Web Of Science wird ab 2017 von Clarivate Analytics vertrieben

Bereits im Sommer wurde bekannt, dass Thomson Reuters sich von seinem Angebot Web Of Science (WoS) trennt. Die Zitationsdatenbank sowie einige andere Produkte der Intellectual-Property-Sparte des Konzerns gehen in den Besitz der ONEX Group über, einer Private Equity Gesellschaft, zu deren Portfolio z.B. auch Angebote aus dem Gesundheits- und Food-Bereich und Versicherungen gehören.  Laut Pressemitteilung Thomson Scientifics wurde der Verkauf im Oktober besiegelt, das WoS wird ab 2017 von der ONEX-Firma Clarivate Analytics aufgelegt. Für den Verkauf wurden 3,55 Milliarden US-Dollar fällig.

Publikationshinweis: „The Non-trivial Effects of Trivial Errors in Scientific Communication and Evaluation“

In der Schriftenreihe Schriften zur Informationswissenschaft des Hochschulverbandes Informationswissenschaft ist die Dissertation meiner Kollegin Terje Tüür–Fröhlich erschienen, das Inhaltverzeichnis kann hier eingesehen werden.

Abstract:

“Thomson Reuters’ citation indexes i.e. SCI, SSCI and AHCI are said to be “authoritative”. Due to the huge influence of these databases on global academic evaluation of productivity and impact, Terje Tüür-Fröhlich decided to conduct case studies on the data quality of Social Sciences Citation Index (SSCI) records. Tüür-Fröhlich investigated articles from social science and law. The main findings: SSCI records contain tremendous amounts of “trivial errors”, not only misspellings and typos as previously mentioned in bibliometrics and scientometrics literature. But Tüür-Fröhlich’s research documented fatal errors which have not been mentioned in the scientometrics literature yet at all. Tüür-Fröhlich found more than 80 fatal mutations and mutilations of Pierre Bourdieu (e.g. “Atkinson” or “Pierre, B. and “Pierri, B.”). SSCI even generated zombie references (phantom authors and works) by data fields’ confusion – a deadly sin for a database producer – as fragments of Patent Laws were indexed as fictional author surnames/initials. Additionally, horrific OCR-errors (e.g. “nuxure” instead of “Nature” as journal title) were identified. Tüür-Fröhlich´s extensive quantitative case study of an article of the Harvard Law Review resulted in a devastating finding: only 1% of all correct references from the original article were indexed by SSCI without any mistake or error. Many scientific communication experts and database providers’ believe that errors in databanks are of less importance: There are many errors, yes – but they would counterbalance each other, errors would not result in citation losses and would not bear any effect on retrieval and evaluation outcomes. Terje Tüür-Fröhlich claims the contrary: errors and inconsistencies are not evenly distributed but linked with languages biases and publication cultures.”

Tüür–Fröhlich, Terje (2016): The Non-trivial Effects of Trivial Errors in Scientific Communication and Evaluation. Preface: Volker Gadenne. Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 69. Glückstadt/D: vwh. ISBN-10: 3864881048; ISBN-13: 978-3864881046

Impact messen in den Sozialwissenschaften und der Soziologie – mit Web of Science, Scopus, Google Scholar oder Altmetrics?

Am 23.09.2016 hielt ich im Rahmen der Tagung Forschungsmetriken als Dienstleistung: Herausforderungen und institutionelle Wirkungen am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB einen Vortrag mit dem Titel Forschungsmetriken und Impact in den Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Altmetrics besser als Zitationsdaten geeignet sind, den Impact (was immer man darunter verstehen mag)  sozialwissenschaftlicher Literatur zu erfassen. Meine Bilanz ist ernüchternd:  Zwar sind Altmetrics prinzipiell den Zitationsdatenbanken Web of Science oder Scopus insofern überlegen als sie auch nicht in Journalen erschienene Werke erfassen. Allerdings dominieren in den Altmetrics-Datenquellen, genau wie im Web of Science oder Scopus, englischsprachige Journalartikel. Folglich findet sich das Problem der fragmentarischen Impact-Erfassung speziell deutschsprachiger sozialwissenschaftlicher Literatur auch bei Altmetrics. Es wird verstärkt durch die seltene Verwendung der DOI in deutschsprachiger sozialwissenschaftler Literatur, denn die Altmetrics-Werte werden zumeist mittels DOI-Parsing ermittelt. Eher als Altmetrics scheint hingegen Google Scholar geeignet, den Impact sozialwissenschaftlicher Literatur zu beschreiben – zu diesem Schluss kam ich auch in meiner Dissertation.

Der besagte Vortrag findet sich in Slideshare unter http://www.slideshare.net/uherb/forschungsmetriken-und-impact-in-den-sozialwissenschaften

 

Kooperation zwischen Google Scholar & Thomson Scientifics Web Of Science

Was in letzter Zeit schon auf einigen Mailinglisten kolportiert wurde, ist nun offiziell: Die Zitationsdaten-Indizes Google Scholar und Web of Science (des Anbieters Thomson Scientific) zeigen in ihren Suchergebnissen zusätzlich zu den Ergebnissen der eigenen Zitationszählung zu einem Dokument wechselseitig auch die Ergebnisse des fremden Dienstes an. Die Resultate des Web of Science werden selbstredend nur eingeblendet, wenn der Zugriff für den abfragenden Rechner lizenziert ist. Mehr dazu in Against the Grain unter Thomson Reuters-Google Scholar Linkage Offers Big Win for STM Users and Publishers. Bis Januar 2014 soll die Funktionalität für alle Web of Science-Abonnenten verfügbar sein. Google Scholar strebt offensichtlich keine exklusive Zusammenarbeit mit Thomson Scientific an und steht analogen Kooperationen etwa mit den Datenbanken Scopus (Elsevier) oder PubMed Central (National Institutes of Health) offen gegenüber. Auf den Artikel in Against the Grain machte Walter Umstätter aufmerksam, er verwies wiederum auf eine Meldung in Password Online (noch nicht frei einsehbar).

The Publish or Perish Book

Anne-Wil Harzing, die Entwicklerin der Software Publish or Perish  (PoP) machte mich gestern darauf aufmerksam, dass sie bereits letztes Jahr ein Buch über Zitationsanalyse publiziert habe. Weitere Infos zum besagten Buch mit dem Titel The Publish or Perish Book finden sich unter http://www.harzing.com/popbook.htm. Die Software PoP gibt auf Basis der in Google Scholar ermittelten Zitationsdaten Metriken aus, v.a. in Form des Hirsch-Index (h-Index) oder dessen Varianten wie z.B. des g-index (der Zitationen aus häufig zitierten Artikeln höher gewichtet als Zitationen aus seltener zitierten Werken) oder des e-index, der (anders als der h-index) versucht die Zitationen auf Werke, die über dem eigentlichen h-Wert liegen, zu berücksichtigen: Wissenschaftler A hat einen h-Index von 8, da 8 seiner Publikationen 8 mal zitiert wurden und keine häufiger als 8 mal. Wissenschaftler B hat ebenfalls einen h-Index von 8 – allerdings wurden 3 seiner Artikel 8 mal zitiert und 5 seiner Artikel 40 mal. Der h-Index differenziert nicht zwischen A und B, beide haben einen h-Index von 8. Dem e-Index gelingt diese Differenzierung durch Verrechnung des Zitationsüberschüsses, der nicht im h-Index abgebildet wird. Anders als die Software PoP ist das begleitende Buch nicht entgeltfrei nutzbar, allerdings kann auf der Autorenhomepage ein zwölfseitiger Ausschnitt kostenlos gelesen werden und selbstredend bietet auch Amazon den „Look Inside!“ an. Das 250 Seiten umfassende Werk unterteilt sich in eine Art Bedienungsanleitung zur Software PoP, eine Darstellung unterschiedlicher Anwendungsperspektiven (Selbstevaluierung/ Karrieremanagement, Benchmarking, Forschungsadministration) und  in eine vergleichende Evaluierung von Google Scholar und Web of Science. Die Printversion von The Publish or Perish Book kostet 56,99 € via Amazon, die elektronische Fassung via Autorenhomepage 28,50 €, zusätzlich gibt es Lizenzmodelle für Lehreinrichtungen und andere Organisationen.