Wissenschaftliches Publizieren – Zwischen Digitalisierung, Leistungsmessung, Ökonomisierung und medialer Beobachtung

Kürzlich publizierten Peter Weingart und Niels Taubert einen Sammelband, der Lesern dieses Blogs und meiner Arbeiten wohl interessant erscheinen dürfte, die Beiträge im Open-Access-Werk befassen sich mit der Diversität wissenschaftlichen Publizierens, Open Access, Open Science, Qualitätssicherung, Peer Review, Predatory Publishing, der Evaluierung von Wissenschaft, Impact und verwandten Themen.

Die bibliographischen Angaben lauten:

Weingart, Peter; Taubert, Niels (Hrsg): Wissenschaftliches Publizieren –
Zwischen Digitalisierung, Leistungsmessung, Ökonomisierung und medialer
Beobachtung. De Gruyter, 2016.
https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/463455

Hier das Inhaltsverzeichnis:

 

 

Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie

Am 18.09. ist meine Dissertation zum Thema „Open Science in der Soziologie – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie“ erschienen. Sie ist sowohl im Print zu einem Preis von 36,80 € bestellbar (Bestellmöglichkeit beim Verlag Werner Hülsbusch oder via u1_hi67_herb_rgb_72dpi_400px_breitAmazon) als auch im Open Access via Zenodo oder SciDok verfügbar. Dem Verlag will ich für seine Unterstützung und unbürokratische Open-Access-Politik danken und kann ihn Kolleginnen und Kollegen nur empfehlen.

Die bibliographischen Angaben lauten:

Ulrich Herb (2015). Open Science in der Soziologie: Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie.  Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 67 [Zugleich: Diss., Univ. des Saarlandes, 2015]. Verlag Werner Hülsbusch : Glückstadt. ISBN 978-3-86488-083-4. DOI: 10.5281/zenodo.31234 oder URN: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-62565. Hardcover, Fadenheftung, VIII + 492 S., zahlr. teilw. farb. Abb.
Hier auch der Klappentext:
Open Science, die offene Wissenschaft, zielt auf die möglichst umstandslose Nutzbarkeit und Verfügbarkeit weitgehend aller im Forschungsprozess anfallenden Informationen, in erster Linie von Textpublikationen, Forschungsdaten und Forschungssoftware. Überdies soll sie auch Transparenz in wissenschaftliche Arbeit moderierende Prozesse (wie die Begutachtung bzw. den Review von Textpublikationen) und in die Gewinnung von zur Bewertung von Wissenschaft herangezogenen Parainformationen (Impact-Metriken) bringen. Open-Science-Befürworter versprechen sich hiervon eine effizientere, innovationsfreundlichere und transparentere Wissenschaft, denn offene Informationen können schneller und leichter verbreitet und nachgenutzt sowie überprüft werden als nicht-offene.
Die Arbeit basiert auf einer fachübergreifenden Bestandsaufnahme der Open-Science-Elemente Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Open Review und Open Metrics, die allesamt typischerweise eher in den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine) zu finden sind als in den Sozial- oder Geisteswissenschaften. Ausgehend von dieser Synopse widmet sie sich weitergehend den fachinhärenten Spezifika der Soziologie, die gemeinhin als Nachzüglerin der Open Science betrachtet wird, und untersucht empirisch die Prävalenz und Relevanz von Open Access zu Textpublikationen, Open Access zu Forschungsdaten, Open Access zu Forschungssoftware, Open Review und Open Metrics in der Soziologie.

Sollten Reviewer wissenschaftlicher Artikel eine Vergütung erhalten?

Vor knapp einem Jahr referierte ich bei der 78. Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG zum Thema Predatory Publishing & Open Access: Verdirbt Geld die Wissenschaftskommunikation? – dabei entspann sich eine wahrhafte interessante Diskussion darüber, ob Gutachter wissenschaftlicher Journale für ihre Reviews entlohnt werden sollten. Die Ansichten divergierten und auch die Entwicklungen im wissenschaftlichen Publikationswesen gehen, was die Frage der Gratifikation von Reviews betrifft, auseinander: So finden sich neben symbolischen auch monetäre Entlohnungen, die allerdings Open-Access-Fonds oder der Community gestiftet werden können. Mehr dazu in meinem Telepolis-Beitrag (Wie) sollen Gutachter wissenschaftlicher Journale entlohnt werden?

Science & Open Access: Ein angespanntes Verhältnis

Vor knapp zwölf Monaten erschien im Journal Science ein Artikel John Bohannons, der Open-Access-Zeitschriften pauschal eine funktionierende Qualitätssicherung absprach. Bohannons Artikel „Who’s afraid of Peer Review?“ unterlag einiger Kritik, warf aber dennoch Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Open Access auf. Überraschenderweise kündigte die Herausgeberin von Science, die American Association for the Advancement of Science (AAAS), an, mit Science Advances selbst ein Open-Access-Journal aufzulegen. Selbstredend verlangt Science Advances für die Publikation der Artikel von den Autoren Gebühren, die Höhe der Gebühren wurde kürzlich bekannt, ebenso die Lizenz-Politik des Journals – sowohl Gebühren als auch Lizenz Policy forderten Kritik der Wissenschaftler heraus. Dazu ist gestern ein Artikel in Telepolis erschienen: Wissenschaftsjournal Science will Open-Access-Zeitschrift gründen.

Zur Vorgeschichte der etwas verklemmten Beziehung zwischen Science, AAAS und Open Access:

Die Anfälligkeit der Wissenschaftszeitschriften für Fälschungen

Vor knapp einem halben Jahr publizierte John Bohannon seinen Beitrag „Who is afraid of Peer Review?“ im Wissenschaftsmagzin Science. Er sprach darin Open Access Zeitschriften recht pauschal die Qualitätsicherung ab, da diese sich teils (um genau zu sein: sehr selten) über Publikationsgebühren finanzieren und daher – so Bohannon – geneigt seien, gegen Zahlung jedes Paper mehr oder minder ungeprüft zu publizieren. Seither hat nicht nur die Science herausgebende American Association for the Advancement of Science (AAAS) selbst ein Open Access Journal angekündigt, das sich über Artikelgebühren finanziert und das, nimmt man Bohannons Interpretation an, ebenfalls unter einem deutlichen Qualitätsvorbehalt zu stehen hätte. Nein, es zeigte sich, wie schon in einem Telepolis-Artikel über Bohannons Attacke auf Open Access ausgeführt, kürzlich wieder einmal, dass sich miserable Qualitätssicherung nicht nur in Open Access, sondern in gleicher Weise auch in Closed Access Journalen findet. Betroffen waren diesmal Publikationen der Verlage IEEE und Springer, mehr dazu wiederum in Telepolis.

Die Bewertung der Peer Review?

Artikelvorschläge, die Forscher zur Publikation in einer wissenschaftlichen Zeitschrift einreichen, werden häufig der Peer Review, einer Begutachtung durch Experten unterzogen. Die Anwendung der Peer Review verbreitet sich immer weiter und man findet das Verfahren zusehends auch bei der Publikation wissenschaftlicher Konferenzbände oder Sammelbände. Die Peer Review unterliegt mitunter starker Kritik, die sich vor allem auch an der Asyemtrie des Verfahrens entzündet, in dem der einreichende Autor dem Urteil der – fast ausnahmslos anonym agierenden – Reviewer mehr oder weniger bedingungslos ausgeliefert ist.

Scirev.sc ist ein neuer Dienst, der es nun umgekehrt Wissenschaftlern ermöglicht, die im Rahmen der Artikeleinreichung erfahrene Qualität der Peer Review zu bewerten. Autoren können für ihre Einreichung die Dauer der ersten Review-Runde (an die sich ja gegebenenfalls iterative Verbesserungen anschließen), die Dauer des gesamten Begutachtungsprozesses, die Anzahl der Reviews und den Ausgang der Review (Annahme oder Ablehnung der Einreichung) ausweisen sowie die Qualität der Reviews und des gesamten Begutachtungsprozesses bewerten. Die Bewertung erfordert eine Anmeldung, ist aber selbst anonym möglich. Auf den ersten Blick entdeckte ich einige interessante Funde: So wurde teils nur eine einzige Review zu einer Einreichung verfasst, allerdings ist es prinzipiell auch möglich, dass dem Autor nur eine von mehreren Reviews zuging. Überraschenderweise wurden auch einige Reviews, die zur Ablehnung einer Einreichung führten, von den Autoren als positiv bewertet. Hingegen scheint eine lange Review-Dauer sehr oft zu negativen Bewertungen zu führen. SciRev fungiert naheliegener Weise auch als Auskunftsdienst: Wissenschaftler können Bewertungen und Auskünfte einzelner Zeitschriften oder der Zeitschriften eines Fachs recherchieren und diese Informationen in ihre Entscheidung, bei welchem Journal sie einen Artikel einreichen wollen, einfließen lassen.

Gelauncht und betrieben wird das Angebot von den niederländischen Wissenschaftlern Janine Huisman und Jeroen Smits

Weitere Informationen zu Peer Review und zur Alternative der Open Review:

Herb, U. (2012). Offenheit und wissenschaftliche Werke: Open Access, Open Review, Open Metrics, Open Science & Open Knowledge. In U. Herb (Hrsg.), Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft (S. 11–44). Saarbrücken, Germany: universaar.Online http://eprints.rclis.org/17183/

Ware, M. (2008). Peer Review: benefits , perceptions and alternatives. London: Publishing Research Consortium. Online: http://www.publishingresearch.org.uk/documents/PRCsummary4Warefinal.pdf

Zu Unrecht in der Kritik? Qualitätssicherung bei Open-Access-Publikationen

John Bohannons Science-Artikel, der die Qualitätsicherung von Open Access Journals weithin in Frage stellt, wird zusehends differenziert betrachtet. Gestern gab ich dem Deutschlandfunk ein Interview zu diesem Thema. Im Rahmen der Sendung Forschung Aktuell wurde Ralf Krauters Interview mit mir ausgestrahlt, es trug den Titel Zu Unrecht in der Kritik? Qualitätssicherung bei Open-Access-Publikationen und kann hier abgerufen werden: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/2288623/