessung, Transparenz & Open Science

Zielsetzung — Der Beitrag diskutiert, inwiefern es genügt, Open Science, die offene Wissenschaft, auf die rein entgeltfreie Verfügbarkeit von Objekten, z.B. wissenschaftlichen Publikationen im Open Access zu kaprizieren, und welche Rolle Impact-Informationen, die Wissenschaft und Wissenschaftler reaktiv steuern, zukommt sowie, ob diese ebenfalls im Sinne der offenen Wissenschaft neu modelliert werden müssen.
Forschungsmethoden — Altbekannte, zitationsbasierte Impact-Metriken und neue, alternative Metriken werden anhand folgender Kriterien daraufhin überprüft, ob sie offene Metriken sind: Wissenschaftliche Überprüfbarkeit und Modellierung, Transparenz in ihrem Zustandekommen und ihrer Methodik, Übereinstimmung mit den Prinzipien des offenen Wissens.
Ergebnisse — Weder Zitationsmetriken noch alternative Metriken verdienen das Etikett offen. Es fehlt ihnen allen an wissenschaftlichem Gehalt, meist aber auch an Transparenz und Überprüfbarkeit. Insbesondere können die alternativen Metriken die von ihnen teils erwartete Demokratisierung der Wissenschaftsbewertung nicht bewirken.
Schlussfolgerungen — Da weder Zitationsmetriken noch alternative Metriken als offen zu bezeichnen sind, erscheint es notwendig, einen Kriterienkatalog offener Metriken zu erarbeiten. Dieser Katalog umfasst Aspekte wie Begründungen und Dokumentationen bei Auswahl an Datenquellen, offene Bereitstellung der Daten, die der Berechnung der Impact-Scores zugrunde liegen, Möglichkeiten, die Daten und die daraus ermittelten Werte automatisiert abzufragen, logische, wissenschaftliche und dokumentierte Begründungen, anhand welcher Formel oder Parameter die Werte berechnet wurden.

Schlagwörter — Wissenschaftsbewertung, Zitate, Alternative Metriken, Offene Wissenschaft, Transparenz, Methodik, Offenes Wissen, Szientometrie

Herb, Ulrich: Impact Metrics, Transparency & Open Science

Objective — The article discusses if it is sufficient to scale down Open Science to a free availability of objects, for example scientific publications (open access), or whether impact metrics that steer science and scientists must also be re-modeled under open science principles.
Methods — Well-known, citation-based impact metrics and new, alternative metrics are reviewed using the following criteria to assess whether they are open metrics: Scientific verifiability and modeling, transparency in their construction and methodology, consistency with the principles of open knowledge.
Results — Neither citation-based impact metrics nor alternative metrics can be labeled open metrics. They all lack scientific foundation, transparency and verifiability.
Conclusions — Since neither citation-based impact metrics nor alternative metrics can be considered open, it seems necessary to draw up a list of criteria for open metrics. This catalog includes aspects such as justifications and documentation for the selection of data sources, open availability of the data underlying the calculation of the impact scores, options to retrieve the data automatically via software interfaces, logical, scientific and documented justifications about the formula or parameters used to calculate impact values.

Keywords — impact, citations, altmetrics, open science, transparency, methodology, open knowledge, scientometrics

 

Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie

Am 18.09. ist meine Dissertation zum Thema „Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie“ erschienen. Sie ist sowohl im Print zu einem Preis von 36,80 € bestellbar (Bestellmöglichkeit beim Verlag Werner Hülsbusch oder via u1_hi67_herb_rgb_72dpi_400px_breitAmazon) als auch im Open Access via Zenodo oder SciDok verfügbar. Dem Verlag will ich für seine Unterstützung und unbürokratische Open-Access-Politik danken und kann ihn Kolleginnen und Kollegen nur empfehlen.

Die bibliographischen Angaben lauten:

Ulrich Herb (2015). Open Science in der Soziologie: Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie.  Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 67 [Zugleich: Diss., Univ. des Saarlandes, 2015]. Verlag Werner Hülsbusch : Glückstadt. ISBN 978-3-86488-083-4. DOI: 10.5281/zenodo.31234 oder URN: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-62565. Hardcover, Fadenheftung, VIII + 492 S., zahlr. teilw. farb. Abb.
Hier auch der Klappentext:
Open Science, die offene Wissenschaft, zielt auf die möglichst umstandslose Nutzbarkeit und Verfügbarkeit weitgehend aller im Forschungsprozess anfallenden Informationen, in erster Linie von Textpublikationen, Forschungsdaten und Forschungssoftware. Überdies soll sie auch Transparenz in wissenschaftliche Arbeit moderierende Prozesse (wie die Begutachtung bzw. den Review von Textpublikationen) und in die Gewinnung von zur Bewertung von Wissenschaft herangezogenen Parainformationen (Impact-Metriken) bringen. Open-Science-Befürworter versprechen sich hiervon eine effizientere, innovationsfreundlichere und transparentere Wissenschaft, denn offene Informationen können schneller und leichter verbreitet und nachgenutzt sowie überprüft werden als nicht-offene.
Die Arbeit basiert auf einer fachübergreifenden Bestandsaufnahme der Open-Science-Elemente Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Open Review und Open Metrics, die allesamt typischerweise eher in den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine) zu finden sind als in den Sozial- oder Geisteswissenschaften. Ausgehend von dieser Synopse widmet sie sich weitergehend den fachinhärenten Spezifika der Soziologie, die gemeinhin als Nachzüglerin der Open Science betrachtet wird, und untersucht empirisch die Prävalenz und Relevanz von Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Open Review und Open Metrics in der Soziologie.

Open Access, Wikipedia, Citizen Science & Open Metrics

Im Nachgang zu meinem Telepolis-Artikel Open-Access-Artikel werden in Wikipedia häufiger zitiert fragte Wikimedia an, ob ich einen Artikel zu Open Access und offenem Wissen für das Wikimedia Blog schreiben könne, der sich ebenfalls mit Open Access und Wikipedia befasst. Dieses Posting ist gestern erschienen, thematisch ist es um den Aspekt der Citizen Science und Open Metrics erweitert: Open Access und seine Wirkung in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, online unter http://blog.wikimedia.de/2015/08/20/freies-wissen-und-wissenschaft-teil-03-open-access-und-seine-wirkung-in-wissenschaft-wirtschaft-und-gesellschaft/

Open Initiatives – Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft

Initiativen, die Transparenz, offenen und möglichst einfachen Zugang zu Informationen, etwa in Wissenschaft und Verwaltung fordern und herstellen, gewinnen rasant an Bedeutung und beginnen sich immer weiter zu differenzieren. Die Forderungen reichen von freiem (im Sinne von kostenlosem) Zugang zu Informationen bis hin zu offenem Zugang analog den Prinzipien der Open Source Community.

Manche Initiativen und Phänomene fokussieren stärker auf Transparenz als auf Offenheit, wie z.B. die Whistleblower-Plattform Wikileaks, während wiederum andere (z.B. Open Government oder Open Access zu Forschungsdaten) die Forderungen nach Transparenz und Offenheit kombinieren oder sich an der Bereitstellung nicht-proprietärer Informationen versuchen (wie das Geodaten-Projekt OpenStreetMap oder die Open Metrics Konzepte im Wissenschaftskontext). Zwölf Autorinnen und Autoren aus Open Data Projekten und aus den Bereichen Open Access, Open Science, Journalismus und Recht beschreiben und analysieren die besagten und andere Open Initiatives, diskutieren deren Gemeinsamkeiten und Grenzen sowie radikale Offenheitskonzepte wie WikiLeaks und Anonymous im Sammelwerk Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft.

Die vollständigen bibliographischen Angaben lauten:
Herb, U. (Hrsg.). (2012). Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft. Saarbrücken: universaar.

Der Band steht unter http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2012/87/ zum Download bereit. Die Bestellung der Printausgabe ist unter http://www.mv-buchshop.de/catalog/product_info.php/cPath/36_158/products_id/2154 zu einem Preis von 13,50€ möglich.

Ich möchte mich an dieser Stelle vielmals bei den Autoren und Reviewern bedanken!

 

Information in English language:

Initiatives that are calling for transparency, open and easy access to information (of academic, administrative or any other origin) are gaining momentum and are beginning to differentiate more and more. The claims range from Free Access to information to Open Access according to the principles of the Open Source community. Some initiatives focus more on transparency rather than on openness, such as the whistleblower platform Wikileaks, while others (e.g. Open Government and Open Access to Research Data) combine the demands for transparency and openness or focus on the provision of non-proprietary information (like the geodata project OpenStreetMap or Open Metrics concepts in the scientific area). Twelve authors from Open Data projects and from the context of Open Access to scientific information, Open Science, journalism and law analyze the Open Initiatives and discuss their common limitations as well as radical concepts of Openness such as WikiLeaks and Anonymous in the anthology Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft.

The bibliographic metadata are:
Herb, U. (Hrsg.). (2012). Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft. Saarbrücken, Germany: universaar.

You may download the Open Access fulltext here: http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2012/87/ or order a printcopy under https://www.buchhandel.de/buch/Open-Initiatives-Offenheit-in-der-digitalen-Welt-und-Wissenschaft-9783862230617.

Ein Leserbrief zu „Die offene Wissenschaft und ihre Freunde“, FAZ, 29.03.2014

Am 29.03.2014 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) der Artikel „Die offene Wissenschaft und ihre Freunde“ von Philip Mirowski. Der Artikel provozierte meinen Widerspruch, diesen Widerspruch habe ich eben in einem Leserbrief verschriftlicht – von dem ich hoffe, dass die FAZ ihn reflektiert. Ich will einige meiner Argumente aber auch an dieser Stelle festhalten, daher soll der Text auch in diesem Blog scheinen. Er lautet:

Eines vorweg, ich bin strikter Gegner der Privatisierung und Ökonomisierung von Hochschulen, das ist in zahlreichen meiner Artikel manifestiert. Umso mehr muss ich dem in „Die offene Wissenschaft und ihre Freunde“ gezeichneten Bild einer offenen Wissenschaft, die Einfallstor für die Hochschulprivatisierung sei, widersprechen.

Offene Wissenschaft kennt viele Ausformungen, zum einen will sie auf der Ebene wissenschaftlicher Objekte (Texte, Daten) erreichen, dass diese möglichst einfach in neue Forschung münden, um wissenschaftlichen Fortschritt zu erleichtern. Daher sollen Texte und Daten jedem zur Nutzung bereitstehen. Letztlich hat der Bürger ein Recht auf diese Art der Beschleunigung von Forschung – hat er Publikationen und Daten in ihrer Erstellung doch mit seinen Steuergeldern teuer bezahlt. Auch die Aussage Open Science sei eine Aneignung geistigen Eigentums ist nicht korrekt: Ihr Ziel ist es gerade zu verhindern, dass Wissenschaftler z.B. die Nutzungsrechte an ihren Publikationen verlieren und diese nicht mehr legal mit anderen Forschern teilen können.

Open Science bedeutet aber nicht nur offene Verfügbarkeit von Informationen, sondern auch Transparenz – dies übersieht der Autor geflissentlich. Dazu zählt es wissenschaftliche Ergebnisse durch die offene Verfügbarkeit von Forschungsdaten auf ihre Korrektheit hin überprüfbar zu machen und so Forschungsfälschungen leichter zu enttarnen.

Zu guter Letzt ist offene Wissenschaft auch prozessual gemeint und will Verfahren wie die Qualitätsprüfung wissenschaftlicher Artikel transparenter machen – um zu verhindern, dass aus der Machtposition des Gutachters missliebige Veröffentlichungen oder Anträge zensiert werden. In welcher Hinsicht diese Offenheit und Transparenz schädlich sein sollen, leuchtet mir nicht ein. Allerdings sind dies Aspekte der (sicher kein Wundermittel sein könnenden) Open Science, die der Autor nicht kennt oder nicht kennen will. Er begnügt sich der Einfachheit halber mit der ebenso banalen, diskreditierenden wie skandalisierenden und falschen Gleichsetzung von Open Science mit Facebook.

Ulrich Herb


Alte Kommentare:

Thorsten Lebev:
Die Überschrift „Die offene Wissenschaft und ihre Feinde“ – in Anlehnung an einen Buchtitel des neoliberalen Philosophen Karl Popper – verweist auf die zentrale Botschaft des Artikels, die sie leider überhaupt nicht erwähnen: Man möge bitte bei der Diskussion von Open Science die (langfristigen) Zielsetzungen der Wirtschaft (Unternehmens-gewinne durch die Ware Wissenschaft) nicht übersehen. All die positiven Aspekte von Open Science (Transparenz, Qualitätsprüfung, etc.) auf die sie sich in ihrem Leserbrief beziehen, werden von Philip Mirowski tatsächlich nicht genannt. Aber er macht deutlich, warum ihn diese Aspekte nicht weiter beschäftigen: „Die Vorstellung Open Science mache (die Wissenschaft) offener für die Bedürfnisse aller (ist) ein bloße Ablenkung“. Mirowski geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass auch Open Science für die daran beteiligten Unternehmen letztlich ein Mittel zum Zweck ist. Und dieser Zweck lautet in konkurrenz-wirtschaftlichen Umwelten nicht Wissenschafts-förderung sondern eben Gewinnerzielung. Nicht offener Zugang zu Wissen sondern Wissenschaft als Ware. Es mag ja sein, dass viele Unternehmen heute für die Förderung von Open Science draufzahlen – bloß unterscheidet sich dieses Feld damit nicht von anderen Gebieten, in denen Unternehmen in frühen Phasen eines entstehenden Marktes viel Geld lassen, um sich in Position zu bringen und Konkurrenz draußen zu halten. Zuletzt: Die von Mirowski zu Facebook gemachte Aussage lautet korrekt: „Forschung … soll offen erfolgen. Am besten auf Plattformen, die … Facebook, Twitter, GoogleScholar und Wikipedia ähneln“. Das klingt doch anders als die eine „skandalöse“ Gleichsetzung von OpenScience und Facebook.

Ulrich Herb:
Lieber Herr Lebev (?), vielen Dank für Ihren Kommentar, zu dem ich mich äußern will: Zunächst: Ja, der Autor schildert seine Befürchtung, Open Science befördere die Liberalisierung der Wissenschaft. Allerdings merken sie selbst an: „All die positiven Aspekte von Open Science (Transparenz, Qualitätsprüfung, etc.) auf die sie sich in ihrem Leserbrief beziehen, werden von Philip Mirowski tatsächlich nicht genannt.“ Insofern ist Herrn Mirowskis Darstellung einseitig (zudem finde ich wenig Untermauerung dieser). Daher war es mein Anliegen, herauszustellen was Herr Mirowski unterschlug. Ich will noch einen Schritt weiter gehen, Popper als neoliberal zu beschreiben ist nicht völlig korrekt, er forderte auch Offenheit um der Transparenz willen. Aber auch andere Wissenschaftstheoretiker (die des Liberalismus unverdächtig sind) äußern Ideen, die den Ansinnen der Open Science entsprechen. Robert Merton, z.B. nennt als eines der Prinzipien ethischer Wissenschaft den Kommunismus. Dazu führt er aus: Die „materiellen Ergebnisse der Wissenschaft sind ein Produkt sozialer Zusammenarbeit und werden der Gemeinschaft zugeschrieben. Sie bilden ein gemeinsames Erbe, auf das der Anspruch des einzelnen Produzenten erheblich eingeschränkt ist. Mit dem Namen ihres Urhebers belegte Gesetze oder Theorien gehen nicht in seinen oder seiner Erben Besitz über, noch erhalten sie nach den geltenden Regeln besondere Nutzungsrechte. Eigentumsrechte sind in der Wissenschaft aufgrund der wissenschaftlichen Ethik auf ein bloßes Minimum reduziert. Der Anspruch des Wissenschaftlers auf sein ’intellektuelles Eigentum’ beschränkt sich auf die Anerkennung und Wertschätzung, die (…) in etwa mit der Bedeutung dessen übereinstimmt, was in den allgemeinen Fonds des Wissens eingebracht worden ist.“ (Merton, R. K. (1973). Wissenschaft und demokratische Sozialstruktur. In P. Weingart (Ed.), Wissenschaftssoziologie I. Wissenschaftliche Entwicklung als sozialer Prozeß (Vol. I, S. 45–59). Frankfurt am Main: Athenäum; dort S. 73). Wenn man schon Wissenschaftstheoretiker zur Berichterstattung zu Open Science heranzieht, dann doch bitte auch Merton und dieser fordert mit diesem Zitat nichts anderes als offene Wissenschaft – ohne dabei auch die Privatisierung und Ökonomisierung der Wissenschaft auszurufen. Weiterhin schreiben Sie: „Mirowski geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass auch Open Science für die daran beteiligten Unternehmen letztlich ein Mittel zum Zweck ist. Und dieser Zweck lautet in konkurrenz-wirtschaftlichen Umwelten nicht Wissenschafts-förderung sondern eben Gewinnerzielung. Nicht offener Zugang zu Wissen sondern Wissenschaft als Ware.“ Was die Gewinnerzielung angeht kann ich nur betonen, dass ich es begrüße, wenn technische Innovationen, die an Hochschulen steuerfinanziert entwickelt wurden, jedem zur Adaption offenstehen und sich damit auch wirtschaftlicher Gewinn einstellt. Natürlich dürfen Hochschulen nicht zum Datenlieferanten und Appendix der Wirtschaft verkommen, aber diese Gefahr sehe ich nicht (zumindest keine, die durch Open Science geschaffen wird). Und natürlich setzt die Forderung, wissenschaftliche Information müsse offen nutzbar sein, voraus, dass Hochschulen eine finanzielle Ausstattung erfahren müssen, die sie nicht dazu zwingt sich exklusive Verwertungsrechte vorzuhalten. Aber warum z.B. sollte ein an einer Hochschule (mit Steuermitteln) entwickeltes Verfahren nicht allen Firmen offenstehen? Die Alternative wäre z.B. eine Patentierung, die eine monopolistische Verwertung (zu hohen Preisen) gegenüber einem unter Konkurrenzbedingungen entstehenden (niedrigeren) Preis bevorzugt. Zu guter Letzt führen Sie aus: „Die von Mirowski zu Facebook gemachte Aussage lautet korrekt: ‚Forschung … soll offen erfolgen. Am besten auf Plattformen, die … Facebook, Twitter, GoogleScholar und Wikipedia ähneln‘. Das klingt doch anders als die eine ‚skandalöse‘ Gleichsetzung von OpenScience und Facebook.“ Jain. Zwar haben Sie insofern recht als Herr Mirowski nicht wörtlich behauptet Open Science sei das selbe wie Facebook, jedoch ist die Gleichsetzung der Werkzeuge, die Open Science nutzen will (offener Content, Open Source), mit proprietären Diensten wie Facebook schon ein arge Verunglimpfung und falsche Darstellung. Überdies in einem von großem Pessimismus gegen die Onlinekulturen geprägten Blatt wie der FAZ – inkl. entsprechender Leserschaft. Herr Mirowski unterscheidet nicht zwischen wirtschaftlich-dysfunktionalen Märkten und der ideellen Offenheit des Marktes als Ort konkurrierender Ideen, dies ist das grundlegende Problem an seinem Beitrag. Aber genau das zweite Bild beschreibt die Open Science. Der Soziologe Pierre Bourdieu, als Kopf von Attac sicher kein Wirtschaftsliberaler, bemängelt zu wenig Konkurrenz und Transparenz in der Wissenschaft einmal mit den Worten: „Vom Ideal des freien Marktes, den man gerade so anpreist, ist man weit entfernt, die Wirkungen eines solchen Marktes sind der Wissenschaft nur zu wünschen.“ (Pierre Bourdieu im Interview mit Frank Nouchi, 1993 in : Bourdieu, P. (1998). Vom Gebrauch der Wissenschaft. Für eine klinische Soziologie des Wissenschaftlichen Feldes. Les usages sociaux de la science. Konstanz: Universitätsverlag Konstanz; dort S. 80). Ich stimme Bourdieu vollkommen zu und sehe Open Science prinzipiell als geeignet den Markt der Ideen zu öffnen.