Wissenschaftliches Publizieren – Zwischen Digitalisierung, Leistungsmessung, Ökonomisierung und medialer Beobachtung

Kürzlich publizierten Peter Weingart und Niels Taubert einen Sammelband, der Lesern dieses Blogs und meiner Arbeiten wohl interessant erscheinen dürfte, die Beiträge im Open-Access-Werk befassen sich mit der Diversität wissenschaftlichen Publizierens, Open Access, Open Science, Qualitätssicherung, Peer Review, Predatory Publishing, der Evaluierung von Wissenschaft, Impact und verwandten Themen.

Die bibliographischen Angaben lauten:

Weingart, Peter; Taubert, Niels (Hrsg): Wissenschaftliches Publizieren –
Zwischen Digitalisierung, Leistungsmessung, Ökonomisierung und medialer
Beobachtung. De Gruyter, 2016.
https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/463455

Hier das Inhaltsverzeichnis:

 

 

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Open Initiatives – Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft

Initiativen, die Transparenz, offenen und möglichst einfachen Zugang zu Informationen, etwa in Wissenschaft und Verwaltung fordern und herstellen, gewinnen rasant an Bedeutung und beginnen sich immer weiter zu differenzieren. Die Forderungen reichen von freiem (im Sinne von kostenlosem) Zugang zu Informationen bis hin zu offenem Zugang analog den Prinzipien der Open Source Community.

Manche Initiativen und Phänomene fokussieren stärker auf Transparenz als auf Offenheit, wie z.B. die Whistleblower-Plattform Wikileaks, während wiederum andere (z.B. Open Government oder Open Access zu Forschungsdaten) die Forderungen nach Transparenz und Offenheit kombinieren oder sich an der Bereitstellung nicht-proprietärer Informationen versuchen (wie das Geodaten-Projekt OpenStreetMap oder die Open Metrics Konzepte im Wissenschaftskontext). Zwölf Autorinnen und Autoren aus Open Data Projekten und aus den Bereichen Open Access, Open Science, Journalismus und Recht beschreiben und analysieren die besagten und andere Open Initiatives, diskutieren deren Gemeinsamkeiten und Grenzen sowie radikale Offenheitskonzepte wie WikiLeaks und Anonymous im Sammelwerk Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft.

Die vollständigen bibliographischen Angaben lauten:
Herb, U. (Hrsg.). (2012). Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft. Saarbrücken: universaar.

Der Band steht unter http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2012/87/ zum Download bereit. Die Bestellung der Printausgabe ist unter http://www.mv-buchshop.de/catalog/product_info.php/cPath/36_158/products_id/2154 zu einem Preis von 13,50€ möglich.

Ich möchte mich an dieser Stelle vielmals bei den Autoren und Reviewern bedanken!

 

Information in English language:

Initiatives that are calling for transparency, open and easy access to information (of academic, administrative or any other origin) are gaining momentum and are beginning to differentiate more and more. The claims range from Free Access to information to Open Access according to the principles of the Open Source community. Some initiatives focus more on transparency rather than on openness, such as the whistleblower platform Wikileaks, while others (e.g. Open Government and Open Access to Research Data) combine the demands for transparency and openness or focus on the provision of non-proprietary information (like the geodata project OpenStreetMap or Open Metrics concepts in the scientific area). Twelve authors from Open Data projects and from the context of Open Access to scientific information, Open Science, journalism and law analyze the Open Initiatives and discuss their common limitations as well as radical concepts of Openness such as WikiLeaks and Anonymous in the anthology Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft.

The bibliographic metadata are:
Herb, U. (Hrsg.). (2012). Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft. Saarbrücken, Germany: universaar.

You may download the Open Access fulltext here: http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2012/87/ or order a printcopy under https://www.buchhandel.de/buch/Open-Initiatives-Offenheit-in-der-digitalen-Welt-und-Wissenschaft-9783862230617.

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Online-Petition gegen Open Access Regelung im Urheberrechtsgesetz

Zum 1. Januar 2014 traten einige Änderungen am Urheberrechtsgesetz (UrhG) in Kraft, die für Open Access relevant sind und sich vor allem in §38 (4) UrhG finden. Schon vor der Verabschiedung unterlagen diese Neuerungen heftiger Kritik – und das aus mannigfaltigen Gründen: Zwar wird es erlaubt Artikel nach Ablauf eines Jahres Open Access zu stellen, allerdings gilt dies im Wesentlichen nur für Zeitschriftenartikel und nicht für andere gebräuchliche wissenschaftliche Dokumenttypen wie z.B. Konferenzbeiträge, Sammelbandsbeiträge oder Monographien. Viele Kritiker monierten auch die Embargofrist von 12 Monaten als übermäßig lange, zudem dürfen Autoren nur die finale Manuskriptversion des Textes Open Access stellen darf und nicht die offizielle Verlagsversion, auf die man jedoch in zahlreichen Disziplinen zum Zweck exakter Zitierungen Zugriff haben muss.  Nun startete das Aktionsbündnis Urheberrecht gar eine Online-Petition, um den erwähnten Paragraphen gerechter zu gestalten, denn bislang benachteiligt er Wissenschaftler, deren Arbeit nicht überwiegend mit Fördermitteln finanziert ist. Mehr dazu in Telepolis.

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Die juristische Analogisierung digitaler Inhalte

In recht kurzer Abfolge wurden (mir) zwei Gerichtsurteile bekannt, die auf bedauerliche Weise zeigen, dass Gerichte der Argumentation der Verleger und Musik-Labels folgen und sich von diesen soufflieren lassen, Geschäftsmodelle, die auf der Erstellung kreativer Inhalte basieren, können nur funktionieren

  1. durch Verknappung
    und
  2. durch Analogisierung – womit ich meine, dass digitale Güter all ihrer Vorzüge (z.B. leichte Verbreitung und Adaptionstauglichkeit) beraubt werden und in ihren Funktionalitäten Medien der vordigitalen Zeit angepasst werden.

Dabei sichern sich die Vertreiber der Inhalte (Labels, Verlage) meist vorab gegen finanziellen Misserfolg ab, in dem Autoren und Musiker Veröffentlichungen finanziell bezuschussen. Die Verknappung nutzt zudem in aller Regel nur den Vertreibern, da die Schöpfer ihnen in einem so genannten Buy-Out alle finanziellen Verwertungsmöglichkeiten übertragen.

Ich will nicht weiter ins Detail gehen, bald sollte ein Artikel von mir dazu erscheinen. Allerdings ärgere ich mich gerade ein wenig darüber, dass ich den Stoff in einer wissenschaftlichen Zeitschrift unterbrachte und nicht journalistisch, denn damit beraube ich den Text jeder Reichweite und Aktualität. Journalistisch publiziert bekäme ich sogar noch (ein wenig) Geld für den Content.

Hier die Links zu den bedauerlichen Informationen:

Das Landgericht Bielefeld befand den Weiterverkauf von Ebooks und Hörbüchern als illegal, Klaus Junkes-Kirchen überbrachte die schlechte Nachricht in der INETBIB – ihm sei dennoch dafür gedankt. Heise Online, das Bloggern ja bittet, das Leistungsschutzrecht für Heise-Inhalte zu ignorieren und die ich daher gerne mit Links belohne, berichtete schon vor einiger Weile durch Daniel Sokolov, ein US-Bundesgericht habe den Weiterverkauf von Musik-Dateien für illegal erklärt.

Diese Urteile sind noch fataler als die oben beschriebenen technischen Einschränkungen: Die rechtlichen Auflagen limitieren die Nutzungsmöglichkeiten, die beim Erwerb digitaler Güter zugestanden werden, dermaßen, dass digitale Objekte wertloser als ihre analogen Pendants werden. Ein gedrucktes Buch oder eine Audio-Cd kann ich zumindest verkaufen oder verleihen so wie ich es mag. Ganz ähnliche, groteske Auswüchse deuteten sich durch die Klage des Wissenschaftsverlages Wiley gegen einen Studenten an, der legal erworbene Bücher weiterverkaufen wollte: Allerdings handelte sich hier sogar um gedruckte Werke. Details finden Interessierte in einem älteren Posting.

 

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GRÜNE kritisieren Gesetzentwurf zum Zweitverwertungsrecht wissenschaftlicher Werke

Wie Heinz Pampel gestern in wisspub.net postete, hat das Bundesministerium der Justiz (BMJ) einen Gesetzesentwurf zum Zweitverwertungsrecht für Wissenschaftler vorgelegt. Dies sieht in einem neu zu formulierenden § 38 Urheberrechtsgesetz UrhG folgende Regelung vor: „Der Urheber eines wissenschaftlichen Beitrags, der im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung erschienen ist, hat auch dann, wenn er dem Verleger oder Herausgeber ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt hat, das Recht, den Beitrag nach Ablauf von zwölf Monaten seit der Erstveröffentlichung in der akzeptierten Manuskriptversion öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies keinem gewerblichen Zweck dient. Die Quelle der Erstveröffentlichung ist anzugeben. Eine zum Nachteil des Urhebers abweichende Vereinbarung ist unwirksam.“

Heinz Pampel stieß sich in seinem Kommentar völlig zu Recht an der Einschränkung in den Ausführungen, die besagt: „Dies umfasst Forschungstätigkeit, die im Rahmen der öffentlichen Projektförderung oder an einer institutionell geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtung durchgeführt wird.“ (S. 22 des Entwurfstexts). Der Grund: Publikationen, die an Hochschulen entstehen und keinen Bezug zu einer Projektförderung aufweisen, wären von der Regelung ausgenommen. Heute positionieren sich auch die GRÜNEN in einer Pressemitteilung („Bundesregierung benachteiligt wissenschaftliche Autorinnen und Autoren an den Universitäten„) entsprechend, dort teilt man Heinz Pampels Sicht und kommentiert: „Der jetzige Vorschlag der Bundesregierung schafft jedoch keine Rechtssicherheit, sondern schafft zweierlei Recht beim wissenschaftlichen Publizieren. Der Gesetzentwurf benachteiligt wissenschaftliche Autorinnen und Autoren an den Universitäten, die von dem Zweitveröffentlichungsrecht ausgeschlossen werden sollen. Der Entwurf der Bundesregierung begrenzt das Zweitveröffentlichungsrecht auf Werke von Personen, die aus öffentlichen Projektmittel gefördert werden oder an außeruniversitären Forschungseinrichtungen arbeiten. Damit wird es zum Beispiel nicht ermöglicht, eine aus der Hochschulforschung entstandene wissenschaftliche Publikation frei zugänglich zu machen.“

 

Update, 12.04.2013

1) Heinz Pampel dokumentiert nun auch das mediale Echo auf den Entwurf unter http://wisspub.net/2013/04/10/kabinett-verabschiedet-entwurf-eines-zweitveroffentlichungsrechts/

2) Ich habe noch einen kurzen Beitrag dazu in Telepolis geschrieben: http://www.heise.de/tp/blogs/10/154086

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Wegen Verkaufs legal erworbener Bücher: Gericht verurteilt Student zu 600.000 US-Dollar Strafe

Via Gerd Fröhlich von der Universität Linz erreichte mich folgende, groteske Information: Wie Der Standard vor sechs Tagen meldete, verklagte der Wissenschaftsverlag Wiley den in den USA lebenden thailändischen Studenten Supap Kirtsaeng, weil dieser Lehrbücher des Verlages, die seine Verwandten in Thailand rechtmäßig erworben und ihm geschickt hatten, verkaufte. Ein Gericht verurteilte den Studenten zu einer Zahlung von 600.000 US-Dollar, da eine Urheberrechtsverletzung vorliege. Dieses Urteil wurde vom Berufsgericht bestätigt.

Ungeachtet der Tatsache, dass es sich um legal hergestellte und erworbene Produkte handelt, wird deren Verkauf von Wiley als unrechtmäßig betrachtet, weil diese zwar ordnungsgemäß und vom Verlag selbst, aber außerhalb der USA produziert und nun in die USA eingeführt wurden: Da Produktion und Erwerb im Ausland stattgefunden hätten, ende die Kontrolle des Rechteinhabers über das veräußerte Werk nicht durch den Verkauf. Anders liegt der Fall bei im Inland hergestellten Produkten, bei denen die Hoheit über die Verwendung des Informationsträgers gemäß der First Sale Doctrin auf den Käufer übergeht. Laut Der Standard bedeutet diese Rechtsauslegung auch, dass das Wegwerfen von Publikationen, Musik-CDs und anderen Informationsträgern US-amerikanischer Konzerne, die nicht in den USA produziert wurden, der Erlaubnis des Herstellers bedarf. Für die Konzerne eröffne sich damit eine neue Einnahmequellen durch Untersagen oder gebührenpflichtige Kontrolle des Gebrauchthandels mit Informationsträgern und anderen wegen ihres Designs oder eines aufgedruckten Logos mit Copyright belegten Objekten (Der Standard nennt sogar das Beispiel einer Getränkedose). Diese Rechtsauslegung könnte sich auch auf Re-Importe zum Inlandsverkauf auswirken, die der Hersteller selbst vornimmt. Die endgültige Entscheidung wird der Supreme Court im Herbst des Jahres treffen. Weitere, lesenswerte Informationen im Artikel: „US-Gericht erwägt ewiges Urheberrecht“, Der Standard, 13. Juli 2012 unter http://derstandard.at/1341526759646/US-Gericht-erwaegt-ewiges-Urheberrecht

Update 21.03.2013: Der oberste Gerichtshof der USA schmetterte die Klage Wileys ab. s. Oberster Gerichtshof der USA: Weiterverkauf importierter Bücher ist legal

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Oberster Gerichtshof der USA: Weiterverkauf importierter Bücher ist legal

Im Sommer 2012 hatte ich auf eine Meldung im Standard verwiesen, der berichtete, dass ein Student vom Verlagshaus Wiley verklagt wurde, da er in den USA Bücher verkaufen wollte, die er im Ausland legal erworben hatte. Irights.info berichtet nun heute, dass der oberste US-Gerichtshof dem beklagten Studenten Stupa Kirtsaeng Recht gab und den Weiterverkauf importierter Bücher erlaubt. Hätte der Gerichtshof Wileys Klage stattgegeben, wären die Folgen wohl recht weitreichender Art gewesen, mehr dazu im alten Posting: Wegen Verkaufs legal erworbener Bücher: Gericht verurteilt Student zu 600.000 US-Dollar Strafe

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